10. Juli 2009, 22:58 Uhr

Finanzkrise hinterlässt Spuren

Bei der Mitgliederversammlung der Gießener Hochschulgesellschaft ging es um Hochschulbau und Finanzen. Mitgliederversammlung der Gießener Hochschulgesellschaft mit Berichten
10. Juli 2009, 22:58 Uhr
Vorstandsvorsitzender Prof. Scherf ging auf die Finanzkrise ein.

Gießen (een). »Das Gesicht der Justus-Liebig-Universität wird sich in den nächsten drei bis fünf Jahren drastisch zum Positiven verändern«, betonte Prof. Joybrato Mukherjee, Vizepräsident der Justus-Liebig-Universität, hinsichtlich des Gebäudebestandes der JLU bei der Mitgliederversammlung der Gießener Hochschulgesellschaft am Donnerstagabend. Dass die Finanzkrise die Förderungsprojekte der GHG nicht verschont hat, war besonders aus dem Bericht des scheidenden Schatzmeisters Manfred Kenntemich ersichtlich.

Stellvertretend für den erkrankten Präsidenten der Justus-Liebig-Universität, Prof. Stefan Hormuth, berichtete der amtierende Vizepräsident über die Entwicklung von Studium, Lehre und Forschung als auch über bauliche Fortschritte in Hinsicht auf die Wettbewerbsfähigkeit der JLU. Hinsichtlich des Gebäudebestandes der Hochschule betonte Mukherjee, dass sich das Stadtbild Gießens in absehbarer Zeit in kultureller und baulicher Hinsicht drastisch verändern und der Sanierungsstau somit aufgelöst werde. Energieverschwendung müsse minimiert und räumliches Potenzial im Rahmen des »Consilium Campusentwicklung« ausgeschöpft werden.

Mittel aus dem Hochschulbauprogramm »Heureka« sollen den noch in diesem Jahr geplanten Start des 107,6 Millionen Euro teuren Chemie-Neubaus ermöglichen. Weitere Baumaßnahmen würden vorrangig den Campus der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, ein Multifunktionsgebäude für die Sportwissenschaften als auch Sanierungsmaßnahmen im Philosophikum betreffen. Auch vielversprechende Projekte am Fachbereich Veterinärmedizin, insbesondere hinsichtlich der neuen Vogel- und Kleintierklinik, seien in Planung.

Auch im letzten Jahr habe sich die JLU im Forschungssektor gut positionieren können. Bezüglich der zweiten Staffel der »Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz« (»Loewe«) habe sie die Bewilligung für ein hochmodernes Lungen-Forschungszentrum sowie einen neuen Forschungsschwerpunkt zur massenspektrometrischen in-situ-Analytik erhalten. Hier könne die Universität bis 2012 mit Förderungsgeldern von rund 20 Millionen Euro rechnen.

In Hinblick auf den 1999 gestarteten Bologna-Prozess zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bis zum Jahr 2010 müsse sowohl einer zu starken Deregulierung als auch einer Überregulierung entscheidend entgegengewirkt werden. Demnach ermögliche die Modularisierung durch Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen die Erstellung eines gut strukturierten, unabhängigen Lehrplans. Die zu hohe Prüfungslast müsse gesenkt werden, um für Studenten »einen gewissen Freiheitsgrad hinsichtlich der Studiengestaltung zurückzugewinnen«, unterstrich Mukherjee. Das erfolgreiche Abschneiden beim »Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre« sei eine Bestätigung der Lehrqualität an der Liebig-Universität. Mukherjee bekräftigte, dass sowohl die JLU als auch die Philipps-Universität Marburg gegen eine Stärkung der Entscheidungskompetenz des Hochschulrates aussprechen würden, da sich dieser immer dann als besonders effektiv erwiesen habe, »wenn er als beratende Institution fungiert hat«.

»Auch an uns sind die Spuren der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht vorbeigegangen«, hob Dr. Wolfgang Maaß, Präsident des Verwaltungsrates der GHG, hervor. Er erörterte die Frage, wie man trotz begrenzter finanzieller Möglichkeiten die Effizienz der Förderungsprojekte optimieren könne. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der GHG, Prof. Wolfgang Scherf, hat die Finanzkrise das Vermögen der Hochschulgesellschaft um 60 000 Euro dezimiert. 2007 sei die Stiftung Gießener Hochschulgesellschaft mit dem Ziel gegründet worden, die aus den Kapitalanträgen resultierenden Fördermittel langfristig zu vermehren und somit gezielt sowohl die Bildungslandschaft als auch Stadtbild Gießens entscheidend mitzuprägen. Jährlich stünden 33 000 Euro netto für Projektforderungen zur Verfügung. Von 36 Projektanträgen im vergangenen Jahr seien bereits 24 angenommen worden.

In naher Zukunft solle eine neue Arbeitsgruppe für effiziente Fördermittelnutzung die Arbeit der GHG-Stiftung qualitativ verbessern. Noch habe die Inflationsrate hinsichtlich der Wirtschaftskrise keinerlei Einfluss auf die Aktivitäten der GHG, betonte Scherf. (Foto: Archiv)

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