01. Mai 2009, 22:50 Uhr

Erstes mathematisches Kindermuseum der Welt

Das Mini-Mathematikum wurde am Donnerstag von Ex-Außenminister Klaus Kinkel eröffnet.
01. Mai 2009, 22:50 Uhr
Lustig und lehrreich: Viel Spaß haben die Kinder in dem Häuschen, das aus drei Spiegeln besteht und einem riesigen Kaleidoskop entspricht. (Foto: Schepp)

Gießen (pd). Sie gehören seit Jahren zu den Stammgästen des Mathematikums. Deshalb durften die Kinder vom »Traumland Panama« in Großen-Buseck am Donnerstagvormittag auch lange vor der offiziellen Öffnung des Mini-Mathematikums die 15 Exponate nach Herzenslust erforschen. Sie taten das mit großer Begeisterung - und ließen sich dabei auch von den anwesenden Erwachsenen nicht stören. Auch die durften zur Feier des Tages Igelräder ausprobieren, sich im Spiegelhäuschen betrachten oder beim Gespensterpuzzle ein Parkett legen. Normalerweise ist das erste mathematische Kindermuseum der Welt unter dem Dach des Mathematikums Kindern von vier bis acht Jahren vorbehalten, sagte Prof. Albrecht Beutelspacher. Der Direktor des Mitmachmuseums freute sich bei der Eröffnungsfeier, »dass wir unserem Leitbild treu geblieben sind, für unsere Besucher immer das Beste zu wollen«. Diesem Anspruch würden auch die neuen Exponate gerecht.

Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser These hatte ohnehin keiner der Redner des Festaktes geäußert. Im Gegenteil. Die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann gratulierte dem Direktor des 2002 eröffneten Mathematikums, mit dem Mini-Mathematikum erneut die richtige Initiative ergriffen zu haben. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten nämlich ergeben, dass Kinder in den Anfangsjahren besonders aufnahmefähig sind. Kühne-Hörmann sprach von einem gelungenen Konzept, die Allerkleinsten spielerisch mit einer schwierigen Materie vertraut zu machen. »Wir brauchen mehr Menschen, die sich für MINT-Fächer interessieren«, forderte die Ministerin und kündigte an, mit Bundesmitteln 275 000 neue Studienplätze zu schaffen in den Fächern, »die die besten Zukunftsaussichten haben«.

Auch der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel sprach sich für eine stärkere Förderung im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) aus. »Im Land der Dichter und Denker ist noch zu wenig bekannt, dass die Mathematik die Mutter aller Schlachten ist«, sagte der Vorsitzende der Deutschen Telekom-Stiftung. In dieser Funktion habe er sich inzwischen »total auf Mathe fokussiert«. Wie nötig dieses Engagement ist, zeige eine aktuelle Studie, die belege, dass Deutschland im Fach Mathematik unter den 17 führenden Industrienationen inzwischen von Platz 13 auf Rang 15 abgerutscht sei. Davon, dass »der Macher Beutelspacher« dem in der Öffentlichkeit nach wie vor verbreiteten Image der Mathematik als »Schreckensfach« entgegen wirke, habe er sich bereits mehrfach überzeugen können - zuletzt bei seinem Besuch vor knapp zwei Jahren. Kritisch setzte sich Kinkel mit der Lehrerausbildung an den Hochschulen auseinander. Gerade an Universitäten, die auf Exzellenz ausgerichtet sind, werde die Lehrerbildung offenbar nicht immer ernst genug genommen.

Dass das vermeintliche »Schreckensfach« in Gießen seit dem Bestehen des Mathematikums einen ganz anderen Stellenwert erhalten hat, bekräftigte Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann. »Mathe macht glücklich«, sagte der OB und erinnerte an die zahlreichen Skeptiker während der Entstehungsphase des Mitmachmuseums. Diese Haltung habe sich seit der Eröffnung des Mathematikums »total gewandelt«, so Haumann. Die Mathematik sei mittlerweile ein »Leuchtturm des Standortmarketings« für die Stadt und die Region geworden.

Die Überlegungen, die der Errichtung des Mini-Mathematikums zugrunde liegen, erläuterte abschließend Prof. Beutelspacher. Eigentlich sei das Mathematikum auf Besucher ab dem dritten Schuljahr zugeschnitten. Zu den Gästen gehörten aber auch immer wieder Kita-Gruppen oder erste Schuljahre. »Wir haben gemerkt: Das ist nicht ideal«, sagte der Direktor. Nun habe man bestehende Exponate altersgerecht verändert oder neue Versuche hinzugenommen für die Gruppe der Vier- bis Achtjährigen, »die wir zu Unrecht jahrelang vernachlässigt haben«. Beutelspacher dankte ausdrücklich Mitarbeitern und Sponsoren. Dank ging auch an das Werkstatt-Team mit den Schreinern Michael Stoeckel und Thorsten Theisinger sowie an Architekt Peter Diehl. Entwickelt wurden die Exponate in erster Linie von Anni Dobener und Steffi Kohsiek.

Musikalisch gestalteten Christina Riedel und Britta Schäfer die Eröffnungsfeier mit Werken von Schumann und Bach.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos