26. September 2016, 18:03 Uhr

Fünf Jahre und drei Monate Haft für Sextäter

Gießen (ta). Das Geständnis ersparte dem Opfer eine Aussage vor Gericht und dem Angeklagten eine härtere Bestrafung. Zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilte das Landgericht am Montag einen 52-Jährigen wegen acht Fällen von Vergewaltigung, schwerem sexuellen Missbrauch und sexueller Nötigung.
26. September 2016, 18:03 Uhr
Stadt und Kreis haben vor dem Gießener Landgericht einen Vergleich geschlossen. (Foto: red)

Der Alkoholiker hatte sich 2014 und 2015 an der inzwischen zwölfjährigen Enkelin seiner Lebensgefährtin vergangen. Um eine Sicherungsverwahrung kam er herum.

Den Delinquenten kann man getrost als gescheiterte Existenz einstufen: Aufgewachsen in einer kinderreichen Familie mit alkoholkranken Eltern, schon als Kind Sachbeschädigungen und Diebstähle, später Gewalt gegenüber dem Stiefvater, zweimal an der Theorie der Gesellenprüfung als Maler- und Lackierer gescheitert, danach abwechselnd arbeitslos oder Hilfsarbeiter. 1994 dann die erste Verurteilung zu zwei Jahren Haft, weil er zusammen mit der Mutter deren Stieftochter missbraucht hatte. 2003 eine weitere Haftstrafe wegen zweifacher Körperverletzung und Vergewaltigung seiner Partnerin.

Bei alledem spielt seit Jahrzehnten der Alkohol eine Rolle: Seinen Konsum beziffert der Angeklagte auf täglich mehrere Flaschen Bier; die Leber ist schon schwer geschädigt. Erfolg hat er nur beim anderen Geschlecht: Er hatte ständig Kurzzeitbeziehungen und auch mehrere längere Partnerschaften.

Seit dem 20. Dezember 2015 sitzt der gebürtige Offenbacher erneut in Untersuchungshaft. Er hatte in einem Kellerabgang die elfjährige Enkelin seiner Lebensgefährtin vergewaltigt. Bei den Vernehmungen des Opfers stellt sich heraus, dass er die Schülerin in den zwei Jahren zuvor in größeren Abständen wiederholt missbraucht oder vergewaltigt hat; jeweils dann, wenn das Mädchen bei der Großmutter zu Besuch war.

Urteil stößt auf Unverständnis

Der Angeklagte sei nicht pädophil, diagnostizierte Gutachter Dr. Rüdiger Müller-Isberner. Er sei eindeutig heterosexuell veranlagt und habe sein triebhaftes Bedürfnis befriedigen wollen. Der Psychiater bescheinigte dem Vergewaltiger eine schwere dissoziale Persönlichkeitsstörung. Angesichts der früheren Taten und seines Alkoholmissbrauchs sei er »hoch rückfallgefährdet«. Für eine starke Beeinträchtigung seiner Einsichts- und Steuerungsfähigkeit durch die »Tatzeitberauschungen« – nach der letzten Tat waren 1,84 Promille gemessen worden – gebe es allerdings keinen Hinweis. Einzelne Indizien ließen zwar eine Sicherungsverwahrung angeraten sein, betonte Müller-Isberner weiter. Doch dagegen spreche das Jahrzehnt Straffreiheit. Der Sachverständige empfahl deshalb eine Unterbringung im Maßregelvollzug zur Behandlung der Alkoholsucht.

Zu Beginn des Prozesses hatte der Anklagte alle Taten eingeräumt und dabei noch mehr Details genannt als sein Opfer. Das Mädchen hatte seine Aussagen bei Diplom-Psychologin Sonja Parr vorgetragen, die dem Kind hohe Glaubwürdigkeit bescheinigte.

Staatsanwältin Daniela Zahrt beantragte für die acht Einzeltaten eine Gesamtstrafe von fünfeinhalb Jahr. Verteidiger Thorsten Marowsky plädierte auf dreieinhalb Jahre, Rechtsanwältin Regina Risken für die Mutter als Nebenklägerin auf acht Jahre.

Mit dem Urteil blieb die Kammer knapp unter dem Antrag der Anklage. Der Verzicht auf eine Sicherungsverwahrung sei dem Gericht nicht leicht gefallen, doch das Jahrzehnt ohne Strafen spreche dagegen, betonte Vorsitzender Dr. Patrick Gödicke. Der Verurteilte kommt nun zunächst in eine Entziehungsanstalt. Ist die Behandlung erfolgreich, wird die Reststrafe in einer Justizvollzugsanstalt verbüßt.

Unter den Verwandten des Opfers stieß das Urteil auf Unverständnis: Sie hatten eine längere Haft erwartet. »Wie soll ich das meiner Tochter erklären?«, schluchzte die Mutter, »sie muss ihr Leben lang darunter leiden und der Täter ist in fünf Jahren wieder frei.«



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