04. Oktober 2018, 06:00 Uhr

Stadt Gießen

Gastronomie in früherem Commerzbank-Gebäude?

Nach gut drei Jahren Leerstand tut sich etwas in den ehemaligen Räumen der Commerzbank in der Gießener Johannesstraße. Seit Mai hat das Kulturdenkmal einen neuen Besitzer.
04. Oktober 2018, 06:00 Uhr
Das Kulturdenkmal in der Johannesstraße soll schon bald einer neuen Nutzung zugeführt werden. (Foto: Schepp)

Im Hinterhof stehen Container. »Da wird gerade ganz schön ausgemistet«, sagt ein Beobachter am Straßenrand. Immer wieder ziehen kleinere Grüppchen Besucher durch die Räume und schauen sich das Objekt ganz genau an. Nach mehr als drei Jahren Leerstand kommt Bewegung in die ehemalige Schalterhalle der früheren Commerzbank-Filiale an der Ecke Goethestraße/Johannesstraße.

Neuer Besitzer des Kulturdenkmals mit der Anschrift Johannesstraße 17 ist der in Frankfurt ansässige Investor Coreo. Das Unternehmen hatte Anfang Mai das sogenannte »Hydra-Portfolio« gekauft, zu dem zwölf von der Commerzbank nicht mehr benötigte Filialgebäude gehören. Coreo zahlte für die Büro-, Wohn- und Geschäftshäuser, die sich allesamt am Rande von Fußgängerzonen befinden, insgesamt 22,5 Millionen Euro. Die Objekte vereinen eine Mietfläche von mehr als 22 000 Quadratmeter auf sich.

Wertvollster Teil des Portfolios sind nach Meinung von Immobilienexperten die Objekte in Frankfurt, Hanau und Darmstadt. Zu den weiteren Standorten neben Gießen zählen Marburg, Wetzlar, Bielefeld, Viersen, Werdohl, Kiel, Flensburg und Trier. Coreo will die ehemaligen Bankschalterhallen hauptsächlich zu Einzelhandels- bzw. Gastronomieflächen umbauen. Mancherorts sei eine Umwandlung der Büros zu Wohnungen vorgesehen. Dabei werde der Wohnflächenanteil auf rund ein Drittel der gesamten Mietfläche deutlich erhöht werden. Für Sanierung, Ausbau und Neuvermietung veranschlage Coreo 5,5 Millionen Euro, hieß es zuletzt beim Ankauf.

Mehrere Interessenten

Was im Detail mit dem Gießener Kulturdenkmal passieren soll, ist laut Coreo-Vorstandschef Marin N. Marinov noch nicht abschließend geklärt. »Fest steht nur, dass noch nichts feststeht«, sagt der Immobilienfachmann auf GAZ-Anfrage. Er lacht. »Wir sind aber sehr froh, dass wir das Gebäude in Gießen bekommen haben. Es ist herausstechend. Ich weiß, dass sich viele dafür interessiert haben«, sagt Marinov. Der Investor verspricht: »Es wird nicht mehr lange leerstehen. Wir wollen das Gebäude sehr schnell einer Nutzung zu führen.« Derzeit sei man in Gesprächen mit unterschiedlichen Interessenten.

Das Kulturdenkmal ist  nach Marinovs Meinung eigentlich prädestiniert für ein Unternehmen mit Publikumsverkehr, doch auch eine Gastronomie kann er sich im Erdgeschoss gut vorstellen. Für die anderen Stockwerke seien Büros, aber auch Wohnungen denkbar. Je nachdem, für welche Nutzung man sich entscheide, sei ein Bezug schon im Frühjahr 2019 möglich. »Noch ist nichts in Stein gemeißelt. Wir sind für Nutzer und Interessenten offen«, sagt Marinov. Dass der Leerstand bald behoben wird, ist dennoch schon mal eine gute Nachricht für die Gießener Innenstadt.

Vor über 110 Jahren gebaut

Die Commerzbank ist – einschließlich Vorgängerinstitute – seit mehr als 110 Jahren in Gießen vertreten. Der Stammsitz des Bankhauses in der Johannesstraße steht seit 2015 größtenteils leer. Zum 1. April 1906 hatte die Mitteldeutsche Creditbank das private Gießener Bankhaus Aron Heichelheim übernommen, das 1832 gegründet worden war. Zum Direktor der Filiale Gießen ernannt wurde der letzte Inhaber des Bankhauses Heichelheim, Albert Heichelheim. Die Geschäftsräume der Filiale befanden sich von Anfang an in der damaligen Johannisstraße. Das Gebäude war 1905/06 nach Plänen des Gießener Architekten Meyer von der Firma Philipp Holzmann & Co. errichtet worden. Anfangs zählte die Filiale 14 Beschäftigte; auf dem Höhepunkt der Inflation 1922/23 waren es zeitweise 175 Mitarbeiter. 2009 übernahm die Commerzbank die Dresdner Bank, die in der Frankfurter Straße 34 ansässig war. Bis 2012 existierten damit zwei Geschäftsstellen. Ab August 2012 wurden Privatkunden am Selterstor und Firmenkunden in der Johannesstraße betreut. 2015 wurde die Trennung aufgehoben, die Mitarbeiter sind in der Frankfurter Straße tätig.

Zusatzinfo

Als Kulturdenkmal ausgewiesen

Das 2015 größtenteils geräumte Commerzbank-Domizil an der Ecke Johannes-/Goethestraße ist aus städtebaulichen und künstlerischen Gründen ein Kulturdenkmal. Das repräsentative dreigeschossige Gebäude weist barockale Elemente des Jugendstils auf. Bis zur starken Beschädigung im Zweiten Weltkrieg hatte das Haus auch noch ein hohes Mansarddach. Dies wurde beim Wiederaufbau durch ein zweites Obergeschoss ersetzt. Auch ein ansehnlicher Giebel über dem großen Säulenportal wurde nicht restauriert.

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