09. Januar 2019, 14:00 Uhr

Neu im Landtag

Erst Ministerpräsident wählen, dann Kind kriegen

Katrin Schleenbecker (Grüne) hat nicht nicht nur politisch aufregende Wochen vor sich.
09. Januar 2019, 14:00 Uhr
Viel mehr Briefe und E-Mails erreichen Katrin Schleenbecker, seit sie zur Landtagsabgeordneten gewählt wurde. (Foto: mö)

Katrin Schleenbecker greift in ihre Tasche und legt einen Stapel Briefe auf den Tisch. »Das ist wirklich mehr geworden«, sagt die 41-Jährige. Drei Tage Kurzurlaub hatte sich die künftige Landtagsabgeordnete der Grünen gegönnt und die Post mal Post sein lassen. Zudem fast 100 E-Mails lagen nach dem Wochenende in ihrem elektronischen Postfach, darunter auch einige kritische, weil die Grünen der Bejagung von Waschbären in Hessen im Koalitionsvertrag zugestimmt haben. Knapp zwei Wochen vor der ersten Sitzung des neuen Landtags ist die Kinzenbacherin also im Leben einer Abgeordneten angekommen. Demnächst wird auch ihr Wahlkreisbüro im Grünen Zentrum in der Liebigstraße arbeitsfähig sein.

 

Dabei hatte es zunächst nicht danach ausgesehen, dass die Gießener Grünen nach über 20-jähriger Abstinenz wieder ein Landtagsmandat besetzen werden. Beim Parteitag im Frühjahr in Fulda hatte es für die Kandidatin aus dem Wahlkreis Gießen I nur für Listenplatz 21 gereicht. »Ein Landtagsmandat war relativ unerreichbar«, war auch ihre Einschätzung. Aber dann begann der Höhenflug der Grünen in den Umfragen für die Wahlen in Bayern und Hessen – und am späten Abend des 28. Oktober war Katrin Schleenbecker ganz sicher »drin«. »Ich glaube, dass dieser Sommer vielen die Augen geöffnet hat«, ist aus ihrer Sicht eine Erklärung für das Wahlergebnis. Die Grünen-Fraktion ist jetzt mehr als doppelt so groß. Angesichts der Fülle an Aufgaben, die zu verteilen sind, wundert sich die Neue, »wie die alte Fraktion das alles geleistet hat«.

Dort kann man den Menschen sehr konkret helfen

Katrin Schleenbecker begründet ihre Präferenz für den Petitionsausschuss

Im Moment sieht es so aus, dass Schleenbecker im Kultur- und Petitionsausschuss mitarbeiten wird. Als Sprecherin der Bundes- und Landesarbeitsgemeinschaften der Christen bei den Grünen würde sie zudem gerne die Religionspolitik zu einem Schwerpunktthema machen und im Unterausschuss Justizvollzug mitarbeiten. In den Petitionsausschuss geht sie aus Überzeugung: »Dort kann man Menschen konkret helfen.«

An der Regierungsbildung war Schleenbecker unter anderem durch die Mitarbeit in den Verhandlungsfachgruppen für Soziales und Integration sowie Petitionen beteiligt. Die über 90-prozentige Zustimmung der Parteibasis für die Vereinbarung mit der CDU habe sie in dieser Deutlichkeit überrascht. »Die Partei hat halt die Erfahrung gemacht, dass man mit der CDU konstruktiv und verlässlich zusammenarbeiten kann«, sagt Schleenbecker. Nicht nur auf ihre Stimme wird es oft ankommen in den nächsten fünf Jahren, denn CDU und Grüne werden mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit regieren. Mit »Disziplin und viel Kommunikation« ist eine solche Konstellation nach Schleenbeckers Überzeugung beherrschbar.

Ministerpräsident Volker Bouffier muss sich mit Blick auf seine für den 18. Januar geplante geheime Wiederwahl jedenfalls nicht sorgen, dass ihm dann ausgerechnet eine Stimme aus Gießen fehlen wird, weil eine Geburt dazwischen kommt. Erst Mitte März erwartet Katrin Schleenbecker ihr zweites Kind. Da der Landtag mit jungen Müttern auch dank der »Vorarbeit« der künftigen grünen Wissenschaftsministerin Angela Dorn mittlerweile Erfahrung habe, hofft sie, dass sich das alles managen lässt. Es gebe jedenfalls eine »super Hilfsbereichtschaft« der Landtags-Verwaltung.

Um die Sitzungen in Wiesbaden rechtzeitig zu erreichen, will die Abgeordnete übrigens auf die Schiene setzen. Der Zug habe nach mehrfachem Verkehrsmittelvergleich »erste Präferenz«.

Zusatzinfo

Neu im Landtag

Mit Frank-Tilo Becher (SPD), Katrin Schleenbecker (Grüne) und Arno Enners (AfD) wird der Gießener Landtagswahlkreis 18 ab dem 18. Januar mit drei neuen Abgeordneten im Wiesbadener Landtag vertreten sein. In einer kleinen Serie erzählen die drei Politikern, wie es ihnen seit dem Wahltag ergangen ist, welche Aufgaben auf sie zukommen und wie sich ihr Leben durch das Mandat verändern wird.

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