02. Januar 2015, 20:43 Uhr

Flüchtlings-Aufnahmestelle bewältigt Rekordbelegung

Gießen (kw). 3790 Menschen: So viele Flüchtlinge wie noch nie zuvor waren gestern Vormittag in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) registriert. Die hat den Rekordstand dank guter Vorbereitung bewältigt.
02. Januar 2015, 20:43 Uhr
Normalerweise kommen im Winter weniger Flüchtlinge in Deutschland an als zu anderen Jahreszeiten; diesmal ist die Zahl anhaltend hoch. (Archivfoto: Schepp) (Foto: Oliver Schepp)

»Wir sind froh, dass wir bisher jedem ein Dach über dem Kopf bieten konnten«, sagte auf GAZ-Anfrage Gabriele Fischer, Sprecherin des Regierungspräsidiums Gießen. Die großen Zelte mussten über Weihnachten und den Jahreswechsel nicht genutzt werden. Entlastung ist in Sicht: Zum einen werden ab Montag wieder Flüchtlinge an die Landkreise weiterverwiesen. Zum anderen sind weitere Außenstellen der HEAE geplant. In Neustadt (Kreis Marburg-Biedenkopf) sollen die ersten Ankömmlinge schon in vier bis sechs Wochen einziehen.

Dort kann das RP vier frühere Kasernengebäude nutzen, die seit anderthalb Jahren leerstehen und nun kurzfristig »ertüchtigt« werden. Bis zu 800 Menschen sollen dort unterkommen. Wie lange diese Unterkünfte zur Verfügung stehen werden, sei noch offen, so Fischer. Länger dauert die Sanierung ehemaliger Kasernenbauten in Büdingen in der Wetterau. Voraussichtlich ab August können dort bis zu 500 Menschen unterkommen. Kleinere Außenstellen – neben der Zentrale am Meisenbornweg und dem zweiten Gießener Standort an der Rödgener Straße – unterhält die HEAE bereits in Bad Arolsen und Kirchheim.

Die Suche nach weiteren Standorten gehe weiter, betont Fischer: »Auf längere Sicht ist unser Ziel je eine Außenstelle in Nord- und in Südhessen.« Denn die derzeitige Bettenzahl ist auf Dauer vermutlich nicht haltbar. Nicht nur die Gebäude in Neustadt, auch das dieser Tage zusätzlich belegte Haus an der Rödgener Straße stehen vermutlich nur vorübergehend zur Verfügung.

Zugleich hält der Flüchtlingsstrom weiter an. Normalerweise erreiche er im November einen Höhepunkt und lasse dann nach, so Fischer: Im Winter ist eine Flucht deutlich schwieriger. Diesmal blieb der Zulauf auch im Dezember hoch. Allein an Silvester und Neujahr nahm die HEAE 257 Neuankömmlinge auf. Weil über die Feiertage keine Zuweisung in die Kreise möglich war, wurden nur diejenigen weitergeleitet, die nach einem bestimmten Schlüssel in anderen Bundesländern erstuntergebracht werden (das richtet sich nach der Bevölkerungszahl und auch nach dem Herkunftsland). In Lauf der nächsten Woche sollen 400 Menschen zur längerfristigen Unterbringung in hessische Landkreise verteilt werden.

Übers Mittelmeer nach Gießen

Kommen in Gießen auch einige der Bootsflüchtlinge – zum Beispiel aus Syrien – an, die auch in diesen Tagen wieder auf maroden Schiffen im Mittelmeer gefunden werden? Ja, so die Sprecherin. Offiziell müssten sie alle in Italien aufgenommen werden, etliche jedoch gelangten irgendwie in die Mitte Deutschlands.

In der Erstaufnahmestelle sollen Flüchtlinge eigentlich höchstens sechs Wochen verbringen. In dieser Zeit sollen die wichtigsten Formalien erledigt werden, von der ärztlichen Untersuchung bis zum Asylantrag. In Wirklichkeit können bis zu ihrer Anhörung auch einmal zweieinhalb Monate vergehen, stellte sich im November anlässlich einer Demonstration von Syrern heraus, die ein zügigeres Verfahren forderten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge könne die Menge an Anträgen nicht schneller bewältigen, hieß es.

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