28. September 2008, 21:42 Uhr

Elefantenklo wird demnächst »Weltkulturerbe«

Sein »Schlamp-Eisen« hält Axel Pfeffer fest in der rechten Hand. Zweimal klopft er mit dem Werkzeug, mit dem einst Kanäle gereinigt wurden, auf das Podest. Einen Kübel hat er zu seinen in Gummistiefel steckenden Füßen abgestellt. Der »Schlammbeiser« präsentiert sich in voller Montur - auch wenn das Elefantenklo nur nach seiner scherzhaften Bezeichnung mit der Kanalisation verbunden ist.
28. September 2008, 21:42 Uhr

Gießen (srs) Sein »Schlamp-Eisen« hält Axel Pfeffer fest in der rechten Hand. Zweimal klopft er mit dem Werkzeug, mit dem einst Kanäle gereinigt wurden, auf das Podest. Einen Kübel hat er zu seinen in Gummistiefel steckenden Füßen abgestellt. Der »Schlammbeiser« präsentiert sich in voller Montur - auch wenn das Elefantenklo nur nach seiner scherzhaften Bezeichnung mit der Kanalisation verbunden ist. »Jawohl, wir stehen zu unserem E-Klo«, ruft Pfeffer in die Menge. Knapp 300 Menschen, die sich um ihn herum postiert haben, stimmen ihm applaudierend zu. »Und 2014«, so fügt zum Amüsement der Besucher hinzu, »wird die Brücke in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.«

Mit Gratulationen, Musik, und Kuchen wurde am Samstag unter Sonnenschein der 40. Geburtstag des E-Klos sowie der Einweihung des Selterswegs als reine Fußgängerzone gefeiert. Ein Ständchen oder vielmehr einen Abgesang intonierte indes ein Geschäftsmann, der für einen Abriss der Brücke am Selterstor streitet.

»Das E-Klo ist ein Bauwerk der Superlative«, erklärte »Schlammbeiser« Axel Pfeffer in seiner mit Humor gespickten Glückwunschrede. »Es ist weltweit das häufigst benutzte Klo.« Die heutigen Bundesminister Brigitte Zypries und Frank-Walter Steinmeier hätten in ihrer Studienzeit auf der Brücke gestanden, daher sei sie als »Kaderschmiede« für Politiker zu betrachten. Kurz erinnerte Pfeffer an den Kreisverkehr am Selterstor vor dem Bau des E-Klos. Damals habe der Polizist Heinz Blecker weit weniger Autos dirigiert im Vergleich zu heute Tausenden Fahrzeugen und Fußgängern, die das Selterstor täglich unter- und überquerten. Die Brücke sei zudem wichtiger Markierungspunkt. »Erklären Sie mal ohne E-Klo einem Ortsfremden den Weg über die Stadtmitte nach Heuchelheim.« Pfeffer betonte: »Wir sollten uns vor allem Gedanken machen, wie wir das E-Klo schöner machen.«

Anschließend stimmte der Geschäftsführer des Schuhhauses »Darré«, Heinz-Jörg Ebert, ein Schmählied auf das Elefantenklo an. »So lange es noch da ist - weil es manchem echt gefällt - gratulier ich diesem schlimmsten aller Bauten dieser Welt!«, sang der Vorsitzende des BID Seltersweg auf die Melodie von »Mackie Messer«, während er eine Rolle Toilettenpapier in die Höhe hielt. Die Brücke sei »ne Blockade, Barrikade, die doch außer Kult nix hat!«

Die Feier auf dem E-Klo hatten die zwei Gießener Andreas Matzek und Peter Kosch in Eigeninitiative organisiert, Im Vorfeld des Festes hatten sie außerdem die Gießener aufgefordert, Glückwünsche an das Elefantenklo zu verfassen. Über 200 Menschen hatten den Vorschlag aufgegriffen und geschrieben. Matzek und Kosch lasen zwei Beispiele vor, darunter einen Brief einer Tochter des Ingenieurs Wolfgang Schäfer, der vor 40 Jahren an der Planung der Brücke maßgeblich beteiligt gewesen war, Inge Schwabe. Sie nennt das E-Klo darin ihren »Bruder, da wir doch den gleichen Erbauer haben« und äußert »Hoffnung, dass du so bleibst, wie du bist - vielleicht mit etwas mehr Grün im Laufe der Zeit.«

Auch eine fünfte Klasse der Alexander-von-Humboldt-Schule hatte sich beteiligt. Im Kunstunterricht hatten die Schüler maßstabsgetreu aus Pappkarton ein Modell nach ihren Ideen gebastelt, das nun in der Dresdner Bank ausgestellt ist. Oben befinden sich in dem Modell zwei Cafés. Sonnenschirme geben Schatten. Und statt Rolltreppen haben sie Rutschen eingebaut. »Weil das billiger ist«, erläuterte eine Schülerin.

Musikalisch umrahmte die Feier die »Original Münchholzhäuser Blaskapelle«. Die Lebenshilfe Gießen lud zu einer Oldtimer-Spendenaktion, die Aidshilfe verkauft Kuchen.

Am 28. September 1968 waren das Elefantenklo sowie der Seltersweg als Fußgängerzone eingeweiht worden. Die Feier am Samstag fand einen Tag vor dem tatsächlichen 40-jährigen Jubiläum statt, um mehr Publikum zu erreichen. Im Seltersweg sorgten die Sänger, Bläser und Tänzer der »Marching Bandits« für Unterhaltung. Am Eingang des Kaufhauses Karstadt erzählte ein Film von Willi Rüspeler die Geschichte des Selterswegs und weckte durch alte Bilder Erinnerungen an die Schönheit der Häuserfassaden, die »Elektrisch«, das Kino »Gloria« und frühere Geschäfte.

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