24. Februar 2017, 19:38 Uhr

Einfach mal abtauchen

Vanessa Wagner kreiert meeresähnliche Objekte aus Nylonstrümpfen und Schaumstoff. Für ihre Ausstellung »Abtauchen« nimmt sie auch ein Schaumbad – und verbindet Aufnahmen davon mit einem Video voller Quallen.
24. Februar 2017, 19:38 Uhr
Vanessa Wagner legt letzte Hand an ein Meeresgeschöpf an – erschaffen aus einem Staubwedel. Auf dem Boden liegt eine riesige Qualle aus Schaumstoff und Nylonstrümpfen. (Foto: gl)

Die Mitglieder der Ateliergemeinschaft Trafo sitzen quasi auf gepackten Koffern. Schließlich muss die kreative Gemeinschaft zum Ende des Monats die »Neun10Räume« verlassen. Wie schon seit Längerem bekannt ist, kann die Fachhochschule das Haus Moltkestraße 11 nicht länger der Kreativszene zu günstigen Konditionen überlassen, da dort ein Neubau entstehen soll. Zum Finale macht das Künstlerkollektiv, das schon seit Längerem nach einem Ausweichquartier sucht, daher noch einmal mit kleinen Ausstellungen auf sich aufmerksam. Vor zwei Wochen hatte Kunstpädagogin Katharina Traore mit Flüchtlingen von ihnen gemalte Bilder ausgestellt, auf denen diese ihre Gefühle fern der Heimat und an ihrem neuen Lebensmittelpunkt Deutschland ausdrücken. Nun steht das nächste Ereignis an.

Zwischen ihrer Aufgabe als Mutter, dem Haushalt und dem beruflichen Alltag als Erzieherin sucht Vanessa Wagner in ihrer gleichnamigen Ausstellung nach Möglichkeiten zum »Abtauchen« aus dem Alltäglichen. Dank der kreativen Fantasie der gebürtigen Licherin, die in Kassel Kunst studiert hat, werden im ersten Obergeschoss des Hauses Nylonstrumpfhosen zu Korallenbänken, Stofftiere zu Riesenkalmaren, Tücher und Decken zu großen und kleinen Quallen. Für ihre Videoinstallation, die sie am Abend der Vernissage am heutigen Samstag, 25. Februar, 19 Uhr, live vertont, taucht die Künstlerin in ihrer Badewanne ab. Aufnahmen davon verbindet sie mit einem Quallen-Video – und erschafft so eine fast meditativ wirkende Zauberwelt. Die Besucher der Ausstellung steigen im Eingangsbereich über eine Meereswellen simulierende Stoffschlange und betrachten an den Wänden hängende Fotomontagen aus Selbstporträts und farbigen Riffaufnahmen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass hier die Künstlerin eigene Ganzkörperporträts in das organische Gebilde verwoben hat. In einem abgedunkelten Raum nebenan empfangen die Besucher von der Decke hängende Quallen aus Gaze und Lichterketten, eine aus Schaumstoff und Nylonstrümpfen erschaffene große Qualle liegt am Boden. Ein aus Stoff genähter Riesenkalmar hängt neben einem Orka, Seetang oder einem aus einem weißen Staubwedel geformten Gebilde. Dazu erklingen an das Meer erinnernde Geräusche und erzeugen im Zusammenklang mit dem auf eine Wand projizierten Video eine fast meditative Atmosphäre. Matratzen und Kissen laden die Besucher dazu ein, sich auf diese besondere Stimmung einzulassen. »Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man entspannen kann«, erzählt Wagner, die schon 2014 bei Trafo ihre Soundperformance »Sehnsucht nach Meer« gezeigt hatte. Nun widmet sie sich den Kreaturen unter der Wasseroberfläche.

Die Performance mit Vanessa Wagner können Besucher zur Vernissage am Samstag, 25. Februar, um 19 Uhr im Haus Moltkestraße 11 erleben. Die Ausstellung ist noch am Sonntag, 26. Februar, und Montag, 27. Februar, jeweils 15 bis 20 Uhr, zu sehen.

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