20. November 2017, 20:46 Uhr

Facettenreiches Panorama

Beim Festkonzert zum 225. Jubiläum des Gießener Konzertvereins gab es nicht nur ehrende und ermutigende Grußworte. Am Ende der Aufführung von Johannes Brahms’ »Requiem« erhob sich das Publikum begeistert zum Applaus.
20. November 2017, 20:46 Uhr
Der Gießener Konzertverein macht sich mit dem Festkonzert im Stadttheater das schönste Geschenk zu seinem 225-jährigen Bestehen. (Foto: rw)

Festlich war der Anlass, und kurze Ansprachen würdigten das Wirken eines der ältesten Musikvereine Deutschlands mit einer ununterbrochenen Tradition seit 225 Jahren. Dem Gießener Konzertverein, der im kulturellen Leben der Stadt und als Partner des Theaters stets eine aktive Rolle spielte, widmeten seine 1. Vorsitzende Annette Michelmann, Intendantin Cathérine Miville, Regierungspräsident Christoph Ullrich, Landrätin Anita Schneider und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz ehrende und ermutigende Grußworte.

Johannes Brahms’ »Ein deutsches Requiem« stand zu diesem Abend im Stadttheater auf dem Programm. Das Publikum erlebte ein musikalisches Festmahl auf Spitzenniveau bei einer konzentrierten Aufführung des chorisch anspruchsvollen, geistig tief greifenden und musikalisch reichen Opus 45. Höchste Aufmerksamkeit auch bei den Mitwirkenden im Konzertsaal. Instrumentalisten der Philharmonie und besonders das Vokalensemble – Chor und Extrachor des Hauses, der Gießener Konzertverein, die Wetzlarer Singakademie – hielten in erwartet brillantem Zusammenwirken 75 Minuten lang die Spannung und realisierten eine Interpretation, die besonders den Chören bis zum letzten Takt äußerste Präsenz abverlangte. Chordirektor Jan Hoffmann verwaltete vom Pult aus mit suggestiver Gestik ein zusammengeschweißtes Ensemble, verwandelte die Partitur in eine technisch fundierte, geistig durchdrungene Klangwelt voll Dynamik, differenzierter Nuancen und hoher Ausdruckskraft. Ob sie nach dem wunderbar cellolastigen, dunklen Beginn dann im wellenförmigen Crescendo »Denn alles Fleisch, es ist wie Gras« die Vanitas Mundi im Fortissimo beschwor oder die Schärfe der kanonartigen Stellen oder Fugen hervorhob – immer ließen neben dem großen Spannungsbogen glanzvolle Details in den chorischen Leistungen aufhorchen. Nicht zuletzt imponierte die Differenzierung von Sopran-, Alt-, Tenor- und Bass-Blöcken in den verschachtelten Sequenzen etwa in »Nun Herr, wes soll ich mich trösten«. Klare Diktion war hier eine Selbstverständlichkeit für rhythmische Gliederung und gegen jede Verwaschenheit.

Die beiden Solisten trugen – wenn auch mit eher kurzen Parts – mit intensiven Akzenten zum Gesamtbild bei: Innig und gleichzeitig dramatisch Dorothea Maria Marx in »Ihr habt nun Traurigkeit« und Kay Stiefermann mit kraftvollem Ausdruck in »Herr, lehre doch mich«.

Über die von Brahms verarbeiteten vielfältigen Einflüsse von Barock bis Hochromantik Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Selbst an Richard Wagner kam der 20 Jahre Jüngere –zumindest im instrumentalen Teil – hie und da nicht ohne Berührung vorbei. Das Orchester folgte den Intentionen des Dirigenten und trug zur Präsenz des Klangbildes bei. Ein facettenreiches Panorama der Auseinandersetzung mit dem Tod bis hin zum tröstlichen Ausklang. Stehender Beifall des ergriffenen Publikums.

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