09. Januar 2018, 11:00 Uhr

Kunst am Bau

Französisches Design im THM-Labor

52 Stühle werden im neuen Labor- und Technologiezentrum der TH Mittelhessen aufgestellt. Doch als Sitzgelegenheiten für die mehr als 10 000 Gießener Studenten sind die nur bedingt gedacht.
09. Januar 2018, 11:00 Uhr
Im Foyer des THM-Verwaltungsgebäudes ist in einer Vitrine neben dem Probeguss eines Stuhlbeins auch ein verkleinertes Modell eines Stuhls ausgestellt. (Foto: Schepp)

Unter dem Motto »Kunst am Bau« hatte die Technische Hochschule Mittelhessen ausgewählte Künstler zur Teilnahme an einem Wettbewerb aufgerufen. Ziel war es, den Neubau des Labor- und Technikzentrums in der Gutfleischstraße mit Kunst zu bestücken. Neun Künstler reichten ihre Vorschläge ein.

Gewonnen hat den Wettbewerb der in Frankfurt und Paris lebende Künstler Ernst Stark. Er wird für die Gießener Hochschule die 52 roten Stühle des französischen Designers und Architekten Jean Prouvé nachbauen, die dieser 1931 für die Universität im französischen Nancy entworfen hatte – einen für jedes Zimmer im dortigen Studentenwohnheim.

Stark wird die schnörkellosen Sitzgelegenheiten, im Original aus lackiertem Stahl und Eichenholz, für die THM Mittelhessen allerdings leicht verändern. Für seine »Chaises cité« kommt auch Bronze zum Einsatz. Der erste Probeguss eines Stuhlbeins ist bereits jetzt schon zu sehen. Im Erdgeschoss des THM-Verwaltungsgebäudes, dem ehemaligen Landratsamt an der Ostanlage, ist er ausgestellt.

Fest im Boden verankert

Dort kann man auch in einer Vitrine einen verkleinerten Nachbau des im Original 73 Zentimeter hohen Stuhls besichtigen. Der »Chaise cité« wird zunächst aus einem Eichenblock herausgehauen, anschließend in Bronze abgeformt und, als Zitat des Originalstuhls, rot patiniert.

Wann der Laborneubau eingeweiht wird und die 52 Stühle frei verteilt im Innen- und Außenbereich des Campus Gutfleischstraße aufgestellt werden, steht noch nicht fest. Fest steht allerdings, dass die neuen Stühle im Boden fest verankert werden sollen. Darauf Platz nehmen darf man allerdings durchaus. Schließlich sollen die Stühle campusverbindend und kommunikativ wirken und, so heißt es in der Erläuterung des Künstlers, neue Blickachsen und Perspektiven entstehen lassen.

Als Budget für »Kunst am Bau« werden in der Regel rund ein Prozent der Baukosten veranschlagt. Für Ernst Starks »Campus- Projekt« wurden 290 000 Euro als verbindliche Obergrenze vereinbart.

Kreative Entwürfe

Insgesamt hatten neun Künstler nach der Einladung ihre Entwürfe eingereicht. Die Vorschläge reichten von »Farbwasserfällen« in Anlehnung an Newtons Farbenlehre, Skulpturen, die Nummern, Symbole und Buchstaben in visueller Form zusammenführten, über Wandbilder und Farbfelder bis zu 100 Textbausteinen aus Edelstahl, die einen Gegenpol zum leistungsorientierten und strukturierten Alltag der Studenten bilden sollten. Die Jury – in der neben THM-Vertretern auch Mitglieder des Kunstbeirats des Landes Hessen vertreten waren – hatte sich schließlich für den Entwurf von Ernst Stark entschieden.

Zusatzinfo

Zwei Künstler, zwei Stile

Der 1984 in Nancy gestorbene Jean Prouvé war ein französischer Architekt und Designer. Er etablierte richtungsweisende Architektur und neuartige Möbellösungen. Er wollte Produktionstechniken aus der Industrie auf die Architektur übertragen, ohne die ästhetische Qualität des Ergebnisses aus den Augen zu verlieren. Der 1965 in Bamberg geborene (Holz-)Bildhauer Ernst Stark lebt und arbeitet in Frankfurt und Paris. Eine Auswahl seiner Arbeiten kann man anschauen auf www.ernststark.de.

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