30. August 2019, 11:00 Uhr

Müll am Busbahnhof

Fernbusbahnhof in Gießen verkommt zur Müllhalde

Der Fernbushaltepunkt an der Licher Straße in Gießen ist kein schöner Ort. Regelmäßig türmt sich dort der Müll von Fahrgästen. Die Kosten für die Entsorgung tragen die Gießener Gebührenzahler.
30. August 2019, 11:00 Uhr
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Von Burkhard Möller

Vor allem am Wochenende wird der Parkplatz neben der Zufahrt zur Rivers Automeile im wahrsten Sinne des Wortes zum großen Bahnhof. Reisebusse parken dort, Fahrgäste mit großen Koffern und Taschen steigen aus Autos, oder sie kommen zu Fuß von der Bushaltestelle Fasanenweg. Die, die schon an Bord sind, vertreten sich die Füße, rauchen eine Zigarette oder verschwinden im Gebüsch. 18, 27 oder gar 40 Stunden später werden sie in Warschau, Sofia oder Bukarest aussteigen.

Doch Gießens internationalster Bahnhof ist alles andere als ein Aushängeschild für die Stadt. Im Gegenteil bereitet der improvisierte Haltepunkt für die Fernbusse - es gibt dort weder Toiletten noch Unterstellmöglichkeiten - seit Jahren Probleme, vor allem was den Müll betrifft. »Diese Angelegenheit ist tatsächlich ein sehr unerfreuliches Kapitel. Und leider eines, das uns auch vor ein Dilemma stellt«, sagt Stadtsprecherin Claudia Boje.

Busunternehmen winken ab

Die städtische Müllabfuhr leert den großen Metallcontainer, der 1100 Liter fasst, zwar regelmäßig und fährt zudem weiteren Unrat ab, der neben den Tonnen abgelegt wird. Immer wieder türmt sich auf dem schlichten Platz aber der Müll. Seit Jahren hat sich an diesem Zustand nichts verändert.

Die Stadt hat das Problem schon lange auf dem Schirm. Gerne würden die Verantwortlichen zum Beispiel die Busunternehmen an den an den Entsorgungskosten beteiligen, aber ihnen sind die Hände gebunden. »Wir haben Kontrollen durchgeführt und erfahren, dass der Abfall - bis auf die wiederholten illegalen Sperrmüllablagerungen - von den Busreisenden stammt«, erklärt Boje. Die Fernbusnutzer entledigten sich - nach langer Fahrt - der Abfälle, die vom Reiseproviant übriggeblieben seien. Die Busunternehmen lehnten dafür aber die Verantwortung ab. Sobald jemand den Bus verlasse, hätten die Unternehmen keine Verantwortung mehr. »Die Kosten für die Entsorgung werden daher vom Gießener Müllgebührenzahler getragen«, sagt Boje.

Bis vor fünf Jahren war die Bushaltestelle noch mit einem normalen Abfallbehälter ausgestattet. Aber der reichte nicht aus, der gesamte Parkplatz vermüllte, die Straßenreinigung sammelte den Abfall regelmäßig ein. Auch ein zusätzlicher 120-Liter-Behälter brachte keine Besserung.

Noch im Jahr 2014 erhöhte das Stadtreinigungsamt das Müllvolumen durch die Aufstellung des 1100-Liter-Containers aus Metall, um Brände auszuschließen, die es zuvor dort gegeben hatte. Der Großbehälter wird zweimal pro Woche geleert. Zusätzlich reinigt die Straßenreinigung einmal wöchentlich den Parkplatz und das angrenzende Gehölz, in dem auch viel Abfall landet.

Seit zwei Jahren erfasst das Stadtreinigungsamt die dort anfallende Müllmenge: Im vergangenen Jahr waren dies fast 14,5 Tonnen, bis Ende Juni 2019 schon wieder fast zehn Tonnen. Die Menge steigt. Gleichzeitig macht es aus Sicht der Stadt keinen Sinn, noch mehr Container bereitzustellen. Denn augenscheinlich wird der Platz auch von Gießenern oder Umlandbewohnern genutzt, um unbeobachtet Hausrat und Baustellenabfall abzulagern. »Die Aufstellung eines noch größeren Behälters ist keine Lösung, das Problem würde sich wohl noch verstärken«, glaubt Boje.

Der Stadt bleibe im Moment nur die Hoffnung auf den an der Lahnstraße geplanten Fernbusbahnhof. Dort könne man laut Boje wenigstens von den Busunternehmen Betriebsgebühren verlangen.



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