11. August 2019, 19:47 Uhr

Feriengeschichten ohne Worte

11. August 2019, 19:47 Uhr
Im Gespräch mit Jurymitglied Olga Royak vom Ausländerbeirat präsentieren die Kinder ihre ausgezeichneten Werke. Daniel Rose (weißes T-Shirt) hat zum Beispiel seinen Urlaub im sibirischen Abakan künstlerisch verewigt. (Foto: csk)

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Nach der Rückkehr auf jeden Fall und manchmal auch schon deutlich früher. Die Kinder, die sich am Donnerstagabend im Pausenraum des Rathauses versammelt haben, gehören definitiv zur schnelleren Sorte.

»Ich freue mich auf die Ferien« heißt das Motto, unter dem sie bereits vor dem Aufbruch in die selbigen ihre Pläne bildlich verewigt haben. Als Organisator des Malwettbewerbs zum diesjährigen »Tag der Kulturen« ehrt der Ausländerbeirat bei einer Feierstunde in drei Altersklassen je drei Kunstwerke aus insgesamt fast 50 Einsendungen.

Spannung bis zum Stadtfest

Unter den jüngsten Teilnehmern (sechs bis acht Jahre) hat Elisabeth Aberschanska die Nase ganz weit vorn. Ihr Werk zeigt das Disneyland in Kalifornien - mit Micky Maus, Goofy und anderen Größen im Vordergrund sowie einem recht imposanten Schloss dahinter. Elisabeth hat neulich Verwandte in den USA besucht. Ehe sie tief in Walt Disneys Zeichentrickwelt eintauchte, zauberte die Achtjährige noch flugs die nötige Tiefe aufs Papier. Drei Tage habe das ungefähr gedauert, sagt sie. Das schöpferische Prinzip: »Ich habe halt gemalt, wie ich mir das so vorgestellt habe.« Und die Realität? War am Ende »sogar viel besser«.

Nicht allzu verraucht war sie offenbar bei Daniel Rose. Im südsibirischen Abakan, wo in der Nähe seit einiger Zeit große Waldbrände toben, sei ihm das Wetter während des Urlaubs »eigentlich relativ normal« vorgekommen, berichtet der 13-Jährige. Ein wenig extravagant kommt hingegen sein Kunstwerk daher: Es präsentiert den in der Kategorie zwölf bis sechzehn Jahre ausgezeichneten Maler höchstselbst - und Gedankenblasen mit Urlaubsplänen um ihn herum. Vom obligatorischen Smartphone bis zu »einfach schön aussehenden« Schachfiguren ist auf den ersten Blick so ziemlich alles dabei.

Eleonora urlaubte ebenfalls in Abakan. Sie ist Daniels Schwester. Künstlerisch steht sie dem großen Bruder in nichts nach. Bei der Freizeitgestaltung setzt die Elfjährige aber offensichtlich andere Akzente: »Zwei beste Freundinnen« fliegen auf ihrem Bild von Deutschland nach Russland. Dort feiert eines der Mädchen, nämlich Eleonora, seinen Geburtstag. Neben der Party hat die Künstlerin in fünfstündiger Arbeit auch einige sibirische Seen festgehalten und natürlich die Verwandten. Diese Komposition ist einen Preis in der Kategorie neun bis elf Jahre wert.

Alle Teilnehmer hätten eindrucksvoll demonstriert, »wie man ohne Worte Geschichten erzählen kann«, lobt die Kunstpädagogin Katharina Traoré, ein Mitglied der vierköpfigen Jury. Dass jeder und jede dafür eine Belohnung erhält, steht fest. Ob sie in ihrer Altersklasse auf Rang eins, zwei oder drei landen, wissen die Kinder indes noch nicht. Die genauen Platzierungen werden erst beim 14. Gießener »Tag der Kulturen« am Stadtfest-Samstag bekannt gegeben.

Das Programm des traditionsreichen interkulturellen Fests vor der Kongresshalle beginnt am 17. August um 12 Uhr und dauert bis in den Abend hinein. Organisiert wird es wie immer vom städtischen Ausländerbeirat.

Zu den Highlights des Bühnenprogramms am Samstag zählen unter anderem der Auftritt von Guilherme de Carvalho aus Sao Tomé (17.30 Uhr) sowie das Eröffnungskonzert eines Kinderorchesters aus Bulgarien zum zehnjährigen Bestehen des Hilfsprojekts »Musik statt Straße« (12.15 Uhr). Die Preise für den Malwettbewerb, an dessen zweiter Auflage sich in diesem Jahr mehr als 40 Kinder aus sieben Gießener Migrantenorganisationen beteiligt haben, werden um 14 Uhr vergeben.

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