26. Oktober 2015, 12:43 Uhr

Frenetisches Wiedersehen mit Mia

Mieze Katz schüttelt Hände und verteilt Umarmungen: Für alle Konzertbesucher, die sie auf dem Weg zum Backstagebereich passiert, hat die Sängerin ein persönliches Danke übrig – danke, dass ihr Karten für unsere Konzerte kauft. Zwei Stunden lang haben Mia am Samstagabend den gut besuchten Bunker erbeben lassen.
26. Oktober 2015, 12:43 Uhr
Powerfrau: Mieze Katz beim umjubelten Auftritt im MuK. (Foto: Sabine Glinke)

Die Berliner gastierten bereits zum zweiten Mal im MuK. Seit ihrem letzten Besuch sind allerdings zwölf Jahre vergangen. Umso frenetischer wurde das lang ersehnte Wiedersehen von Band und Fans gleichermaßen gefeiert.

Es wird dunkel auf der Bühne, Kunstnebel steigt auf, aus den Boxen rumpelt »Firestarter« von The Prodigy. Ein mehr als passendes Intro, eröffnen die Berliner ihre Show mit »Lauffeuer«, dem Opener des aktuellen Albums »Biste Mode«, unter dessen Motto auch die aktuelle Tournee steht. »Wir kennen uns nicht, aber wir können uns kennenlernen« schmettert Mieze dem Publikum entgegen und begrüßt damit alle Mia-Neulinge. Im Publikum scheinen mehr Kenner als Neulinge zu sein, denn eins ist Fakt, seit es die Berliner Band gibt: Mia polarisieren wir keine zweite Band. Im MuK jedenfalls liebt man sie, und Mieze und ihre Bandkollegen Andy Penn (Gitarre), Robert Schütze (Bass) sowie Gunnar Spies (Drums) geben in den zwei Stunden viel Liebe an die Fans zurück. In bester Soundqualität und mit großartiger Lightshow hauen sie einen Gassenhauer nach dem nächsten hinaus. Frontfrau Mieze gibt Vollgas, scheint keine Sekunde stillzustehen und wechselt während der Show regelmäßig ihre Kostüme. Während sie den Fans bei »Hungriges Herz« mit einem Netzshirt mit Herz-Applikation entgegen tritt, trägt sie beim Klassiker »Alles neu« ein Kostüm aus Baustellen-Absperrband, wechselt von einem orangenen Fetzen-Outfit zum schon legendären Karokleid oder einer Glitzerjacke. Die Songs: Ein Potpourri aus allen Mia-Alben mit einem Fokus auf der aktuellen Scheibe »Biste Mode«. Mal rockt und rumpelt es wie beim NDW-Punker »Blaue Flecken«, andere Songs wie »Kapitän« kommen kantig daher, während »Einmal mehr« eine zarte, poppig-verspielte Ballade ist. »Berg & Tal« setzt auf tanzbare Clubsounds, »Du wirst vermisst« paart clubbige Elektrosounds mit Chillout-Klängen und einem rezitativen Sprechgesangsteil. Mit »Rauschen« gibt es auch ein technoides Instrumentalstück, ungewöhnlich für ein Konzert, bei Mia aber eben Programm. Selbst in den kantigsten und vermeintlich sperrigen Songs stecken echte Ohrwurm-Refrains, die sich im Kopf festsetzen. Egal ob »Mausen«, die Zugabe »Tanz der Moleküle« oder das schon fast nervige »Fallschirm«: Die Melodien bleiben im Kopf kleben, immer möchte man sofort mitsingen und tanzen. Zusätzlich haben Mia immer eine Aussage für ihre Hörer parat und stehen seit jeher dafür, gegen den Strom zu schwimmen.

Weniger politisch, aber doch oftmals gesellschaftskritisch rumpeln, poltern und singen sich Mieze und Co. durch ihr Set, Titel wie »Hoffnung«, das Andy Penn an der Blasharmonika untermalt, machen Mut. Auch Mieze fordert die Zuhörer auf, für Ziele und ihre Meinung einzustehen: »Auch beim Protestieren kann man sich blaue Flecken holen, aber das sind blaue Flecken, auf die man stolz sein kann«, kündigt sie den Titel »PRO Test« an. Dass Mia zu ihre Meinung stehen, davon zeugt die Tatsache, dass sie auch ihren umstrittenen 2003er-Hit »Was es ist« in der Mix-Version an diesem Samstagabend darbieten. Der Song hatte ihnen bei ihrem Gastspiel 2003 im MuK Ärger eingebracht – Teile der Gießener Antifa versuchten, den Auftritt wegen vermeintlich nationalistischer Tendenzen zu unterbinden. 2015 ist von dieser Kritik nicht mehr viel übrig. Nicht umsonst ist Amnesty International mit Infomaterial vertreten. Und wer sich beim Protestieren blaue Flecken geholt hat, den fangen die Berliner wieder auf. Nicht umsonst heißt es auf dem Titeltrack des Albums, das live mit fast karibischem Anklang gespielt wird: »Machste mit, biste Mode, lässt Du’s sein, hast nen Stich. Doch zu mir kannste immer wieder kommen«. Sabine Glinke

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