10. Oktober 2018, 06:00 Uhr

Stadt Gießen

Gefahrenstelle Rödgener Straße

Rollstuhlfahrer auf der Straße, Personen im Gleisbett: Rund um den Bahnübergang in der Rödgener Straße kommt es immer wieder zu brenzligen Begegnungen. Dafür gibt es gleich mehrere Ursachen.
10. Oktober 2018, 06:00 Uhr
Der fehlende Bürgersteig an der Bushaltestelle ist nur eines der Probeme. (Foto: Schepp)

Die gefährlichen Situationen rund um den Bahnübergang an der Rödgener Straße reißen nicht ab. Dieser Tage berichtete ein Gießener dieser Zeitung erneut von einer brenzligen Begegnung. Demnach habe er mit seinem Auto an den Gleisen beinahe einen Rollstuhlfahrer überfahren. Zu solchen und ähnlich gefährlichen Situationen kommt es am Stadtrand in Richtung Rödgen immer wieder. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zum einen wäre da der Bahnübergang selbst, der schon seit vielen Jahren keinen Fußweg aufweist. Heißt: Die Passanten müssen über die Gleise steigen. Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren ist das jedoch nicht möglich. Sie müssen auf die Straße ausweichen und riskieren so Situationen wie die oben beschriebene.

 

Schon vor Jahren als Gefahrenstelle erkannt

Die Begebenheiten wurden schon vor vielen Jahren bei Verkehrsschauen als gefährlich eingestuft. Seit 2015 hat sich die Situation aber massiv verschärft: Denn nur wenige Meter entfernt ist die HEAE beheimatet, in der zwischenzeitlich über 5000 Flüchtlinge untergebracht waren. Wenn die Geflüchteten mit dem Bus fahren wollten, überquerten sie den Bahnübergang, der sich vor dem Umspannwerk der Stadtwerke in der Udersbergstraße befindet.

Da die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat und die Verantwortlichen zudem einen neuen Zu- bzw. Ausgang an der HEAE geschaffen haben, der näher an der Bushaltestelle Sophie-Scholl-Schule liegt, reduzierte sich die Zahl der den Bahnübergang passierenden Personen erheblich. Darauf weist Stadtsprecherin Claudia Boje hin. »Erst in jüngerer Zeit – vermutlich im Zusammenhang mit den Bauarbeiten auf dem Gelände und der Neuordnung der Zugangssituation – kommt es wieder gehäuft zu Querungen.«

 

Kein Bürgersteig

Problematisch an der Situation ist auch, dass von der Bushaltestelle in Richtung Stadt kein Bürgersteig, sondern nur ein grober Schotterweg führt. Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren müssen daher schon in der Kurve und somit einige Meter vor dem Bahnübergang auf die Fahrbahn ausweichen. Und zu dieser Gemengelage gesellt sich noch ein weiterer Umstand, der eine Behebung des Problems erschwert: Mit der Stadt Gießen, der Bahn als Eigentümerin des Übergangs sowie HessenMobil als Verantwortliche für die Kreisstraße gibt es drei Parteien, die involviert sind.

Den Verantwortlichen im Rathaus ist die Problematik bekannt. »Die Straßenverkehrsbehörde hat daher an dieser Stelle auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung 70 bzw. 50 km/h angeordnet. Außerdem wurde das Verkehrszeichen ›Achtung Fußgänger‹ aufgestellt. Das Zeichen weist die Kraftfahrer auf die Notwendigkeit einer besonderen Aufmerksamkeit und rücksichtsvoller Fahrweise sowie ggf. die weitere Drosselung ihrer Geschwindigkeit hin«, heißt es in einer Stellungnahme. Desweiteren habe man die Problematik des fehlenden Fußgängerüberwegs mit der Bahn besprochen. Bisher offenbar ohne Erfolg.

 

Busse sollen durchs Depot

Eine zusätzliche Bushaltestelle unterhalb des Bahnübergangs sei auch keine Option, da die Probleme dadurch nur verlagert würden. In Fahrtrichtung Gießen befände sich die Haltestelle dann kurz hinter der Bahnschranke, was wegen eines möglichen Rückstaus aber zu gefährlich sei. Außerdem läge sie dadurch unmittelbar hinter der Kurve, was die Einsehbarkeit beschränken würde.

Ein Neubau des Bahnübergangs ist nicht in Sicht. Aber vielleicht wird die Problemstelle bald abgeschwächt. Denn auf die Frage, welche Rolle der Ausbau des ehemaligen US-Depots in dieser Angelegenheit spielt, antwortet die Stadt: »Künftig soll der Linienbusverkehr direkt in das Gebiet Alter Flughafen/ehemaliges US-Depot geführt werden. Die ÖPNV-Anbindung wird sich damit für viele Beschäftigte, HEAE-Bewohner und Besucher deutlich verbessern. Nach derzeitigem Stand ist nicht zu erwarten, dass die aus der fortschreitenden Entwicklungen des Gebiets resultierenden verkehrlichen Änderungen einen Umbau des Bahnübergangs-/Kreuzungsbereiches erfordern.«

Bis es zu einer Lösung kommt, müssen sowohl Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollatoren als auch Autofahrer die Augen ganz besonders offenhalten.

Info

Neuer Radweg nach Rödgen?

Schon länger wird gefordert, auf der Kreisstraße zwischen Rödgen und Gießen einen Radweg anzulegen. Die Stadt teilt dazu mit: »Der Bau eines Radweges entlang der L3126 wird von uns weiter verfolgt. Planung und Bau liegen jedoch in der Zuständigkeit des Landes.«

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