18. Mai 2019, 09:00 Uhr

Eltern sauer

Es rumort in der Kita in Rödgen

Zu häufiger Personalmangel, renovierungsbedürftige Räume: Eltern sind sauer über Situation in der Kita Röden. Der Unmut wird jetzt auch noch durch einen weiteren Grund befeuert.
18. Mai 2019, 09:00 Uhr
Hinter den Mauern der Rödgener Kita gibt es offenbar Probleme. (Foto: Schepp)

Wer an der Rödgener Kita vorbeischlendert, könnte meinen, hier herrsche eitel Sonnenschein: Der geräumige Bau bietet viel Platz, durch die ruhige Lage gibt es kaum Gefahren auf vier Rädern, und der großzügige Außenbereich lädt zum Spielen und Toben ein. Doch der äußere Eindruck trübt. Das betont zumindest der Elternbeirat. In einem Schreiben an die Eltern hat er jetzt seinen Unmut geäußert. Es geht um bauliche Mängel, zu wenig Personal, Probleme mit der Bauernhofgruppe und schlechte Kommunikation seitens der Stadt Gießen. »Das geht schon seit Jahren so«, sagt der Vorsitzende René Weiss. Dass der Ärger gerade jetzt hochkocht, hat mit einer Entwicklung zu tun, von der sich laut Weiss viele Eltern vor den Kopf gestoßen fühlen: Die Stadt will die Trägerschaft abgeben.

Wohl nur AWO interessiert

»Das stimmt«, bestätigt Stadträtin Gerda Weigel-Greilich. »Wir haben alle potenziellen Träger angeschrieben.« Das Feedback sei aber verhalten gewesen. Viele Träger seien ausgelastet, die Caritas beispielsweise hätte gerade erst die Kita St. Elisabeth übernommen. »Für Rödgen hat sich bisher nur die AWO als Interessent gemeldet.« Die Gründe für den Wechsel? »Wir müssen uns als Stadt konsolidieren, schließlich haben wir zuletzt selbst stark erweitert«, sagt Weigel-Greilich und nennt die Vergrößerungen in Lützellinden und Allendorf sowie die neue Waldkita. Hinzu komme, dass sich die Stadt mit der Betreuung einer Bauernhofgruppe, wie es sie in Rödgen gibt, schwer tue. »Für freie Träger ist das einfacher.«

Die Bauernhofgruppe bereitet auch dem Elternbeirat Sorgen. Weiss sagt, die Ausstattung sei unzureichend, zudem gebe es bauliche Mängel. Vor allem aber würde das Angebot nur selten stattfinden, da Personal fehle. »Das ist ärgerlich, zumal die Gruppe für einige Eltern das Hauptargument war, ihre Kinder in diese Kita zu geben.«

Den Trägerwechsel an sich sieht der Elternbeiratsvorsitzende hingegen nicht kritisch. Im Gegenteil: Man habe mit Kitaleitungen, die solch einen Wechsel bereits hinter sich haben, gesprochen und ein positives Feedback erhalten. »Unsere Hoffnung ist groß, dass sich durch einen neuen Träger etwas verbessert«, sagt der Rödgener. Was ihn aber stört, ist die Art und Weise, wie das Rathaus mit dem Thema umgeht. Die Elternbeirat sei für den 24. April zu einem Treffen in die Kita geladen worden, um »die Situation in der Kita« zu besprechen, erinnert sich Weiß. Am Abend sei den Eltern dann der geplante Wechsel kurz und knapp mitgeteilt worden. Das Erzieherinnen-Team sei genau eine Stunde vorher über dieses Vorhaben informiert worden.

In den Augen von Weiss ist aber nicht nur die Kommunikation verbesserungswürdig, sondern auch die Kita an sich. Der Zustand der Gruppenräume lasse stark zu wünschen übrig, auch die sanitären Anlagen müssten dringend saniert werden. »Ein Bad ist steinalt. Auf den Toiletten saßen schon die Eltern der jetzigen Kinder.«

Weigel-Greilich sind diese Mängel bewusst, wie sie sagt. Sie verweist in diesem Zusammenhang aber auch auf die vielen anderen Kitas, wo teilweise ein höherer Bedarf bestehe. Zudem sei es derzeit für das Hochbauamt schwer, Auftragnehmer zu finden. »Die Baufirmen sind extrem ausgelastet.«

Der Elternbeirat wird das nicht gerne hören. Noch größere Sorgen bereitet ihm aber die Personalsituation. »Die ist am unteren Limit«, betont Weiss und erzählt, dass den Kindern Bezugspersonen fehlten, Projekte ausgefallen seien und schlussendlich sogar eine Notbetreuung habe stattfinden müssen. Das liegt laut Weiss zum einen an Langzeiterkrankungen, zum anderen aber auch an unpassenden Personaleinstellungen.

Auch Weigel-Greilich sieht in der Personalsituation ein Problem. »Wichtig ist Stabilität. Und das haben wir aus verschiedenen Gründen nicht geschafft.« Sie hoffe, dass dies durch den Trägerwechsel besser werde. Eine Hoffnung, die auch Weiss hegt: »Das Kommen und Gehen muss ein Ende haben. Für uns ist das Allerwichtigste, dass Leitung und Erzieherinnen vom neuen Träger übernommen werden. Alles andere wäre eine Katastrophe für die Kinder.«

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