29. August 2019, 11:00 Uhr

Vandalismus

Einbruch in Gießener Moschee wirkt nach

Muslimische Gemeindemitglieder sind besorgt nach Vandalismus in ihrem Gotteshaus. Doch die Tat geschah vermutlich ohne politischen Hintergrund.
29. August 2019, 11:00 Uhr
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Von Kays Al-Khanak
In die Moschee des türkisch-islamischen Vereins ist am Sonntagabend eingebrochen und randaliert worden. (Foto: Schepp)

Die Anteilnahme ist groß, die Sorge aber auch: Nach dem Einbruch bei der türkisch-islamischen Gemeinde an der Marburger Straße versucht deren Vorstand, die Wogen zu glätten. Am Sonntag waren Unbekannte ins Vereinsheim von Ditib Gießen eingedrungen, hatten eine türkische Fahne von der Wand gerissen und unter anderem einen Koran in einen Mülleimer geworfen. »Natürlich hat uns das getroffen«, sagt der Vorsitzende der Gemeinde, Ercan Demirci. »Der Koran ist unser heiliges Buch. Aber es beruhigt uns, dass die Polizei die Sache ernst nimmt und sofort die Ermittlungen aufgenommen hat.«

Einem Gemeindemitglied war am Montag aufgefallen, dass jemand gewaltsam in das muslimische Gotteshaus eingedrungen war und in den Räumen randaliert hatte. Nach Angaben der Polizei fand der Einbruch am Sonntag zwischen 18 und 21 Uhr statt. Die Täter hinterließen nicht nur einen Sachschaden von mehreren hundert Euro, sondern auch ein mulmiges Gefühl bei den Gemeindemitgliedern. »Was geschehen ist, berührt uns nach all den Nachrichten aus der vergangenen Zeit«, sagt Demirci und bezieht sich damit auf islamfeindliche Aktionen an und in Moscheen - die er aber in Gießen nicht sieht. »Die Mehrheit von uns spürt hier vor Ort keine Islamfeindlichkeit«, betont er. »Im Gegenteil, wir sehen uns als Teil der Gesellschaft dieser Stadt.«

Dementsprechend halten sich die Gläubigen mit Schuldzuweisungen zurück. Vielmehr drücken viele ihre Trauer über den Vorfall aus, finden aufmunternde Worte. »Viele sind schockiert, weil die Tat in einem Gotteshaus geschehen ist«, sagt Demirci und betont im gleichen Atemzug, »das wären wir auch, wenn es in einer Kirche oder einer Synagoge geschehen wäre.« Gotteshäuser seien ein Ort des Friedens - und sollten das auch bleiben.

Auch für die Polizei ist der Fall ungewöhnlich, weil so etwas selten geschieht. Vor wenigen Jahren habe es Einbrüche in Kirchen gegeben, sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer. Die Täter hätten es meist auf Opferstöcke abgesehen und nicht randaliert. Nach der Tat im Gotteshaus an der Marburger Straße war routinemäßig der Staatsschutz eingeschaltet worden. Im Zuge der Ermittlungen haben sich aber die Hinweise verdichtet, dass die Tat keinen politischen Hintergrund hat.



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