18. Dezember 2017, 22:23 Uhr

Erst die Wohnung, dann der Rest

18. Dezember 2017, 22:23 Uhr
Jonas_Wissner
Von Jonas Wissner
Georg Bäcker freut sich auf Weihnachten in seiner eigenen Wohnung. (Foto: Schepp)

»Es war nicht einfach, für sich selbst den Weg zurück zu finden«, sagt Georg Bäcker. Anderthalb Jahre lang hatte er keine eigenen vier Wände, nun steht das erste Weihnachten im neuen Zuhause bevor, über das er einfach nur dankbar sei. Im Haus wohnen sonst ältere Leute, »aber die haben nichts gegen einen jungen Mann wie mich«.

Bäcker ist einer von fünf Gießenern, denen das Diakonische Werk im Laufe des vergangenen Jahres im Rahmen des Projekts »Housing First« zu einer Wohnung verholfen hat. Es gehe darum, Suchenden, die auf dem ohnehin schon engen Wohnungsmarkt kaum eine Chance hätten, ohne Vorbedingungen Wohnraum zu vermitteln und sie zu unterstützen. Aufgrund verschiedenster Probleme – von Verschuldung über Suchtkrankheiten bis hin zur Erwerbslosigkeit – halte Wohnungslosigkeit oft über Jahre an. »Die Grundüberzeugung ist, dass ein Mensch ohne Wohnung nicht in der Lage sein wird, seine Probleme von der Straße aus zu lösen«, erklärte Andreas Schmidt, Bereichsleiter Wohnungslosenhilfe beim Diakonischen Werk, am Montag bei einem Pressegespräch. Vier der Klienten, denen ein Zuhause in Gebäuden der Wohnbau GmbH vermittelt werden konnte, leben noch immer in diesem Mietverhältnis. Nur bei einem sei »der Wille irgendwann flöten gegangen«, sagt Schmidt – und daran dürfe es nicht fehlen, damit das Verhältnis auf Dauer trägt.

Grundlage der besonderen Wohnungsvermittlung ist ein Rahmenvertrag mit der Wohnbau. Das Diakonische Werk schließt für die jeweiligen Mieter einen Untermietvertrag über ein Jahr ab und trägt so zunächst das Risiko im Fall eines Mietausfalls. Läuft alles glatt, dann schließt danach der Mieter selbst einen Dauermietvertrag ab. Eine genaue Zielmarke für 2018 zu vereinbaren, halten die Kooperationspartner für schwierig, die Kapazitäten seien begrenzt. »Wir dürfen nicht zu viele Fälle aufnehmen, weil wir sie im Notfall auch betreuen müssen«, gibt Diakonie-Straßensozialarbeiterin Sarah von Trott zu bedenken. Die Wohnbau hält die Vermittlung von sieben bis acht Personen in einem Jahr für ein machbares Ziel. Bisher laufe das EU-geförderte Projekt sehr erfolgreich.

Bäcker weiß, dass er mit der Wohnung viel Glück gehabt hat. Ein gutes Verhältnis zu seinen Nachbarn sei ihm wichtig. »Um das Mietverhältnis nicht zu versauen, muss man auch sehen, wen man einlädt«, sagt der Mieter. Als ein befreundeter Punker erstmals zu Besuch gekommen sei, hätten die Nachbarn ihn noch kritisch beäugt. »Das hat sich aber gebessert«, sagt Bäcker lachend.



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