25. März 2016, 21:23 Uhr

Eklat bei IHK-Empfang ist »Schnee von gestern«

Gießen (srs). Der Eklat beim Neujahrsempfang der IHK Gießen-Friedberg vor zwei Monaten kam während der Vollversammlung der Kammer am vergangenen Mittwoch noch einmal zur Sprache. Der Vorfall sei »Schnee von gestern«, erklärte IHK-Präsident Rainer Schwarz.
25. März 2016, 21:23 Uhr
Mit einer Kampagne wenden sich IHK-Präsident Matthias Schwarz (l.) sowie Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder (r.) gegen eine Bargeldobergrenze. (Foto: srs)

Doch verbitte man sich auch zukünftig eine Beeinflussung von außen auf die eigene Agenda und die Auswahl von Rednern. Beim Neujahrsempfang in der Kongresshalle Ende Januar hatten wie berichtet der SPD-Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel, Landrätin Anita Schneider und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz demonstrativ den voll besetzten Saal verlassen. Anlass waren Teile der Festrede von Dieter Bischoff. Der von der IHK eingeladene stellvertretende Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung hatte in seiner Rede vor einer Energiewende mit Mitteln der Planwirtschaft gewarnt

»Was in der Rede nicht in Ordnung war, entzieht sich meiner Kenntnis«, sagte IHK-Präsident Schwarz. Inzwischen habe man sich mit der OB und der Landrätin »auf ihren Wunsch« zusammengesetzt. Der »eklatähnliche Vorfall« sei daher Vergangenheit.

In einer Resolution sprach sich die Vollversammlung der IHK am Mittwoch gegen Obergrenzen von Bargeld-Transaktionen aus. »Bargeld ist gelebte Freiheit«, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder. Zudem dürfe man Menschen, die beispielsweise für 10 000 Euro in bar ein Auto kaufen wollen, »nicht kriminalisieren«. Das Ansinnen der Bundesregierung für eine Obergrenze sei »unfreiheitlich und unsozial«.

Weiter wendet sich die IHK gegen die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. In bildlicher Sprache hielt Leder fest, die EZB treibe einerseits eine Kuh mit einer Peitsche nach vorne – »während die Kuh aber dank Verordnungen wie Basel III vor einem Elektrozaun steht«. Die Zinspolitik »tut uns allen weh«, bestätigte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Gießen, Peter Wolf.

In einem Vortrag gab der Sozialpädagoge Dr. Ralf Sänger einen Einblick in die Hürden für Flüchtlinge, hierzulande in Beschäftigung zu kommen. Bevor Flüchtlinge einen Beruf antreten könnten, hätten sie mit Kriegserfahrungen, traumatischen Fluchtsituationen, fehlenden Sprachkenntnissen, kulturellen Unterschieden und vor allem auch rechtlichen Unsicherheiten zu kämpfen. Haben Asylbewerber die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen und kommen sie aus einem nicht sicheren Herkunftsstaat, dürfen sie frühestens nach vier Monaten einer Beschäftigung nachgehen – allerdings nur mit Erlaubnis der Ausländerbehörden und nach Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Allerdings habe Deutschland »eine der liberalsten Aufenthaltsbestimmungen«, betonte der Leiter der IQ-Fachstelle Migrantenökonomie am Institut für Sozialpädagogische Forschung. Ohnehin könnten Flüchtlinge »doch nicht heute kommen und morgen schaffen«. Deutschkurse seien für den Anfang angebracht. »Ich war selbst einmal für ein Jahr im Ausland. Drei Monate habe ich gebraucht, bis ich mich halbwegs eingelebt habe. « Warum man Flüchtlinge nicht schneller arbeiten lasse, fragte IHK-Ehrenpräsident Wolfgang Maaß, um gleich selbst eine Antwort zu liefern. »Weil der Arbeitsmarkt sonst zusammenbrechen würde.«

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