Stadt Gießen

Etwas Wärme für Obdachlose

Hans-Peters Auftritt war nicht geplant. Umso mehr beeindruckte er die Zuschauer am Dienstagabend auf dem Kirchenplatz. Soeben war ihnen das Spendenprojekt »Wärme spenden. Leben retten. Miteinander helfen!« der Diakonie und der Stiftung »Miteinander in Hessen« vorgestellt worden, das Schlafsäcke und Isomatten für Obdachlose finanziert. Da betrat der ältere Mann, der in Gießen auf der Straße lebt, die Weihnachtsmarktbühne und gab dem Thema ein Gesicht: »Noch geht es, aber die nächsten Wochen werden sehr kalt«, erzählte er. »Draußen schlafen ist dann ein Alptraum.«
20. Dezember 2018, 22:02 Uhr
Christian Schneebeck
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Stellen auf dem Weihnachtsmarkt die Aktion »Wärme spenden« vor (v.l.): Moderator Stefan Gillich, Katharina Alborea, Andreas Schmidt, Sarah von Trott, Dietlind Grabe-Bolz und Norbert Kartmann. (Foto: csk)

Hans-Peters Auftritt war nicht geplant. Umso mehr beeindruckte er die Zuschauer am Dienstagabend auf dem Kirchenplatz. Soeben war ihnen das Spendenprojekt »Wärme spenden. Leben retten. Miteinander helfen!« der Diakonie und der Stiftung »Miteinander in Hessen« vorgestellt worden, das Schlafsäcke und Isomatten für Obdachlose finanziert. Da betrat der ältere Mann, der in Gießen auf der Straße lebt, die Weihnachtsmarktbühne und gab dem Thema ein Gesicht: »Noch geht es, aber die nächsten Wochen werden sehr kalt«, erzählte er. »Draußen schlafen ist dann ein Alptraum.«

Die nun begonnene Aktion wolle solche Not ein wenig lindern, indem sie ein Mindestmaß an Hilfe organisiere, sagte Katharina Alborea, Projektleiterin Kältehilfe bei der Diakonie. Jeder gespendete Betrag wird von der Stiftung verdoppelt. Sie stellt dafür zunächst 20 000 Euro zur Verfügung, ebenfalls 20 000 Euro kommen vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Die ersten Schlafsäcke und Isomatten gingen an die Gießener Wohnungslosenhilfe »Die Brücke«. Weitere sollen demnächst verteilt werden.

Damit könne man – im Extremfall – Menschen »vor dem Erfrieren retten« und zugleich engeren Kontakt zu Obdachlosen herstellen, sagte Alborea. Wie ein solcher Kontakt aussieht und welche Bedeutung er hat, erklärte Sarah von Trott, Expertin für aufsuchende Sozialarbeit bei »Die Brücke«. Er nütze etwa bei Behördengängen und Anträgen auf Sozialleistungen, wenngleich von staatlichen Stellen das Ersuchen um verbriefte Ansprüche mitunter »einfach abgelehnt« werde. Die Sensibilität der Bürger sei ungleich höher: »Gerade in der kalten Jahreszeit erhalten wir vermehrt Anrufe von Leuten, die sich Sorgen um Wohnungslose machen. Viele möchten auch Kleidung oder Essen spenden.«

Landtagspräsident Norbert Kartmann, der im Kuratorium der Stiftung sitzt, plädierte dafür, sich intensiver mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinanderzusetzen: »Oft nehmen wir nur zur Kenntnis, dass es sie gibt. Aber bitte denken Sie einmal daran, wenn Sie heute Abend in Ihr warmes Bett gehen: Für diese Menschen ist ein Schlafsack das warme Bett, ihr ganzes Schlafzimmer.« Von Trott wies zudem darauf hin, dass nicht wenige Obdachlose »unverschuldet« auf der Straße landeten und »hinter Wohnungslosigkeit oft ganz harte Schicksale« stünden.

Auf der Bühne entwickelte sich eine Diskussion über Obdachlosigkeit – und den Wert des Ehrenamts. »Die Gesellschaft lebt von ehrenamtlichem Engagement«, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Es mache ihren »Wärmestrom« aus. Andreas Schmidt, Bereichsleiter bei »Die Brücke«, ergänzte, für die Wohnungslosenhilfe müssten seitens der Politik »gute Rahmenbedingungen« geschaffen werden, um Aktionen wie die nun vorgestellte zum Erfolg zu bringen.

Wer etwas Wärme spenden möchte, kann seinen Beitrag entweder auf das Konto der Aktion bei der Evangelischen Bank überweisen. IBAN: DE12 5206 0410 0004 0506 06. Stichwort: »Kältehilfe«. Oder man spendet unter waermespenden.diakonie-hessen.de.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Etwas-Waerme-fuer-Obdachlose;art71,531951

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