24. Januar 2019, 21:18 Uhr

»Einfach kann jeder«

Zehn Jahre ist es her, dass Gaby Köster dieser »drecksdisselige Schlaganfall« getroffen hat. Nun tritt sie wieder solo mit eigenem Comedy-Programm live auf. Warum sie das trotz ihrer körperlichen Handicaps auf sich nimmt, erzählt sie im Interview – und demonstriert, dass ihr der »Schlag« weder ihre Schlagfertigkeit noch ihren unbändigen Willen hat nehmen können.
24. Januar 2019, 21:18 Uhr
Gaby Köster betrachtet ihre neue Tour auch als Physioprogramm. (Foto: Stephan Pick)

Nach zehn Jahren Pause treten Sie nun wieder live auf. Macht Sie das nervös oder fühlen Sie sich wie ein Rennpferd, das endlich wieder auf die Bahn darf?

Gaby Köster: Ich bin eher in freudiger Erwartung. Seit dem Schlag ist es mit dem Lampenfieber nicht mehr ganz so irre wie früher. Das kommt mir aber sehr zupass. Ich habe früher jedesmal gedacht, ich sterbe. Nun habe ich einfach Bock, wieder vor die Tür zu gehen.

Warum ist es Ihnen wichtig, wieder live auf der Bühne zu sein? Im Fernsehen hat man Sie wieder mehrfach sehen können, aber live und ganz auf sich gestellt ist das doch noch mal eine ganz andere Nummer?

Köster: Da komme ich her. Das ist mein Beruf. Ich bin noch nicht im Rentenalter. Und da heißt es: Raus auf die Straße. Ich habe da angesetzt, wo ich herkomme. Ich habe nicht als TV-Mensch angefangen.

Abgesehen von Ihrem körperlichen Handicap: Ist Standup-Comedy im Sitzen nicht besonders schwer? Sie haben ja nur ihre Stimme und Ihre Mimik?

Köster: Tollerweise habe ich ja noch Stimme und kann ein Pfund drauflegen. Ich habe festgestellt, dass es im Sitzen nicht weniger lustig ist als im Stehen. Es kommt auf die Präsenz an, die man hat. Ich mache das schon um die 30 Jahre und weiß, wie es geht. Das ist etwas, was man nicht automatisch kann. Talent und Erfahrung gehören dazu. Von daher ist das für mich easy.

Hat sich Ihr Humor geändert? Comedians regen sich ja gerne über Kleinigkeiten auf. Wer erlebt hat, was Ihnen passiert ist, den lässt das doch sicher eher kalt?

Köster: Das stimmt. Aber man lässt sich beeindrucken von dem, was auf der Welt passiert. Darum geht es auch in meinem Programm. Ich habe zum Beispiel die Politik auf dem Löffel. Den Herrn Spahn und seine Organspende. Der soll doch mit der Organspende anfangen. Am besten mit dem Hirn, denn das ist quasi ungebraucht.

Sie haben in Sachen Gesundheitspolitik und Umgang mit Kranken und gehandicapten Personen Ihre Erfahrungen gemacht. Solche Situationen kommen doch sicher im Programm zur Sprache?!

Köster: Vom Handicap erzähle ich gar nicht viel. Es soll ja ein lustiger und entspannter Abend werden. Ich bin schließlich in der Unterhaltungsbranche. Mir ist es wichtig, dass die Leute Lachen können. Probleme haben wir im Moment ohnehin genug.

Sie haben sich äußerlich sehr verändert. Die Rastalocken sind ab, ihre Kleidung nicht mehr so flippig.

Köster: Ich bin nach wie vor bunt. Meine Haare sind jetzt pink oder rosa. Ich verändere mich laufend, weil ich das witzig finde.

Schauspielerin Anna Schudt hat bei der Emmy-Verleihung, als sie für die Verfilmung Ihrer Autobiografie »Ein Schnupfen hätte auch gereicht« ausgezeichnet wurde, gerufen: »Gaby, wir haben es nach New York geschafft«. Da hätte ich Ihr Gesicht doch gerne in Großaufnahme gesehen.

Köster: Das ist doch klar, dass man mich da nicht gezeigt hat. Schließlich hat Anna den Preis bekommen und nicht ich. Es war aber sehr lustig. Wir haben als Gruppe am Tisch gesessen, sind aufgesprungen und haben vor Freude die ganze Hütte zusammengebrüllt.

Ist es ein komisches Gefühl, seine Lebensgeschichte von jemand anderem gespielt zu sehen?

Köster: Ja klar. Am Anfang habe ich noch gedacht, wer das nur spielen soll. Zumal ich noch lebe. Da ist es für einen Akteur noch schwieriger. Wir hatten aber Mitspracherecht bei der Besetzung. Das war mir wichtig. Frau Ferres hätte ich da nicht gerne gesehen. Es gibt keine bessere als Anna. Sie hat echt einen hingelegt.

Ist tatsächlich eine Fortsetzung Ihres Buches in Arbeit?

Köster. Ich schreibe am zweiten, eine Art Fortsetzung. Das soll im Herbst rauskommen.

Ist Schreiben für Sie nicht ohnehin eine Option?

Köster: Ich bin ein Sonnenmensch. Und in Jahreszeiten wie jetzt, ist es eine gute Geschichte, schöne Dinge zu schreiben.

A propos Sonnenmensch: Sie waren in diesem Jahr erstmals wieder auf Ibiza.

Köster: Ibiza ist für mich zweite Heimat. Mein Kraftzentrum. Die Hippie-Mentalität dort gefällt mir. Man kann sich frei bewegen, keiner guckt einen blöd an.

Wie haben Sie es geschafft, so positiv zu bleiben. Humor ist das eine, ein starker Wille wohl das andere?

Köster: Mein Wille ist das, was mich nach vorne treibt, mein Motor. Wenn ich etwas nicht schaffe, setze ich alles daran und kann richtig bockig und stur werden.

Fällt es Ihnen schwer, Hilfe anzunehmen?

Köster: Immer wieder. Das ist es, was mich am meisten an dieser Geschichte nervt. Ich war immer ein sehr selbstständiger Mensch, auch in ganz alltäglichen Dingen. Jemand fragen zu müssen, ob er mir hilft, ist nach wie vor ein Albtraum für mich. Aber man wird geduldig und lernt, damit zu leben.

Aber Sie machen es sich auch nicht einfach. Von Bühne zu Bühne zu ziehen, ist doch nicht einfach.

Köster: Einfach kann jeder. Ich betrachte die Tour auch als eine Art Physioprogramm.

Sie haben mal gesagt, nichts im Leben sei so bescheuert, dass es nicht auch für etwas gut sei. Wofür war Ihr Schlaganfall gut?

Köster: Ich sehe heute viele Dinge anders als früher, war nach 22 Jahren mal wieder in New York.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft.

Köster: Das Buch steht an, ich male nach wie vor und gehe gerne raus zum Urban Scetching. Wenn man sie zeichnet, erlebt man Orte viel intensiver.

Und wie sieht es mit einer neuen Liebe, einer »Verknallung« wie sie es nennen, aus?

Köster. Das wäre schön. Es müsste aber ein Mann mit Humor und Chaosresistenz sein.

Und er müsste Hunde mögen. Haben Sie noch Ihre fünf Hunde?

Köster: Leider sind es nur noch vier. Mein Taxi hat sich letzten Sommer 18-jährig verabschiedet. Er hatte auch einen Schlaganfall und war dement. Ich habe ihn einäschern lassen. Er steht nun an meinem Bett.

Hieß der Hund tatsächlich Taxi?

Köster: Ich habe mal gesagt, der nächste Hund soll Taxi heißen, weil ich es witzig finde, im Park laut »Taxi« zu brüllen. Dann war ich auf Ibiza, und der Hund hieß schon so. Es war Schicksalfügung. Taxi war mein Buddy-Hund. Hier zu Hause nutze ich meist den Rolli. Als es ihm schlecht ging, habe ich ihn darin transportiert. Es war mir wichtig, dass wir alle Wege gemeinsam gegangen sind.

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