Stadt Gießen

Forschendes Lernen schafft Selbstvertrauen

Das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) wurde in der Staatskanzlei in Wiesbaden für seine Erfolge im »Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten« geehrt. Mit insgesamt vier Landespreisen und weiteren drei Förderpreisen ist das LLG erneut landesbeste Schule. In ihren Projekten sollten die Schüler zu dem diesjährigen Rahmenthema »So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch« in der Region Hessen forschen und eigenständig Quellen erarbeiten. Sie hatten dafür ein halbes Jahr Zeit.
16. September 2019, 21:47 Uhr
Laura Wagenbach
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Auch in diesem Jahr haben die LLG-Schüler wieder die Nase vorn. (Foto: lwg)

Das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) wurde in der Staatskanzlei in Wiesbaden für seine Erfolge im »Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten« geehrt. Mit insgesamt vier Landespreisen und weiteren drei Förderpreisen ist das LLG erneut landesbeste Schule. In ihren Projekten sollten die Schüler zu dem diesjährigen Rahmenthema »So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch« in der Region Hessen forschen und eigenständig Quellen erarbeiten. Sie hatten dafür ein halbes Jahr Zeit.

Anders als im Geschichtsunterricht und den darauf angepassten Materialien, müssen die Schüler in ihrer Recherche selbst herausfinden, welche Quellen relevant sind. Geschichtslehrer Christoph Geibel hob dabei die nachhaltige Wirkung des »forschenden Lernens« heraus. Durch den wissenschaftlichen Anspruch des Geschichtswettbewerbs könnten die Schüler nicht nur ihr »Könnenbewusstsein«, sondern auch ihr Selbstvertrauen durch das Bewältigen dieser großen Aufgabe entwickeln.

Mit seinem Projekt »Wachsen oder weichen - die Landwirtschaft in Reinhardshain im Wandel« widmete sich Simon Albohn (15) seinem Heimatdorf. Er ist selbst in einem Betrieb aufgewachsen und konnte somit Interviews mit seinen Verwandten oder Dorfbewohnern durchführen. Er kam zu dem Schluss, dass die physische Arbeit zwar leichter geworden sei, es aber eine weiter schrumpfende Zahl an Bauern gebe. Auch seien die Erzeugnisse nicht nur für den Eigenbedarf, sondern würden größtenteils weiterverkauft und unterlägen deshalb bestimmten Anforderungen. Die Darstellung dieser wirtschaftlichen Krise brachte Simon Albohn einen Landespreis ein. Auch der kreative Beitrag von Bita Pezeshki (17) und Franziska Bodenmüller (17) wurde mit einem Landespreis ausgezeichnet. Sie behandelten »Gewalt gegen Frauen als Thema der neuen Frauenbewegung« in Form eines illustrierten Tagebuchs. Die Schülerinnen forschten dafür im Archiv der Alternativzeitschrift »Elefantenklo«. Eine politische Krise war Ausgangspunkt des Projekts von Hannah Franken (16), Ole Kiehne (17) und Malaika Berhe (16). Sie sammelten aus verschiedenen schriftlichen Quellen, wie über die Anfänge des Vormärz in Gießen berichtet wurde und wie die Wahrnehmung innerhalb der Bevölkerung war. Der vierte Landespreis ging an Paula John (11), die ebenfalls unter dem Aspekt der Multiperspektivität über den Großbrand in Heuchelheim am 2. September 1866 forschte. Sie stellte fiktive Zeitungsartikel aus der Sicht von Bewohnern, Gaffern oder Feuerwehrmännern zusammen.

Die Erfolgsserie ist auch dem mittlerweile pensionierten Geschichtslehrer Christoph Geibel zu verdanken. Wie sein Kollege Sebastian Dauzenroth betonte, habe dieser immer wieder einen »Blick für lokalhistorische Ereignisse« bewiesen und den Schülern als Motivator zur Seite gestanden. Das LLG nimmt seit 1986 mit steigenden Erfolgen an dem Wettbewerb teil und wurde seit 2009 ununterbrochen als landesbeste Schule ausgezeichnet. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Die Bekanntgabe des Bundespreises steht im November an.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Forschendes-Lernen-schafft-Selbstvertrauen;art71,627905

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