18. Dezember 2013, 20:38 Uhr

Flüchtlinge hoffen auf eine Zukunft in Deutschland

Gießen (hin). Viele von ihnen sind ganz alleine nach Deutschland gelangt. Sich hier einzuleben, sei schwer – sie hofften aber auf eine Zukunft in Deutschland. Das schilderten mehrere junge Männer, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, bei der Sitzung des Ausländerbeirats am Dienstagabend.
18. Dezember 2013, 20:38 Uhr
Beiratsvorsitzende Sarah Stefanos begrüßte Ahmed Harun, Bereket Ghebremariam Gidey, Goran Schexo, Hitu Juan und Yemane Welday Gezahegn, die von ihrer Flucht nach Deutschland, von ihren Hoffnungen und Wünschen berichteten. (Foto: hin)

Wer sich für Weltpolitik interessiert, müsse nicht »Heute-Journal« oder »Tagesthemen« schauen. Es reiche aus, den Weg in die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen in Gießen zu finden, sagte Nader Madjidian, der durch die Gespräche führte. Gießen praktiziere seit langem eine liberale Flüchtlingspolitik, erklärte Madjidian. Auch lebten hier viele Menschen mit deutschem Pass, die einst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien. Die Lebensgeschichten dieser Menschen zu hören, sei Anliegen auch des Ausländerbeirats. Es helfe zu verstehen, warum Menschen ihre Heimat verlassen und Schutz in anderen Ländern suchen. Mit Ausnahme der beiden Eritreer, deren Berichte die Beiratsvorsitzende Sarah Stefanos übersetzte, versuchten die Gäste, sich in deutscher Sprache auszudrücken.

Ahmed Harun stammt aus Somalia. Er wurde durch Krieg und Bürgerkrieg aus seinem Heimatland vertrieben. 2010, im Alter von 16 Jahren, kam er als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland. Elf Monate hat er gebraucht, um die Distanz zwischen Somalia und Deutschland zu überwinden. Auf die Frage »Wo bin ich?« hat er bis heute keine Antwort gefunden. Es sei schwer, sich ohne den Rückhalt der Familie auf die neuen Lebensumstände einzustellen, erklärte der junge Mann. Er begrüßte die Möglichkeiten, die sich ihm als Schüler der Friedrich-Feld-Schule eröffnen.

Yemane Welday Gezahegn war sechs Jahre lang auf der Flucht. Sein Weg führte ihn von Eritrea über Äthiopien, Sudan, Libyen und Italien nach Deutschland, wo er vor vier Monaten ankam. Welday Gezahegn beklagte das Einparteiensystem in Eritrea und die mangelnde Redefreiheit in seinem Heimatland. Verwandte seien im Gefängnis gelandet, aber es bestehe keine Möglichkeit, nach ihrem Verbleib zu fragen. Bereket Ghebremariam Gidey war Soldat in Eritrea, gab dies aber nicht als seinen Fluchtgrund an, sondern die Willkür des Einparteienregimes.

Der Syrer Goran Schexo (24) hat in Damaskus gelebt. Er beschrieb den Krieg in seinem Heimatland nicht als Kampf von Syrern gegen Syrer, sondern als Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA. Hitu Juan, ebenfalls aus Syrien, illustrierte seinen Vortrag mit Fotos von zerstörten Häusern und schneebedeckten Flüchtlingslagern. Die Kälte mache den Menschen zu schaffen, berichtete Juan. Lebensmittelpreise seien in die Höhe geschossen, ein normales Arbeitsleben kaum möglich. Der Mann aus Syrien beklagte die Tausende von Toten und den Einfluss von Terrorgruppen. Schuld sei nicht allein das Assad-Regime. Auch die Opposition mache Probleme, erklärte Juan. Wie Schexo sprach auch er von einem Stellvertreterkrieg auf syrischem Boden.

Bei aller Erleichterung der Vortragenden, in Gießen auf sicherem Boden zu sein, gab es doch auch Wünsche, etwa den nach Aufhebung der Residenzpflicht oder schnellerer Bearbeitung der Asylverfahren. Auch blieb die Sorge um Repressalien gegen Familienangehörige. Die Hoffnung der Flüchtlinge gründet sich darauf, Ausbildung und Arbeit zu finden und als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft in Deutschland anerkannt zu werden.

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