25. November 2018, 18:57 Uhr

Ein wirklich perfektes Requiem

25. November 2018, 18:57 Uhr
Ein tolles Konzert präsentieren die Liebigschule und das Hampshire County Youth Orchestra. Peter Schmitt (l.) mit den Solisten Nicole Tamburro (Sopran), Michaela Wehrum (Alt), Christian Richter (Tenor) und Andreas Czerney (Bass). Im Hintergrund der Chor. (Foto: bf)

Ein rundum hocherfreuliches Musikerlebnis genossen die Besucher in der rappelvollen Petruskirche am Samstag. Chor und Orchester der Liebigschule präsentierten zusammen mit dem Hampshire County Youth Orchestra Mozarts Großwerk, das Requiem. Die Kraft des Gefühls und die Macht des Klangs berührten die Besucher der Kirche ohne Ausnahme; es war ein rundum bewegendes Konzert auf ganz hohem Niveau.

Zu einem besonderen Anlass lobte Schulleiter Dirk Hölscher die seit 20 Jahren andauernde Partnerschaft mit den britischen Freunden. Er sagte: »Die englischen und deutschen Schüler gedenken der Opfer des Krieges vor hundert Jahren.« Das Konzert möge »ein Zeichen für den Frieden zwischen unseren Völkern sein.« Er schloss: »Brexit or not, we’ll stay together.«

Glänzende Solopartien

Der Vorsitzende des Kreistags von Hampshire, Roy Perry, lobte die musikalischen Qualitäten der Gießener jungen Musiker und dankte für die »jahrelange Zusammenarbeit. Der Chor der Liebigschule hat bei uns in Romsey ganz wunderbar gesungen.« Perry erinnerte auch an »die Schrecken des Krieges vor hundert Jahren« und wünschte, »dass die Jungen solches nie wieder erleben mögen. Es ist unsere Pflicht, uns daran zu erinnern.« Womöglich könne dies »durch die von uns gemeinsam geliebte Musik« bewerkstelligt werden.

Zu Beginn des Abends leitete Michael Zarniko das Orchester der Liebigschule. Man hörte Gabriel Faurés Pavane op. 50. Mit minimalen Einschränkungen der Geschlossenheit, aber mit klarem Ausdruck und spürbarer Stimmung wurde das Werk gut abgeschlossen; es war ein guter Anfang.

Jörg Abel leitete dann Orchester und Solistin Katharina Sagorski (Q3) in Haydns Konzert C-Dur für Violoncello und Orchester, Hob VIIb: (erster Satz: Moderato), die eine ausgezeichnete Leistung zeigte. Abel schuf mit dem schwungvoll agierenden, geschlossen und ausdrucksvoll musizierenden Ensemble eine verlässliche Grundlage, auf der sich Sagorski entfalten konnte. Sie spielte sogleich mit überzeugendem Ton und kraftvollem Ausdruck auch inhaltlich stimmig. Und fand sich schnell noch besser ins Werk und konnte eine immer stärkere Authentizität entwickeln. Ein eindrucksvoller Auftritt, der ihr verdient heftigen Beifall aller verschaffte.

Jens Velten musizierte mit dem Orchester aus Schuberts 1. Symphonie D-Dur, D 82, den ersten Satz. Schon zu Beginn temperamentvoll und dicht, wuchs schnell ein machtvoller Klang mit sehr gut unterscheidbaren instrumentalen Stimmen. Schön aufgenommener Schwung führte schließlich zu beachtlicher klaglicher Größe: ein klarer Erfolg.

Schließlich kam Peter Schmitt mit dem eindrucksvollen erweiterten Oberstufenchor und dem Hampshire County Youth Orchestra (HCYO) zur Hauptattraktion des Abends. Er präsentierte Mozarts Requiem in d-Moll, KV 626. Mit Konzentration und Geschlossenheit und in sehr guter Form begleiteten die Gäste das Großereignis. Diese Komposition berührt den Zuhörer vor allem durch die Macht des Chors und die Schönheit der vier Solostimmen, die im Werk fugenlos verschmelzen. Schmitt schuf eine chorisch differenzierte Dynamik und konnte sofort über einen sehr geschlossen agierenden, kraftvollen und hörbar motivierten Klangkörper verfügen. Die tollen Leistungen der Solisten kamen da gerade recht. Nicole Tamburro (Sopran), Michaela Wehrum (Alt), Christian Richter (Tenor) und Andreas Czerney (Bass) lieferten ohne Ausnahme nicht nur glänzende Solopartien, sondern beeindruckten auch in der Interaktion durch klarste Intonation und vorzügliche auch inhaltliche Geschlossenheit; das geschieht nicht oft und vor allem nicht mit so viel Gefühl.

Peter Schmitt hatte daran größte Freude, er agierte voller Energie und Spannung, Chor und Ensemble folgten ihm hochpräzise. Das Ergebnis war ein höchst niveauvolles Musikerlebnis, das der Chor mit geradezu vorbildlichem Engagement und ebensolcher Geschlossenheit trug. Im Ergebnis vermittelte sich die vielschichtige Komposition so in ungemein lebendiger Weise. Am Ende konnte Schmitt seine Musiker fröhlich anschauen – dieses »Requiem« war wirklich perfekt gelungen.

Dafür gab es kraftvollen, lange anhaltenden Applaus.

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