06. September 2016, 10:03 Uhr

Endgültiges Aus für Sommerlad in Fulda

Gießen/Fulda/Kassel (ta). Jetzt ist es endgültig. Die Sommerlad-Filiale in Petersberg bei Fulda wird zum 31. März 2017 geschlossen. 130 Beschäftigte verlieren damit ihren Arbeitsplatz.
06. September 2016, 10:03 Uhr
Die Sommerlad-Filiale in Fulda-Petersberg schließt zum 31. März 2017. (Foto: pv)

Die letzte Hoffnung, dass das renommierte Gießener Möbelhaus doch noch seinen seit Jahren geplanten Neubau in Künzell errichten darf, zerschlug sich am gestrigen Vormittag. Der Zentralausschuss der Regionalversammlung Nordhessen lehnte praktisch einstimmig – nur die Landtagsabgeordnete und SPD-Unterbezirksvorsitzende Sabine Waschke entschied anders – den Abweichungsantrag der Gemeinde Künzell vom Regionalen Raumordnungsplan ab. Über 100 Sommerlad-Mitarbeiter verließen nach der Abstimmung tief enttäuscht und verärgert den Sitzungssaal im Kasseler Regierungspräsidium.

Wie bereits ausführlich berichtet, hatte der Unternehmer Frank Sommerlad schon 2010 mit der Planung für einen größeren Neubau seiner Fuldaer Dependance begonnen, die in einem angemieteten und nicht vergrößerbaren Gebäudekomplex residiert. Das Stammhaus genüge heutigen Ansprüchen nicht mehr und könne nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, hieß es.

Vor drei Jahren hatte der Gießener deshalb ein über 100 000 Quadratmeter großes Grundstück im interkommunalen Gewerbegebiet Künzell erworben, nur wenige Hundert Meter vom alten Standort entfernt und direkt neben der Ausfahrt Fulda-Mitte der Autobahn A 7. Eigentlich sollte dort schon im Frühjahr 2014 der Neubau für 30 Millionen Euro begonnen werden. Vorgesehen war eine Verkaufsfläche von 28 000 Quadratmetern – kaum kleiner als der Hauptsitz in Gießen mit seinen 32 000 Quadratmetern.

Aber aus diesem Vorhaben wurde nichts, weil das Regierungspräsidium aus Kassel und das Landratsamt in Fulda von Anfang an ihr Veto einlegten. Grund: Der Standort Künzell sei nicht mit dem Integrationsgebot des Regionalplans Nordhessen vereinbar, hieß es. Danach ist großflächiger Einzelhandel nur im Vorranggebiet »Siedlung« zulässig. Der neue Sommerlad-Standort liege jedoch im Vorranggebiet »Industrie und Gewerbe«.

Diese Rechtsauffassung hatten RP Walter Lübcke und Landrat Bernd Woide (beide CDU) vor vier Wochen in einer Besprechung mit dem Fuldaer Oberbürgermeister sowie den Rathauschefs von Künzell, Petersberg und Eichenzell noch einmal bekräftigt. Die drei Gemeindeparlamente hatten 2015 jeweils einstimmig für einen Abweichungsantrag vom Regionalplan und damit für den Sommerlad-Umzug von Petersberg nach Künzell votiert.

Daraufhin hatte Frank Sommerlad bei einer Betriebsversammlung in Petersberg die Belegschaft darüber informiert, dass er diese Filiale zum zweiten Quartal 2017 schließen muss. »Das war die schwärzeste Stunde in meinem bisherigen Berufsleben«, hatte er damals betont. »Dass die Fortführung eines erfolgreichen Betriebs an einer bürokratischen Hürde scheitert, ist nicht nachvollziehbar und traurig«, schrieb er in einer Pressemittelung.

Der Möbelhändler beklagt vor allem eine Ungleichbehandlung. Fast alle großen Baumärkte und Möbelhäuser der bekannten Filialisten stünden in Vorranggebieten »Industrie und Gewerbe«, hat er recherchiert. Das Gießener Regierungspräsidium gehe da pragmatischer vor und habe in den vergangenen Jahren in vergleichbaren Fällen Abweichungen vom Integrationsgebot zugelassen, etwa beim Bauhaus in Gießen oder beim Baumarkt Hellweg in Dillenburg.

Auf den Sommerlad-Hauptstandort in Gießen hat die Schließung in Petersberg keine Auswirkungen.



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