10. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Kriminalität

Gaunern ein Schnippchen schlagen

Die Vorweihnachtszeit ist die Hochzeit der Taschendiebe. Doch schon mit kleinen Kniffen kann man sich schützen.
10. Dezember 2017, 09:00 Uhr
hanak_steffen_sha
Von Steffen Hanak
Blitzschnell greifen die Täter zu – hier zum Glück in einer gestellten Szene. (Foto: Schepp)

Die Seniorin ist bestens gelaunt. »Ich bin noch nie beklaut worden«, verkündet sie stolz. Zwar trägt die Dame ihre Geldbörse – wie viele andere auch – in der Hosentasche mit sich herum. Sie verschließt sie allerdings mit einer Sicherheitsnadel, denn »so kommt keiner dran«. Nicht jeder hat so pfiffige Strategien wie die Rentnerin. Etliche Passanten tasten unwillkürlich ihre Jacken ab und verschließen noch geöffnete Taschen, als sie durch die Gießener Bahnhofshalle laufen. Doch die meisten tun das nur, weil Beamte der Bundespolizei einen Informationsstand samt »Opfer-Attrappe« aufgebaut haben, um vor Taschendiebstahl zu warnen.

Portemonnaie nicht zu früh zücken

»Taschendiebe werden extra ausgebildet«, betont Polizeioberkommissar Peter Dittel. »Die kaufen sich zur Not auch 1000 verschiedene Taschen und üben solange, bis alle Griffe sitzen.« Man müsse sie mit ihren eigenen Waffen schlagen und selbst einige Kniffe beherzigen, dann könne man sich besser schützen, verrät der Beamte. Ganz besonders wichtig ist dabei, »nicht mit dem Geld herumzuwedeln«. Jeder sollte sein Portemonnaie erst zücken, wenn er es benötigt, erklärt Dittel. Wenn jemand an einem Automaten eine Fahrkarte zieht, sollte er nicht schon mit geöffneter Geldbörse dastehen, während er das Fahrtziel eintippt. Auf dem Weihnachtsmarkt gilt das auch für die Bestellung am Glühweinstand. »Ich muss ja nicht jedem zeigen, was bei mir zu holen ist.«

180-mal schlugen Taschendiebe im vergangenen Jahr am Gießener Bahnhof zu, für 2017 erwarten die Beamten rund 150 Anzeigen. Seit etwa zehn Jahren bewegen sich die Zahlen auf einem »konstant hohen Niveau«.

Demo mit Schaufensterpuppe

Zur Demonstration möglicher Fehler haben Polizisten eine Schaufensterpuppe vor einem Fahrkartenautomaten aufgestellt. Sie trägt einen geöffneten Rucksack. Auf einem Koffer hinter der Puppe liegt eine unverschlossene Handtasche, aus der ein Tablet hervorblitzt. An den Reaktionen der Passanten bemerkt man, das offensichtliche Fehlverhalten hat Wirkung. Manche Reisenden machen jedoch auch viel richtig. Ein Mann, der nach dem Lösen seines Fahrscheins versehentlich an die Puppe stößt, sodass deren Portemonnaie herunterfällt, erhält ein Lob. Er hat sein Gepäck für Diebe unerreichbar zwischen dem Automaten und seinen Beinen eingeklemmt. Dass er sein Portemonnaie geöffnet hatte, war von hinten kaum zu sehen.

Viele seien auch im Zug zu arglos, sagt Dittel, der bei der Bundespolizei für Kriminalprävention zuständig ist. Deshalb ist er mit Kollegen in der Vorweihnachtszeit auf Bahnsteigen unterwegs. Sie wollen dafür sensibilisieren, Rucksäcke und Jacken immer im Auge zu haben. »Manche stecken sich Kopfhörer ins Ohr, machen die Augen zu, und der Rucksack liegt auf dem Sitz gegenüber.«

Unwichtiges zu Hause lassen

Überhaupt empfiehlt der Familienvater, nicht immer alle Papiere und Ausweise mitzunehmen, sondern nur das, was nötig ist. Alle Dokumente ersetzen zu müssen, ist lästig und kann bis zu 250 Euro kosten. »Sie brauchen auf dem Weihnachtsmarkt keinen Reisepass und wenn Sie etwas trinken wollen, auch keinen Führerschein.« »Handgeld« und die EC-Karte gehören laut Dittel in eine unter der Jacke verborgene Bauchtasche oder in Innentaschen.

Ein Problem sind laut Polizei auch Handtaschen. Viele Frauen wollten beim Tragen den Namen des Herstellers präsentieren. Dabei müsste eine Tasche eigentlich nicht modisch-lässig auf einer Schulter balanciert sondern immer quer über die Schulter mit dem Verschluss zum Körper hin getragen werden. Im besten Fall sollte eine Hand seitlich auf der Tasche ruhen, um sie im Notfall festhalten zu können. »Meine Frau trägt ihre Handtasche aber auch nicht richtig«, bekennt der Beamte schmunzelnd. Der Vater zweier Töchter muss nicht nur in Bahnhofshallen und auf Weihnachtsmärkten argumentieren, sondern auch daheim.

Zusatzinfo

Wichtige Tipps

- Gepäckstücke immer dicht am Körper mit sich führen. - Rucksäcke und Handtaschen, aber auch Taschen von Jacken geschlossen halten. - Geld und Papiere in Brustbeuteln, Gürtel- oder Innentaschen verstauen. - Keine überflüssigen Dokumente und große Mengen Bargeld mitnehmen, sondern am besten nur EC-Karte und etwas Handgeld. - Niemals die PIN-Nummern auf Geldkarten notieren oder Zettel mit Geheimnummern in Geldbörsen aufbewahren - Falls EC- oder Kreditkarten gestohlen werden, diese unter 116 1 16 sperren lassen. - Diebstähle sofort anzeigen, weil Videobänder von Kameras an Bahnhöfen nach 72 Stunden überschrieben werden.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos