10. Juni 2011, 18:35 Uhr

Fachleute helfen bei allen Fragen zum Gesundheitssystem

Gießen (si). »Mein Orthopäde rät mir zu einer Bandscheiben-OP. Gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten?« - Ich vermute, dass ich in der Klinik durch einen Kunstfehler geschädigt worden bin. Wie komme ich an ein Gutachten und was kostet es?« - Wir suchen für unseren alkoholkranken Sohn eine Selbsthilfegruppe. Wo finden wir die?« Solche Fragen beantwortet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland - kostenlos und jedem.
10. Juni 2011, 18:35 Uhr
Johanna de Haas (Ärztin), Anne Katrin Olischläger (Juristin) und Daniela Poppe (Sozialpädagogin, v. l.) beraten im UPD-Büro in der Liebigstraße 15. (Foto: Schepp)

21 Niederlassung hat die UPD in Deutschland, davon eine in Hessen. Sie befindet sich in Gießen, in der Liebigstraße 15, schräg gegenüber vom Liebigmuseum. Nachdem die 2006 eröffnete Einrichtung Ende letzten Jahres schließen musste, weil der Modellversuch beendet war, kann sie jetzt weitermachen. Der Gesetzgeber hat die UPD in die Regelversorgung überführt, damit ist die Finanzierung für fünf Jahre gesichert. Die Wiedereröffnung der Beratungsstelle - die schon seit Anfang März wieder arbeitet - war am Donnerstagnachmittag Anlass für eine kleine Feier.

Träger sind der Sozialverband VdK, die Verbraucherzentrale sowie der Verbund unabhängige Patientenberatung. Das Geld stellen im wesentlich die gesetzlichen Krankenkassen (und zum kleinen Teil die privaten) zur Verfügung, dazu hat sie der Gesetzgeber verpflichtet. Inhaltliche Vorgaben machen dürfen sie nicht. »Wir sind parteilich für Patienten. Aber wir sind neutral«, sagte Gregor Bornes, Vorstandsmitglied beim UPD-Verbund Hessen, der die Entwicklung der Beratungsarbeit in den vergangenen 30 Jahren skizzierte.

Die Idee stammt aus der Schweiz, wo 1979 eine Anlaufstelle eingerichtet wurde, und kam dann Anfang der 80er Jahre nach Deutschland. Hier waren die Büros zunächst in den Gesundheitsläden und bei den Verbraucherzentralen angesiedelt. Seit 1998 hat die UPD die heutigen Träger, ihren Sitz hat die gemeinnützige GmbH in Berlin. Die Arbeit habe sich im Laufe der Jahre stark gewandelt, sagte Bornes, und untermauerte dies mit dem plakativen Satz: »Früher haben wir den Patienten geholfen, aus den Krankenhäusern herauszukommen. Heute geht es darum, dass die lange genug drinbleiben können«.

Die Beratung umfasst drei große Themenfelder: Gesundheit, Recht und psychosoziale Fragen. In der Gießener Einrichtung sind alle Bereiche mit einer einschlägig ausgebildeten Mitarbeiterin vertreten. Johanna de Haas ist Ärztin, Anne Katrin Olischläger Juristin und Daniela Poppe Sozialpädagogin. Sie beantworten fachliche Fragen direkt, bei Bedarf nennen sie die anderen Stellen, die weiterhelfen. Rund 10 000 Anfragen hat das Gießener Team in den vergangenen vier Jahren bearbeitet, von Patientenrechten, Kassenleistungen, Konflikten mit Ärzten und Kostenträgern, Patienten- und Betreuungsverfügungen bis zu Vorsorgevollmachten. Als »Wegweiser und Lotsen durch das Gesundheitssystem« verstehen sich die Beraterinnen.

Gelobt wurde die Arbeit auch von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. In der öffentlichen Diskussion sei zwar immer vom mündigen Patienten die Rede. Doch nicht alle seien in der Lage, tatsächlich Verantwortung zu übernehmen oder sich in dem riesigen Angebot auch nur zu orientieren. Hier helfe die UPD - hoffentlich nicht nur in den kommenden fünf Jahren, sondern auch noch darüber hinaus, sagte Grabe-Bolz. Für die vielen anderen Einrichtungen im Sozialbereich, mit denen die Patientenberatung zusammenarbeitet, sprach Gabriele Mangold vom Paritätischen Wohlfahrtsverband ein Grußwort. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete, Staatssekretär Helge Braun, übermittelte schriftlich die besten Wünsche.

Die Beratungsstelle in der Liebigstraße 15 ist geöffnet montags von 15 bis 19 Uhr, dienstags von 9 bis 12 Uhr, donnerstags von 9 bis 15 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung (Tel. 06 41-301 33 45). Im Internet erreicht man das Büro unter www.unabhaengige-patientenberatung.de/upd-giessen-aufeinenblick.html. Hier sind auch online-Anfragen möglich (auf Wunsch anonym). Telefonische Beratung (kostenfrei aus dem Festnetz) bietet die UPD bundesweit auch unter Tel 08 00-011 77 22 an.



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