12. Januar 2016, 16:33 Uhr

Fragen und Antworten: Närrisches Nullsummenspiel

Gießen (ta). Wenn am 7. Februar wieder der närrische Lindwurm durch die Innenstadt zieht, ist manches anders als gewohnt: Das Sicherheitskonzept, das Zuggeld für Teilnehmer und auch der Zugmarschall sind neu. Die Besucher des Fassenachtszuges werden das aber kaum mitbekommen.
12. Januar 2016, 16:33 Uhr
Viel Bürokratisches muss der neue GFV-Zugmarschall Bernd Hachenberger bewältigen, ehe die Gießener am Fastnachtssonntag den Zug erleben können. (Foto: Stefan Schaal)

Was sind die Auflagen?

Seit der Katastrophe von Duisburg sind allenthalben die Ordnungsbehörden sehr viel strikter in ihren Auflagen, was öffentliche Aufmärsche angeht. Das bekommen auch die Veranstalter von Fassenachtsumzügen zu spüren. In Gießen dürfen deshalb seit 2013 nur noch Wagen mitrollen, deren Aufbauten vorher vom TÜV abgenommen worden sind. Im Vorjahr musste die Gießener Fassenachts-Vereinigung erstmals Sperrgitter an den Stellen mit dem größten Besucheransturm aufstellen.

Was bedeutet das?

Das kostete die GFV auf einen Schlag zusätzliche 5000 Euro an Leihgebühren und Entlohnung des THW für Auf- und Abbau. Für rund 8000 Euro wird »Wurfmaterial« erworben, für die TÜV-Prüfung der zehn vereinseigenen Wagen werden 3000 Euro fällig, dazukommt die Aufwandsentschädigung für das Deutsche Rote Kreuz. Alles in allem hat die GFV vor einem Jahr rund 30 000 Euro beim Zug draufgelegt. In diesem Jahr wird der Aufwand noch ein wenig größer, denn es stehen keine freiwilligen Feuerwehrleute mehr zur Verfügung. Die GFV muss deshalb mindestens zwölf eigene Ordner stellen und entlohnen.

Welche Folge hat diese Entwicklung?

Wegen dieser finanziellen Zwänge verlangt die GFV nun erstmals ein Zuggeld: Nachdem zunächst sogar von 150 Euro die Rede war, werden nun 50 Euro für jeden Wagen und 20 Euro für jede Fußgruppe fällig. Außerdem müssen alle Teilnehmer ein Zugabzeichen für 2,50 Euro erwerben. GFV-Präsiden Jörg Langsdorf rechnet mit einem »Nullsummenspiel«: Die Mehreinnahmen werden nur dazu reichen, die Mehrausgaben zu decken. Als vor drei Jahren die TÜV-Auflage eingeführt wurde, haben einige auswärtige Vereine wegen der Kosten und des zusätzlichen Organisationsaufwandes ihre Teilnahme am Gießener Zug verärgert abgesagt. Der neue Zugmarschall Bernd Hachenberger rechnet nicht damit, dass das Zuggeld nun abermals abschreckend wirkt. Der Nachfolger von Carsten Größer, der nach zehn Amtsjahren abgedankt hatte, ist sich sicher: »Die Vereine wollen die Tradition fortführen, die kommen wieder nach Gießen.« Genaues weiß der Lindener aber noch nicht, da die Anmeldefrist erst Ende Januar endet.

Was ist bisher passiert?

Bisher lag für Hachenberger der Schwerpunkt auf dem Ausarbeiten eines detaillierten Sicherheitskonzeptes, auf dem die Stadt Gießen besteht. Dazu gehören die Sicherung von Fluchtwegen und viele Auflagen: dass kein Glas auf den Wagen mitgeführt werden darf, neben jedem Zugfahrzeug vier Begleiter mitgehen müssen, Konfettikanonen fest eingebaut sein müssen oder dass die Wagenbesatzungen hinterher nicht schon in der Walltorstraße absteigen dürfen. Für den Zugmarschall ist das alles keine fremde Welt: Er ist beruflich seit Langem am Frankfurter Flughafen für Qualitäts- und Prozesssicherung zuständig.

Welche Probleme bleiben?

Nicht beheben können wird der neue Mann das Problem, dass der Gießener Fassenachtszug so gut wie keine Motivwagen hat. Die GFV ist schon froh, dass sie Helfer für die Neugestaltung der Zugmarschall-Lokomotive sowie die Renovierung von Präsidenten- und Kadettenwagen gefunden hat. Für mehr fehlt es an Personal. Die GFV wird deshalb weiter ein wenig neidisch auf den Heuchelheimer Zug schauen, in dem dank einer emsigen Truppe jedes Jahr einige attraktive Motivwagen mitrollen.

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