02. April 2019, 21:54 Uhr

Einladung zum Genuss

Die wichtigste Zutat dieses Buches sind die Menschen. Heide M. Sauer hat 22 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur gebeten, von ihrem Lieblingsgericht zu erzählen. Entstanden ist so das Buch »Kostbar« – eine Einladung zum Genuss, kulinarisch wie literarisch.
02. April 2019, 21:54 Uhr
Heide Sauer hat 22 Persönlichkeiten gebeten, ihr Lieblingsrezept und die dazu gehörige Geschichte aufzuschreiben. Entstanden ist daraus eine wahre »Kostbarkeit«. (Foto: pm)

Heide Sauer ist von ganzem Herzen Gastgeberin. Die freischaffende Kalligrafin und Malerin aus Staufenberg liebt es, mit Menschen am Tisch zu sitzen, mit ihnen zu speisen und zu reden, fremde Gerichte und Kulturen kennenzulernen. Es ist rund 20 Jahre her, dass sie selbst bei einem Gastmahl erlebt hat, wie Menschen aus unterschiedlichen Nationen, die sich vorher noch nicht kannten, eine gemeinsame Mahlzeit zum kommunikativen, alle Sinne berührenden Fest gemacht haben. Inspiriert von diesem Erlebnis hat Sauer nun einige ihrer eigenen »Lebensfreunde« zu Tisch gebeten: nicht im wörtlichen Sinne, sondern in Form eines Buches. Sie hat Freunde aus unterschiedlichen Kulturen, Religionen, Nationen und Berufen eingeladen, ihre kostbaren kulinarischen Schätze aufzuschreiben, also ein Gericht und die dazugehörende Geschichte für ein Buch »zuzubereiten«.

Sauer, lange als Kunstpädagogin im Schuldienst tätig, gibt »Kostbar« im Eigenverlag heraus, hat es von der Idee bis zum Druck kuratiert, kunstvoll gestaltet und sich so einen Lebenstraum erfüllt. Es ist ein Buch für weltoffene Genießer geworden, kein Kochbuch im eigentlichen Sinne, aber auch mehr als ein Erzählband. Und zugleich ermöglicht es eine Wiederbegegnung mit einigen Menschen, die in Gießen gelebt haben.

Die kurzen Geschichten im Buch, viele mit dem entsprechenden Lieblingsrezept versehen und jede so individuell wie ihre Autoren, machen eines deutlich: Kultur kann man schmecken und Weltoffenheit, kulturelle Vielfalt und Leidenschaft für Genuss und Begegnung sind in jedem Fall eine Bereicherung. So erzählt Schauspielerin, Theaterregisseurin und Autorin Adriana Altaras, dass sie sich nicht zwischen Palatschinken und Kalamari mit schwarzem Reis in der jugoslawischen Heimat ihrer Eltern Jakob und Thea entscheiden mag. Esther Ferrier, früher Betriebsdirektorin des Stadttheaters Gießen, plaudert von jenen Männern, die sie voller Leidenschaft bekocht haben, und scheut sich nicht, sich mit »Gschwellti und Chäs« als Kochmuffel zu outen. Die frühere Gießener Archäologieprofessorin Anja Klöckner erzählt, warum für sie ein griechischer Bauernsalat »ein Teller voller griechischer Sonne« bedeutet. Und Hans Goswin Stomps, einst Richter am Gießener Landgericht, philosophiert über den Sinn und Unsinn einer Henkersmahlzeit.

»Nicht das Gericht, nicht das Rezept steht im Mittelpunkt. Viel wichtiger ist der Mensch, der Freund hinter der Geschichte«, sagt Heide Sauer. Wenn Klezmer-Klarinettist Roman Kuperschmidt erzählt, warum auf einer jüdischen Hühnersuppe keine Fettaugen schwimmen dürfen, dann versteht man koscheres Essen. Wenn Yael Kraus, die in Gießen Medizin studiert hatte und heute in Israel lebt, ihrer Tochter mit der Familienlasagne ein Stück Heimat mitgibt, dann begreift man, dass Mütter in allen Ländern ähnlich ticken. Und wenn die gebürtige Afghanin Erina Hakim von ihrem »Familiengericht« Mantu, einer Art Teigtaschen mit Fleischfüllung, schwärmt, dann bekommen die Leser Einblick in fremde Gepflogenheiten und Familientraditionen.

»Kostbar« ist eine kurzweilige und dennoch nachhaltige Bereicherung – kulinarisch wie literarisch. Ästhetisch und hochwertig gedruckt wurde es in der Wettenberger Druckerei Bender.

»Kostbar – Eine verbindliche Einladung zum Genuss« ist zum Preis von 21,95 Euro erhältlich über die Buchhandlung Jakobi in Frankenberg (E-Mail an info@buchhandlung-jakobi.de, www.buchhandlung-jakobi.de; ISBN 9 78 30 00 62 07 51). Kontakt zur Autorin aufnehmen kann man über eine E-Mail an h.sauer@sauer-schrift.de.

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