14. Februar 2019, 22:08 Uhr

Furchtlose Kolumnistin

14. Februar 2019, 22:08 Uhr
Margarete Stokowski (l.) im Gespräch mit Moderatorin Catarina von Wedemeyer.

Unbestreitbar klingt »Die letzten Tage des Patriarchats« nach einer Kampfansage. Doch um eine Abrechnung mit den Männern geht es der Journalistin Margarete Stokowski (33) nicht – weder in ihrem bei Rowohlt erschienenen Buch noch bei ihrer Lesung am Donnerstagabend im Rathaus. Dennoch füllt sich der ausverkaufte Hermann-Levi-Saal mit fast ausschließlich jungen Besucherinnen. Dabei enthalten die vorgetragenen Texte allgemeingültige Wahrheiten, die alle Seiten interessieren könnten und sollten.

In »Die letzten Tage des Patriarchats« präsentiert Stokowski ein Best-of ihrer seit 2011 entstandenen Essays und Kolumnen für »taz« und »Spiegel Online«. So lakonisch, furchtlos und scharfsinnig das geschriebene Wort ist auch der Auftritt der Autorin.

»Ich wollte eigentlich kein Buch mit alten Kolumnen veröffentlichen, wie so ein alter Feuilletonist, der auf seine Meinung alles gibt,« leitet Stokowski selbstironisch den Abend ein. Doch sie habe immer wieder Anfragen bekommen und ließ sich letztendlich überzeugen. Während der Lesung zeigt sie die Bandbreite ihres bisherigen Schreibens auf, von der leichten Unterhaltung, etwa dem Kauf einer Handwerkerhose während der »Women’s Week« im Baumarkt, die für große Lacher sorgt, bis hin zu gesellschaftskritischeren Kommentaren über Unisextoiletten, Mode und #MeToo. Ihr gelingt die Balance zwischen ernst und komisch.

Der eigenen Meinung stellte die Journalistin die Reaktion der Leser gegenüber. Sie liest Auszüge aus Kommentaren in den sozialen Medien und unter ihren Artikeln vor. Dem Publikum vergeht zu Recht die Laune. »Du, dumme Sau« ist noch das netteste, was sie zitiert. Neben Beleidigungen erhält sie Androhungen von Mord und Vergewaltigung. Sie legt das Buch mehrere Male zur Seite und erzählt frei von ihren Erlebnissen. Solche Momente machen die Autorin nahbar, und ihren Kampfgeist spürbar. Mit einem Lächeln erzählt sie, wie sie Kontakte mit solchen Trollen aufnimmt, etwa mit Ruven, gegen den sie sogar Strafanzeige stellt. Die Korrespondenz läuft über Ruvens Mutter. Für sie eine Genugtuung, dass wenigstens die Mutter erfährt, wie ihr Sohn denkt. Denn zu einer Verurteilung kommt es nicht, »wie in all meinen Fällen.«

Die zwei Stunden vergehen schneller als mancher lieb ist. Der Abend ist eine gelungene Mischung aus Lesung und Erfahrungsbericht, die das Leben einer feministischen Autorin greifbar macht. (Foto: sak)

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