02. Februar 2018, 21:32 Uhr

Familienbildung: Rettung naht

02. Februar 2018, 21:32 Uhr
G. Schulze-Velmede

Erst hat das Evangelische Dekanat abgewinkt. Jetzt kann man sich dort doch vorstellen, die Evangelische Familien-Bildungsstätte zu übernehmen. Möglich macht es ein »neues Konzept«, das offenbar mit Einsparungen verbunden sein wird. Entscheiden werde letztlich das regionale Kirchenparlament.

Vorgesehen sei eine »Verschlankung der Leitungsstruktur« sowie die Stärkung der pädagogischen Arbeit schon in diesem Jahr. Das erklären das Dekanat sowie der jetzige Träger, der Landesverband der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau. Die Kirchenleitung begleite den Prozess »konstruktiv und unterstützend«.

»Vor dem Hintergrund der großen Bedeutung des erfolgreichen Kursangebots für Familien in Stadt und Landkreis soll nichts unversucht bleiben, den Erhalt der Einrichtung zu ermöglichen. Eine drohende Schließung gilt es zu vermeiden«, begründet der Dekanatsvorsitzende Gerhard Schulze-Velmede den Sinneswandel. In den kommenden Wochen wolle der Dekanatsvorstand zusammen mit dem jetzigen Träger sowie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau den Weg zur Übernahme zum 1. Januar 2019 ebnen. Das letzte Wort habe dann die Dekanatssynode bei ihrer Sitzung am 3. März. Dabei werde »entscheidend sein, ob eine bevorstehende Konsolidierungsphase finanziell abgesichert werden kann«, so Schulze-Velmede.

»Die Anstrengungen haben sich gelohnt«, sagt Angelika Thonipara, geschäftsführende Pfarrerin der Evangelischen Frauen, im Gespräch mit der GAZ. Es hätten sich neben dem Dekanat auch freie Träger gemeldet, die interessiert daran seien, Teile des Angebots zu übernehmen. Für die »intensiven Beratungen der vergangenen Wochen« danke sie insbesondere Gerhard Schulze-Velmede, dem Dekanatssynodalvorstand und Dekan Frank-Tilo Becher. Vorstand und Mitarbeiterinnen seien »hocherfreut über die positiven Nachrichten«.

Unter Kursteilnehmern kursierten in den letzten Tagen Unterschriftenlisten zu einem offenen Brief, in dem das Dekanat aufgefordert wird, das »sang- und klanglose« Aus der traditionsreichen Bildungsstätte zu verhindern. »Wir schätzen die FBS als Ort der Bildung, Begegnung, Begleitung und Beratung«, heißt es darin. Viele Nutzer seien der Einrichtung seit Jahren treu. Eine Übernahme durch das Dekanat sei »eine Frage der Verantwortung der evangelischen Kirche gegenüber ihrem Klientel, besonders den Familien. Es ist auch eine Frage, welche Prioritäten man setzt in Zeiten, in denen das Geld vermeintlich knapper wird«. »Unverständlich« sei, dass die rund 125 Kursleiter und Kursleiterinnen »lediglich per E-Mail statt in einer gebotenen Mitarbeiterversammlung« von der möglichen Schließung erfahren hätten.

Teilnehmer: »Frage der Prioritäten«

Für die sieben Festangestellten habe es eine Versammlung gegeben, sagt Thonipara zu diesem Vorwurf. Die Honorarkräfte seien persönlich schriftlich informiert worden.

Die Evangelische Familien-Bildungsstätte wurde 1962 als »Mütterschule« gegründet. Ihr vielfältiges Angebot wird jährlich etwa 8000-mal genutzt. Vor allem die Kürzungen öffentlicher Zuschüsse hat der Verband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau als Grund dafür genannt, dass er die Einrichtung zum Jahresende aufgeben will. Unter anderem musste die Einrichtung vor 15 Jahren die Streichung der Landesmittel in Höhe von etwa 65 000 Euro und 2014 den Wegfall des städtischen Zuschusses von 30 000 Euro verkraften.

Seine drei anderen Familien-Bildungsstätten in Offenbach, Wiesbaden und der Wetterau hat der Verband schon vor längerer Zeit abgegeben. Neue Träger sind dort die evangelischen Dekanate. In Gießen läuft das Kursprogramm bis zum Sommer wie angekündigt weiter. (Foto: Archiv)

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