12. Juni 2017, 20:03 Uhr

Fragiler Pfeiler

Der Neue Kunstverein präsentiert eine Installation von Nicola Schudy. Und wieder ist es Kunst, die genau auf die besonderen räumlichen Verhältnisse des ehemaligen Kiosks am Alten Friedhof zugeschnitten ist.
12. Juni 2017, 20:03 Uhr
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Von Dagmar Klein
Nicola Schudy beim Aufbau ihres Turms, der bis zur Kioskdecke reichen wird. (Foto: dkl)

Mit Nicola Schudy hat der Vorstand des Neuer Kunstverein Gießen wieder einmal eine Künstlerin geholt, die sich ganz auf die lokalen Gegebenheiten einlässt. Die Kölnerin entwickelt ihre Installationen immer für den jeweiligen Ort und der ehemalige Kiosk an der Ecke Licher Straße – Nahrungsberg bietet erfahrungsgemäß jede Menge Inspiration. Die Wechselbeziehung innen und außen hat sie besonders fasziniert, erzählt sie. Nicht nur die große Fensterfront, die freien Blick über die Kreuzung und umgekehrt eine gute Sicht nach innen bietet, auch die Geräusche des Autoverkehrs dringen fast ungehindert herein.

Direkte Vorlage für ihre Installation ist allerdings die Architektur aus massivem Bruchsteinmauerwerk. Das wirkt so altmodisch und wehrhaft, findet sie. Also hat sie im Innenraum einen weiteren Pfeiler errichtet. Natürlich aus anderem Material und in der Komposition eher fragil als massiv. Rigipsplatten aus dem Baumarkt hat sie schwarz lasierend bemalt, dann in schmale Platten geschnitten, die lediglich aufeinandergestellt werden. Vom Boden bis zur Decke. Das hält, versichert sie, das habe sie andernorts schon erprobt.

Von ihrer Ausbildung her ist die 1968 geborene Zeichnerin und Bildhauerin. Ihren Job hat sie beim Film gefunden, hat auch schon am Theater gearbeitet. Das bedeutet, sie ist gewöhnt mit Räumen umzugehen, hat eine besondere bildnerische Vorstellungskraft dafür entwickelt. Blättert man durch den ausliegenden Katalog, dann sieht man, wie unterschiedlich die Raumelemente sein können, die sie jeweils aufgreift. Manchmal scheinen die Räume oder Materialien dabei ein unheimliches Eigenleben zu entwickeln. Eine spannende Sicht auf den Kunstkiosk ist garantiert.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 15. Juli. Zur Finissage bietet der Kunstverein ein Künstlergespräch um 16 Uhr. Geöffnet wie immer am Wochenende, einsehbar jederzeit. Auch bei nächtlicher Beleuchtung interessant. www.kunstverein-giessen.de.



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