10. Dezember 2009, 20:02 Uhr

Feinfühliges Spiel von Solist und Ensemble

Erstes Kammerkonzert im Rathaus mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters. An der Posaune: Alexander Schmidt.
10. Dezember 2009, 20:02 Uhr
Beim Schlussapplaus: Posaunist Alexander Schmidt (l.) und Dirigent Carlos Spierer. (Foto: jou)

Unter guten Vorzeichen stand das erste Kammerkonzert mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters am Mittwoch im neuen Rathaus: Die Streicher zeigten sich im Konzertsaal unter Leitung von Generalmusikdirektor Carlos Spierer in Musizierlaune, und das zahlreiche Publikum ließ sich fesseln. Neben der Bereicherung des kulturellen Angebots diente die Veranstaltung einem weiteren guten Zweck: Der Spendenerlös kommt der Musikschule Gießen zugute.

Aufhorchen ließ gleich zu Beginn das Präludium aus Edvard Griegs Suite »Aus Holbergs Zeit«: Die kraftvolle Interpretation riss vom ersten Takt an mit; die Streicher setzten energisch Akzente und erzeugten ein fülliges Klangbild. Einfühlsam brachten sie die wehmütige Stimmung in der Sarabande zum Ausdruck. Nostalgischen Charme versprühte die Gavotte, die Air mutete dank der emotional vielschichtigen Spielweise wie ein sehnsuchtsvoller Rückblick in längst vergangene Zeiten an. Virtuos-leicht dagegen, mit trockenem, direktem Klangbild strömte die Musik im Rigaudon-Finale dahin. Seidigen Glanz strahlten die Streicher im ruhigen, in aller Breite dargebotenen Mittelteil aus, der einen beschaulichen Gegenpol zur munteren Rahmenteil-Motivik bildete.

Ebenso hörenswert das Concerto für Bassposaune, Streicher und Pauke (1974) des Österreichers Karl Pills. Im ersten Satz traten die thematischen Kontraste zwischen erregter Spannung und ruhiger Kantabilität ansprechend zum Vorschein; beeindruckend die weite dynamische Bandbreite und der weiche Tonansatz des Solisten Alexander Schmidt. Feine, mitunter warme Schattierungen gewann Schmidt der Melodie im Andante ab; er wurde vom Orchester routiniert unterstützt. Im Schluss-Allegro schien die innere Dramatik der Interpretation gleichermaßen ausgeklügelt wie im Kopfsatz; rhythmisch präzise gelang die Interaktion zwischen Solist und Orchester.

Recht expressiv, mit ausgefeilten musikalischen Bögen trug das Streichorchester das eröffnende »Allegro piacevole« der Serenade von Edward Elgar vor. Subtil, mit in die Ferne schweifender melancholischer Atmosphäre interpretierte es das zentrale Larghetto und achtete hier auf genau dosierte, nicht zu dick aufgetragene Tonstärke. Nicht minder feinfühlig spielte das Orchester unter Spierers umsichtigem Dirigat das Allegretto-Finale.

Im ersten Satz aus Antonin Dvoráks Serenade für Streichorchester wechselten die schwelgerischen Melodien reizvoll zwischen Violinen und Celli; sorgfältig austariert die klangliche Balance. Von tänzerischer Eleganz die Bewegung im »Tempo di Valse«-Satz, in dem die formale Konzeption bis ins letzte Detail durchdacht schien. Einen spannungsgeladenen Höhepunkt markierte das Finale. Begeistertem Applaus folgte eine Zugabe.

Sascha Jouini

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