27. Juli 2019, 10:00 Uhr

Neue Nutzung

»Festes Haus« in Gießen wird Inklusions-Hotel

Jahrzehntelang wohnten im »Festen Haus« in der Licher Straße psychisch kranke Straftäter. Jetzt erfährt das denkmalgeschützte Gebäude eine neue Nutzung, die es in der Region bisher nicht gibt.
27. Juli 2019, 10:00 Uhr
Das ehemalige »Feste Haus« am östlichen Rand des Vitos-Geländes - am Schiffenberger Wald - ist von hohen Mauern umgeben. Hier waren bis 2010 psychisch kranke Straftäter untergebacht. (Foto: mö)

Das ehemalige »Feste Haus« auf dem Gelände der Vitos Klinik in der Licher Straße soll unter neuen Vorzeichen wieder genutzt werden. Die Gießener Lebenshilfe möchte in dem seit 2010 leerstehenden denkmalgeschützten Gebäude ein Inklusions-Hotel einrichten. Das sagt Vorstand Dirk Oßwald. In Inklusionshotels arbeiten Menschen mit und ohne Handicap. Bei den Gästen unterscheiden sie sich nicht von anderen Anbietern. Laut Oßwald wäre es die erste Einrichtung dieser Art im Großraum Gießen.

In ganz Deutschland gibt es derzeit rund 100 Inklusions-Hotels, das nächste in Marburg, das »Kornhaus«. Eigentümer dort ist die »Festhaus Immobilien GmbH«, die auch das »Feste Haus« in Gießen in Erbpacht von Vitos übernimmt. Sie vermietet es dann an die Lebenshilfe. Betreiben wird das Hotel eine 100-prozentige Lebenshilfe-Tochter, die ProLiLO Gastrowelt gGmbH.

»Die Baugenehmigungen liegen bereits vor«, sagte Reinhard Weiß, einer der drei Gesellschafter von Festhaus Immobilien. Er rechnet mit einem Baubeginn im nächsten Frühjahr, einziehen könnten die neuen Nutzer im Sommer oder Herbst 2021. Die Immobilien GmbH hat sich im letzten Jahr gleich mit ihrem ersten Projekt einen Namen gemacht, als sie das frühere Bundesbank-Gebäude im Wiesecker Weg kaufte. Es ist inzwischen an ein IT-Unternehmen vermietet.

54 Zimmer und acht Apartments

Das Hotel auf dem Vitos-Gelände wird laut Oßwald voraussichtlich 54 Zimmer sowie acht Apartments haben, alle behindertengerecht, etliche darüber hinaus auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Dafür gebe es in der Stadt großen Bedarf, sagt Oßwald. Etwa ein halbes Dutzend Zimmer sowie die Apartments sollen als »Boarding-House« genutzt, also wochen- und monatsweise vermietet werden. Auch hier sei mit großer Nachfrage zu rechnen, zum Beispiel bei Gastdozenten der Gießener Hochschulen. Gedacht sind die Unterkünfte aber auch für die Tagungsgäste, die in der benachbarten Vitos-Akademie mehrtägige Veranstaltungen besuchen.

Diese Kooperation nutze beiden Seiten, Vitos und Lebenshilfe, sagt Oßwald. Im Hotel könnten dann bis zu zwölf Menschen mit Behinderung eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung finden. ProLiLo ist zwar im Hotelbetrieb bislang noch nicht aktiv, hat aber im Gastronomiebereich Erfahrung gesammelt. Unter anderem betreibt die gemeinnützige Gesellschaft die Kantinen mehrerer größerer Unternehmen sowie die im Polizeipräsidium.

Psychiatrie-Museum geplant

Beim Umbau zum Hotel will Vitos auch ein seit langem geplantes eigenes Projekt verwirklichen: Die Einrichtung eines Psychiatrie-Museums. Es solle im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht werden, sagte Vitos-Sprecher Harry Olschok-Hofmann. Grundlage wird die 1998 eröffnete Dauerausstellung »Vom Wert des Menschen« sein, die die Geschichte der Gießener Heil- und Pflegeanstalt von 1911 bis 1945 beleuchtet. Sie war bislang in einem anderen Vitos-Gebäude untergebracht, das beim Hochwasser im Mai vergangenen Jahres beschädigt wurde, und ist seither nicht mehr zu sehen.

Die Themen der Ausstellung reichen von der Einrichtung eines Reservelazaretts während des Ersten Weltkriegs und der Umsetzung des »Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« mit den Zwangssterilisierung in Gießen bis zur Ausgrenzung, Verfolgung und Tötung Kranker im Dritten Reich durch die »Aktion T 4« sowie den dezentralen Patientenmord. Das Museum wolle aber auch zur Geschichte der Psychiatrie im Allgemeinen informieren, sagte Olschok-Hofmann - Gedenkarbeit leisten, aufklären und den Besuchern unbekannte Aspekte nahebringen.

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