05. April 2019, 14:00 Uhr

Dirk Laux

Ex-Soldat Dirk Laux bringt der Jugend das Fahren bei

Dirk Laux hat Tausenden Gießenern das Autofahren beigebracht – und ihnen somit ein Stück Freiheit beschert. Dabei hatte der 54-Jährige einen ganz anderen Weg eingeschlagen.
05. April 2019, 14:00 Uhr
Bei Dirk Laux können die Schüler auch am Fahrsimulator lernen. Hund Athos schaut sich das lieber aus der Entfernung an. (Foto: Schepp)

Mensch Gießen

Jeden Tag begegnen wir Gießenern, die uns zwar vertraut sind, die wir aber nicht kennen. Das wollen wir ändern: In unserer Serie »Mensch, Gießen« wollen wir einige dieser Gießener vorstellen.

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In Autos stecken Erinnerungen. An den ersten Kuss, Urlaub in Südfrankreich, an die wilde Fahrt zum Kreißsaal und die umso vorsichtigere Rückkehr mit dem frischgebackenen Nachwuchs. Und: Ein Auto bedeutet Freiheit. Es bietet die Möglichkeit, unabhängig von Bus, Bahn, Mama oder Papa jederzeit von A nach B zu kommen. Wobei das so nicht ganz stimmt: Nicht das Auto macht einen jungen Menschen autark, sondern die Erlaubnis, selbiges zu fahren. Und hier kommt Dirk Laux ins Spiel. Seit 20 Jahren bringt er den Gießenern das Autofahren bei. Und profitiert dabei selbst: »Man wird nicht alt«, sagt der 54-Jährige mit einem Lächeln. Dass er heute ein florierendes Geschäft betreibt, sich in der Jugendarbeit engagieren kann und dabei auch noch eine ganze Menge Spaß hat, verdankt er einer mutigen Entscheidung.

 

Früher an Panzern geschraubt

Laux ist in der Nordstadt aufgewachsen. Als er die zweite Klasse besuchte, zog die Familie nach Kleinlinden. Nach seinem Abschluss an der Brüder-Grimm-Schule entschied er sich für eine Lehre zum Feinmechaniker und arbeitete bei der damals noch in Heuchelheim ansässigen Firma Minox. Dann wagte er den Schritt, den schon sein Vater gegangen war: Laux ging zur Bundeswehr und wurde Offizier. Zwölf Jahre kümmerte sich der Techniker um die Waffen der Truppe, vom einfachen Gewehr bis zum komplexen Panzer. Außerdem bildete er junge Rekruten aus.

»Dann kam die Umstrukturierung«, sagt Laux. »Das war eine Katastrophe.« Die Neuausrichtung der Streitkräfte sorgte unter anderem dafür, dass der Gießener öfter verlegt werden sollte. Immer neue Wohnorte, kein soziales Netz, das einen hält: »Das war auch der Grund, warum meine damalige Ehe gescheitert ist.« Und so entschloss sich Laux, unter dieses Kapitel einen Schlussstrich zu ziehen – und ein anderes zu öffnen.

 

Im Kinosessel pauken

Laux sitzt an diesem Vormittag in seiner Fahrschule in der Frankfurter Straße. Er ist allein, nur sein bulliger Hund Athos leistet ihm Gesellschaft. Menschen, deren Führerscheinprüfung schon einige Jahr(zehnt)e zurückliegt, werden beim Anblick der Räumlichkeiten staunen: Statt auf Klappstühlen sitzen die Fahranfänger hier in Kinosesseln. An den Wänden erinnern Poster und Plakate an die US-Metropole New York, und vorne neben dem Eingang stehen zwei Fahrsimulatoren, in denen die Schüler erste Erfahrungen sammeln können. »Unsere anderen Filialen in Wieseck, Reiskirchen, Großen-Linden und Watzenborn-Steinberg sind ebenfalls sehr besonders gestaltet«, betont Laux. Eines sei zum Beispiel einem Flugzeug nachempfunden, mit Original-Sitzen und einem Flügel als Theke. Zwei weitere sollen an amerikanische Diners erinnern, in Watzenborn sorgten auf alt gemachte Ölfässer für einen ausgefallenen Look. »Das ist unser Ding«, sagt der Gießener. »Und den meisten scheint es zu gefallen.«

 

5 Filialen, 500 Fahrschüler im Jahr

 

Als Laux damals die Bundeswehr verließ und seine ersten Fahrlehrer-Kurse belegte, hätte er nicht im Traum damit gerechnet, 20 Jahre später eine Fahrschule mit fünf Standorten, 20 Mitarbeitern und jährlich 500 Schülern zu betreiben. »Das war alles nicht geplant, es hat sich einfach so ergeben.« Und gelohnt, denn der Gießener betont, seinen Job sehr gerne zu machen. Allerdings habe sich die Arbeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch stark verändert. Vor allem durch die Schüler.

»Früher hat es ungefähr drei Monate gedauert, bis die jungen Leute ihren Führerschein hatten. Heute liegt die Durchlaufzeit durchschnittlich bei einem Jahr«, sagt der Gießener. Oftmals würden die Fahrschüler einen theoretischen Ferienkurs belegen und erst Monate später zu den Praxis-Einheiten kommen. Die Gründe dafür? Laux zuckt mit den Schultern: »Bus, Bahn, Eltern, Freunde, keine Zeit.«

 

Unterstützer des heimischen Sports

Laux ist seinen Schülern deswegen aber nicht böse. Auch nicht, wenn sie mal einen Kaffee verschütten oder mit dem Heck gegen eine Wand stoßen. Militärische Härte, wie er sie von der Bundeswehr kennt, sei nicht seine Art, die Fahrschule zu führen. »Ich war noch nie der typische Soldat und bin auch heute kein muffeliger Mensch. Außerdem bringt es nichts, Schüler oder Lehrer anzubrüllen. Dadurch geht die Beule auch nicht weg.« Ähnlich verhalte es sich auch im Straßenverkehr. Wenn ein Hintermann drängele und Lichtzeichen gebe, bleibe er gelassen, sagt der Gießener. »Es bringt doch nichts, sich aufzuregen. Außerdem weiß man nie, warum sich der andere gerade so verhält. Vielleicht liegt seine Frau im Krankenhaus.«

Laux ist also ein ruhiger, zurückhaltener Mensch. Zumindest die meiste Zeit des Jahres. Denn wenn die fünfte Jahreszeit beginnt, zeigt auch der Fahrlehrer seine ausgelassene Seite. Als Mitglied einer Schowtanztruppe tingelt er über die Bühnen und bringt die Leute zum lachen. Lauter kann Laux auch schon mal werden, wenn er die vielen Mannschaften anfeuert, die er mit seinem Unternehmen unterstützt. »Ich mache das gerne, schließlich habe ich früher auch viel Fußball gespielt.« Sein Firmenlogo prangt daher auf vielen Trikotsätzen im Landkreis, vor allem die Teams des TSV Kleinlinden stattet er regelmäßig aus.

Natürlich ist diese Art des Sponsorings auch Kundengewinnung, schließlich sind die vielen jungen Sportler potenzielle Fahrschüler. Aber das ist nicht der alleinige Grund, warum er die Vereine unterstützt. Er will die Begeisterung honorieren, die auf dem Rasen gezeigt wird. Egal, ob bei Sieg oder Niederlage. Deswegen hat Laux auch so viel Spaß daran, dem »ID-Team« des TSV, das aus Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen besteht, unter die Arme zu greifen. »Ich habe sie das erste Mal bei einem Turnier spielen gesehen. Sie lagen 10:1 zurück. Dann haben sie das 10:2 geschossen – und sich so gefreut, als seien sie Weltmeister geworden.« Wenig später konnte sich das Team nicht nur über die beiden Treffer freuen, sondern auch über einen Satz Trikots und Taschen.

Solange die Fahrzeuge mit dem Laux-Schriftzug durch die Gegend fahren, werden die heimischen Sportvereine auch weiterhin von der Fahrschule profitieren. »Ich brauche ein Zuhause, etwas zu essen und Menschen um mich herum. Mehr nicht. Daher gebe ich gerne etwas ab«, sagt Laux. Und fügt abschließend hinzu: So lange es mir gut geht, soll es den anderen auch gut gehen.«

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