14. Januar 2019, 06:00 Uhr

Ägypten

Familie des Vermissten hofft auf Hilfe der Kanzlerin

Appell an die Bundeskanzlerin: Der Vater des in Ägypten festgehaltenen 18-Jährigen Gießeners hat sich in einem Brief an Angela Merkel gewandt. Er sorgt sich um die Gesundheit seines Sohnes.
14. Januar 2019, 06:00 Uhr
(Foto: dpa/privat)

»Die Menschlichkeit steht über dem Gesetz. Ich bin ein Vater, der nur seinen Sohn sehen will.« Mit diesen Worten hat sich der Vater des in Ägypten in Gewahrsam genommenen 18-Jährigen Schülers zu Wort gemeldet. Er wolle nach Ägypten reisen, um seinen Jungen endlich zu finden, sagte er gegenüber dieser Zeitung. »Ob ich zurückkomme, weiß ich nicht.«

Erst am Donnerstag hatte das Auswärtige Amt bestätigt, dass sich der seit drei Wochen vermisste 18-jähriger Gießener (Lesen Sie hier im Update: Vermisster Gießener wieder in Deutschland gelandet) in Gewahrsam der örtlichen Behörden befinde. Der Vater sprach davon, dass gegen seinen Sohn ein Terrorverdacht bestehe. Nach Medienberichten, die sich auf ägyptische Sicherheitskreise beziehen, wird der Schüler verdächtigt, er hätte sich IS-Kämpfern in dem Land anschließen wollen. Verwandte hatten dem Vater am Freitag berichtet, örtliche Medien hätten die bevorstehende Abschiebung seines Sohnen angekündigt.

Vor seinem geplanten Abflug nach Ägypten hat sich der Vater am Sonntag in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. »Wir sind uns sicher, dass das Auswärtige Amt sich um seine Rückkehr bemüht«, schreibt er in einem auf Facebook veröffentlichen Statement. Trotzdem wolle er an Merkel apellieren, sich für die Rückkehr seines Sohnes nach Deutschland und dessen Würde einzusetzen.

Weiter schreibt er, dass er um die Gesundheit seines Sohnes fürchte. Die ägyptischen Behörden hätten lange Zeit abgestritten, dass sich der 18-Jährige in dem Land befinde. Der Vater betont: »Angesichts der in der Weltpresse bekannten Praktiken des ägyptischen Regimes, der Verhaftung, willkürlichen Entführung und Folterung von ägyptischen Bürgern plagte uns seit einem Monat die Angst«, dass der Sohn dem ausgesetzt werde. Jeder Tag, den die Familie mit dieser Vorstellung verbringen müsse, sei ein Tag zu viel.

Den genauen Aufenthaltsort seines Sohnes kenne er nicht, schreibt der Vater. Die Familie des 18-Jährigen glaube, »dass ägyptische Sicherheitsbeamte Anschuldigungen konstruieren, weil sie versuchen, die eigenen Verbrechen« an dem Gießener Schüler zu verschleiern. Die Befürchtung sei groß, dass der 18-Jährige unter Folter zu Eingeständnissen gezwungen werde.

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