04. Juli 2019, 22:11 Uhr

Entspannter Gypsy Swing

04. Juli 2019, 22:11 Uhr
Die Band Crépuscule gefällt im Ulenspiegel mit feinen Interpretationen. (Foto: jou)

Ein rundum hörenswertes Gypsy-Jazz-Konzert bot die Band Crépuscule am Mittwoch im Ulenspiegel. Bei der Veranstaltung der Jazzinitiative Gießen bewiesen Kai Picker (Gitarre), Manfred Becker (Akkordeon), Frank Höfliger (Kontrabass) und Joe Bonica (Schlagzeug) schon im Eröffnungsstück »Swing Gitan« von Angelo Debarre mit feinem Rhythmusgefühl, wie sehr ihnen der Swing im Blut liegt. In Kontrast zu dieser schnellen Komposition stand das ruhige Stück »Bei dir war es immer so schön«. Die atmosphärisch dichte Einleitung weckte Neugier, daraufhin spielte Picker nuanciert die entspannende Melodie über flächigen Akkordeonklängen und dezentem Rhythmusfundament, ehe sich die Rollen umkehrten und Becker die Solostimme übernahm. Besonders gefiel die flexible Tonstärke - bis hin zum sanft fließenden Ausklang.

Begeistern ließ auch die Interpretation des ohrwurmhaften Elvis-Presley-Hits »Love me tender«. Hier wie auch insgesamt an diesem Abend sorgte der versierte Schlagzeuger Joe Bonica für ein tragkräftiges Gerüst, ohne die anderen Musiker zu überdecken - unter den beengten akustischen Verhältnissen im Ulenspiegel keine leichte Aufgabe. So bildete das Drumset eine reizvolle Alternative zur Rhythmusgitarre.

Das Vergnügen setzte sich fort bei der Django-Reinhardt-Ballade »Tears«. Gekonnt traf die Band hier die leise Wehmut. Wieder traten Picker und Becker in fein aufeinander abgestimmtes Wechselspiel. Dass der Geist des berühmten Gitarristen, Komponisten und Bandleaders Django Reinhardt fortwirkt, belegen nicht nur musikalische Nachfahren, spiegelt sich zudem unter anderem in der filmischen Auseinandersetzung »Django - ein Leben für die Musik« wider, die vor eineinhalb in den Kinos lief.

Ob beim rhythmisch auf den Punkt gebrachten »Troublant Bolero« oder bei der konzentrierten Interaktion von Gitarre und Kontrabass in »Our love is here to stay« - stets war die reiche Konzertpraxis der Musiker zu spüren. Sie hatten es nicht nötig, mit effekthaschender Virtuosität die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, sondern ließen mit gefühlvollem Spiel die unaufdringlich-unterhaltsame Musik für sich sprechen.

Eine spezielle Note erhielt Jaco Pastorius besinnlicher Walzer »Three views of a secret« durch die helle, von Becken geprägte Geräuschkulisse. Besonders begeisterte das zahlreiche Publikum der leidenschaftliche »Tango pour Claude« von Richard Galliano in der lebhaften Interpretation.

Rhythmisch packend ging es nach der Pause weiter mit der »Bossa Dorado«. Das musikalische Spektrum reichte bis hin zum Blues »Un certain je ne sais quoi«. Für den kräftigen Applaus dankte die Band mit der Ballade »Mélodie au crépuscule« von Django Reinhardt als Zugabe.

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