Stadt Gießen

Fehler auf Wahlzetteln: Sechs Tonnen Altpapier

(ta). Eine rekordverdächtige Quote: Vier hessische Kommunen hatten vor einiger Zeit das Gießener Unternehmen gründrucken beauftragt, die Stimmzettel für den 6. März herzustellen. Doch dreimal hatten die Wahlleiter nicht genau aufgepasst. Die Folge: 265 000 Stimmzettel mussten korrigiert und ein zweites Mal gedruckt werden.
02. März 2016, 15:03 Uhr
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Für 200 Kartons mit jeweils 1000 fehlerhaften Stimmzetteln für die Gießener Kreistagswahl musste Lutz Köhler bei gründrucken eine fachgerechte Entsorgung veranlassen.

Der beauftragte Geschäftsführer Lutz Köhler kann ein leichtes Grinsen nicht unterdrücken. »Das war unfreiwillige Wirtschaftsförderung«, kommentiert er die drei aktuellen Wiederholungsaufträge im Vorfeld der Kommunalwahl. Schließlich ist für das einstige Druckkollektiv – wie berichtet – Anfang des Jahres das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das mittelständische Unternehmen war trotz voller Auslastung und Auftragsbücher in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Zu den Kunden der Gießener Druckerei gehören auch vier Kommunen, die ihr den Auftrag erteilt hatten, die Stimmzettel für den 6. März zu drucken. Die erste Lieferung erhielt eine Stadt in Osthessen. Drei Tage danach fiel dort auf, dass der Stimmzettel fehlerhaft war. Die 55 000 Exemplare im Großformat DIN A 2 mussten deshalb eilends ein zweites Mal hergestellt werden.

Kurz nach Beginn der Briefwahl wurde bemerkt, dass auch der Landkreis Gießen fehlerhafte Druckfahnen angeliefert hatte: Der FDP-Kandidat Dr. Martin Preiß war in »Tina« umgetauft worden, bei einer weiteren Liberalen war der Tippfehler »Chrisitine« beim Vornamen durchgerutscht. Folge: Fünf Tonnen Papier waren vergeblich bedruckt worden, die gut 200 000 Stimmzettel wurden erneut und diesmal ohne Fehler hergestellt. Für die Kreiskasse schlugen so Mehrkosten von rund 10 000 Euro zu Buche.

Wiederholt wurde auch der Druck der knapp 10 000 Stimmzettel für die Gemeinde Langgöns. Deren Fehler war marginal und wäre vermutlich kaum jemandem aufgefallen: Bei der Nummerierung der Listen war eine Leerzeile vergessen worden. Fehlerfreie Druckfahnen in Gießen abgeliefert hatte nur die Stadt Lich, der Heimatort Köhlers.

Die ungewöhnliche Häufung der Pannen, durch die über sechs Tonnen Altpapier entstanden waren, sorgt auch überregional für Aufsehen: Gestern rückte am Bergwerkswald ein Team des Hessischen Rundfunks an, für den Drucker Eyasu Gebregiorgis und sein Chef den Fehldruck für den Landkreis Gießen noch einmal nachstellten.

Viel wichtiger als diese Episode ist für gründrucken freilich der Ausgang des Insolvenzverfahrens. Rechtsanwalt Tim Schneider ist zuversichtlich, dass die Rettung gelingen kann. Immerhin hat der Betrieb mit seinen 15 Beschäftigten im Januar und Februar jeweils einen Gewinn von 12 000 Euro erwirtschaftet. Aktuell laufen die Bemühungen des Insolvenzverwalters darauf hinaus, dass die Leasing-Verträge für die Druckmaschinen abgelöst werden. Dann soll ein Investor, womöglich eine Besitzgenossenschaft, das Anlagevermögen im Wert von etwa 100 000 Euro übernehmen und an die Druckerei verpachten.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Fehler-auf-Wahlzetteln-Sechs-Tonnen-Altpapier;art71,110300

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