04. Juni 2019, 22:21 Uhr

Fische als Dirigenten bei Performance am Lahnfenster

04. Juni 2019, 22:21 Uhr
Carlos Franke reagiert auf die Bewegungen der Fische mit Musik. (Foto: lwg)

Am Lahnfenster fanden am Freitag und Samstag im Rahmen der »Theatermaschine« Performances für ein eher schuppiges und glitschiges Publikum statt. Das Konzert richtete sich nämlich nicht an die menschlichen Besucher, sondern an die Fische, denen nach Auffassung von Carlos Franke ebenso Respekt gebühre. Er versuchte mit den vorbeischwimmenden Fischen durch musikalische Elemente Kontakt aufzunehmen. Blaues Scheinwerferlicht tauchte den Pavillon am Lahnfenster in eine Unterwasserwelt, bevor Franke in sein »U-Boot« stieg.

»Die Fische haben mir gerade gesagt, dass sie ein Konzert für uns geben werden«, kündigte Franke die kommenden 15 Minuten an. Von da an fungierten die Fische als Zufallsgenerator. Je nachdem in welcher Art und aus welcher Ecke sie in den Bildausschnitt schwammen, setzte Franke ein anderes musikalisches Element wie Pfeifen oder dumpfe Töne ein. Was willkürlich aussah, folgte jedoch klaren Regeln. Eine kleine Kamera am oberen Bildschirmrand suggerierte, dass die Fische die Zuschauer über einen weiteren Bildschirm ebenfalls beobachten können. Doch spätestens als sich Wal- und Hammerhai die Flosse gaben, dürfte jedem der rund 60 Zuschauer bewusst geworden sein, dass es sich nicht um eine Live-Aufnahme aus der Lahn handelt. Tatsächlich war es ein Mitschnitt aus dem Georgia Aquarium im amerikanischen Bundesstaat Atlanta.

An den Wänden der gläsernen Kabine hingen außerdem acht Zettel mit Fragen, die Franke teilweise mit Tauchermaske und Schnorchel oder unter seiner Fischmaske vorlas. Die Fragen stammen aus dem Stück »Communication« von John Cage. Franke lehnte seine Performance an die experimentellen Aufführungen des Amerikaners Cage an, der als einer der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gilt.

Premiere in Paris

Bereits im Februar vergangenen Jahres war Franke mit seiner Performance in Paris aufgetreten. Um dem Gebäude einen ungewöhnlichen Blickwinkel zu verleihen, hatte das Palais de la Porte Dorée rund 15 junge Künstler des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der JLU Gießen eingeladen. Ein Tropen-Aquarium diente Franke dort als Ort für sein Experiment. Über drei Tage verteilt, las er alle 220 Fragen aus Cages »Communication« vor und wartete auf die Reaktionen der Fische.

Carlos Franke studierte Philosophie, Physik und Musikwissenschaft in Heidelberg, bevor er sich dem Theater und der Live-Performance zuwandte. Seine Auftritte spielen mit Situationen der Einsamkeit, Begegnung und Mystifizierung.

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