03. Juli 2008, 21:44 Uhr

Forschungs-Netzwerke sollen ausgebaut werden

Gießen (si). Das Zentrum für Medien und Interaktivität der Justus-Liebig-Universität sieht sein erfolgreiches Abschneiden bei zwei hochkarätigen Forschungsförderungsprogrammen auch als Bestätigung der kulturwissenschaftlichen Schwerpunktsetzung, die die Hochschule seit Jahren betreibt.
03. Juli 2008, 21:44 Uhr

Gießen (si). Das Zentrum für Medien und Interaktivität der Justus-Liebig-Universität sieht sein erfolgreiches Abschneiden bei zwei hochkarätigen Forschungsförderungsprogrammen auch als Bestätigung der kulturwissenschaftlichen Schwerpunktsetzung, die die Hochschule seit Jahren betreibt. Ziel müsse es nun sein, die bestehenden Netzwerke innerhalb und außerhalb der Universität auszubauen, sagten ZMI-Direktor Prof. Henning Lobin und sein Stellvertreter Prof. Frank Bösch bei einem Pressegespräch. Der Schwerpunkt »Kulturtechniken und Medialisierung«, - der (wie in der vergangenen Woche berichtet) im Rahmen des Landesprogramms »Loewe« bis 2010 mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert wird, und der Forschungsverbund »Interactive Sciene - Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien«, den die Volkswagenstiftung mit rund einer Million Euro bezuschusst, sollen ihren Angaben zufolge die Forschungsaktivitäten des Zentrums in den kommenden Jahren bestimmen.

»Kulturtechniken und Medialisierung« konnte sich im Rahmen der »Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenzen« hessenweit als einziger geisteswissenschaftlicher Schwerpunkt durchsetzten, zugleich ist es das einzige geförderte Projekt, bei dem die Justus-Liebig-Universität Hauptantragsteller war. Die Federführung bei den »Kulturtechniken« liegt bei Lobin, vertreten ist er mit seinem Teilprojekt über »Die Ordnung von Wissen in Texten - Textgliederung und Strukturvisualisierung als Quellen natürlicher Wissensontologien«. Gefördert werden außerdem - wie seit gestern bekannt ist - Forschungsvorhaben der Professoren Karl Gegenfurtner (»Blickbewegungen und Informationsverarbeitung beim Lesen in unterschiedlichen Medien«), Helmuth Feilke und Katrin Lehnen (»Schreib- und Textroutinen: Kultur-, fach- und medienbezogene Perspektiven«, Joybrato Mukherjee (»Englisch als lingua franca in der Wissenschafts- und Wirtschaftskommunikation«), Ansgar Nünning (»Narrative Kompetenz und ihre Medialisierung«), Frank Bösch und Peter Haslinger (»Audiovisuelle Geschichtsschreibung. Fernsehnarrative in Ost- und Westeuropa«), Vadim Oswalt und Dietmar Rösler (»Electronic literacy im Geschichts- und Fremdsprachenunterricht«) sowie noch einmal Peter Haslinger, und zwar gemeinsam mit seinem Kollegen Uwe Wirth in dem Teilprojekt »Praktiken des Suchens und Findens«.

Eingerichtet wird nun unter anderem ein Kompetenzzentrum Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung, das zwischen den einzelnen Schwerpunkten eine »Brückenfunktion« wahrnehmen soll. Fest eingeplant sind zwei gemeinsame Entwicklungsprojekte, und zwar über die »Multimedialisierung der «Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt»« und »Korpustechnologie«. Weitere Projekte können bis 2010 hinzukommen. Ein Teil des Geldes wird auch in die Graduiertenförderung fließen. Voraussichtlich würden etwa 10 (halbe) Promotionsstellen geschaffen, außerdem drei für »Postdocs« und eine Koordinationsstelle, sagte Lobin. Profiteur sind auch die beiden Antragspartner: Das Herder-Institut in Marburg und die Fachhochschule Gießen, die mit den Professoren Bernd Voges (Fachjournalistik und Multimediale Dokumentation) und Joachim Zinke (Übertragungstechnik, Mediengestaltung) vertreten ist.

Der auf drei Jahre angelegte Forschungsverbund »Interactive Science« nimmt die Wirkungen neuer Medien auf die Produktion, Distribution und Evaluation wissenschaftlichen Wissens in den Blick. Dabei verbindet es linguistische, medien- und sozialwissenschaftliche, wissenschaftshistorische und theaterwissenschaftliche Sichtweisen. »Erstmalig werden damit in dieser fachlichen Konstanz die Veränderungen der Wissensproduktion in den Blick genommen, die durch die Digitalisierung und Vernetzung bewirkt werden«, erklärt Lobin als Sprecher des Forschungsverbunds. Die Volkswagenstiftung fördert es im Rahmen ihres Programms »Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften«.

Neben dem Computerlinguisten Lobin sind vom ZMI die Sprachwissenschaftler und Professoren Gerd Fritz und Thomas Gloning sowie der Politikwissenschaftler Christoph Bieber beteiligt. Als Kooperationspartner wurden unter anderem die Universitäten Konstanz und Trier, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und das Kulturwissenschaftliche Institut in Essen gewonnen, das der frühere ZMI-Direktor Prof. Claus Leggewie seit 2007 leitet.

Das 2001 gegründete Zentrum für Medien- und Interaktivität betreibt anwendungsorientierte und praxisnahe Grundlagenforschung zu medienbezogenen Fragestellungen. Ihm gehören rund 20 Gießener Professoren unterschiedlicher Fachbereiche an, hinzu kommen knapp 40 wissenschaftliche und administrative Mitarbeiter.

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