21. Oktober 2018, 18:35 Uhr

Ein urbanes Märchen

21. Oktober 2018, 18:35 Uhr
Balletttänzerin Cara Hopkins als »Fantasy, hinter ihr Masi Aziz mit schwarzer Maske als »Angst«, seitlich die Abenteurer in Weiß Dominik Blenk und Markus Heldt. (Foto: Klein)

Nachdem die Poetry Slam-Abende so großen Publikumserfolge sind, vor allem bei nicht-typischen Theatergängern, entschied die Gießener Theaterintendantin Catherine Miville sich für ein Gastspiel mit Breakdance. »Dreamscapes« war am Freitagabend im Großen Haus gut besucht. Initiiert und umgesetzt wurde die Traumlandschaft von Dominik Blenk und Markus Heldt. Die beiden Streetdancer aus Lohr am Main treten seit Jahren als Hot Potatoes auf, sind längst preisgekrönt und haben auch in Gießen schon ihre Fans, waren sie doch in der Oper »Gegen die Wand« zu erleben.

Angekündigt wird der Abend als »urbanes Märchen aus Breakdance, Ballett und fulminanter Livemusik«. Doch sind die Anteile nicht gleichgewichtig, steht doch eine einzige, sehr zierliche Balletttänzerin sieben athletischen Männern gegenüber. Es ist wunderbar anzusehen, mit welcher Leichtigkeit Cara Hopkins, bis vor kurzem Tänzerin beim Würzburger Ballett, jetzt in Karlsruhe, die kraftvollen Bewegungen ihrer Gegenüber auffängt und umleitet. Wie eine Übung in Aikido. Und der Witz in der Begegnung mit den beiden Abenteurern, dargestellt vom Duo Blenk/Heldt, ist wirklich erheiternd.

In den Gruppenszenen hätte man sich allerdings mehr Vertreterinnen ihres Fachs gewünscht, allein um die Unterschiedlichkeit im Bewegungsmodus optisch deutlicher herauszuarbeiten. So kämpft sie als »Fantasy« einen einsamen, wenn auch von den Männern liebevoll unterstützten Kampf im Tutu und auf Spitze.

Das Märchen und die Figuren scheinen aus Fantasy-Filmen zu kommen. Die Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse ist schlicht, die Namensgebung der Figuren erstaunt. Das Böse heißt »Angst«, es saugt den Menschen alle Kraft und Energie aus dem Leib. Doch gemeinsam kann Angst-Man (Masi Aziz) überwunden wurden, dessen Traurigkeit sich am Ende sogar in Freude verwandelt.

Der atmosphärische Soundteppich wird live auf der Bühne ausgebreitet – vom Komponisten und Keyboardplayer Robin Becker und dem Schlagzeuger Friedel Lelonek, der auf mehr als 20 Jahre Bühnenerfahrung als Musiker und Sound-Ingenieur blickt. Es dominiert eingängiger Elektropop, nicht der rhythmisch treibende Hip Hop. Die mit riesigen Krepp-Papierblumen und Traumfängern dekorierte Bühne wird von einer bunten, manchmal etwas willkürlichen Lightshow begleitet.

Mit den anderen Tänzern aus Franken und Bayern haben die Hot Potatoes schon mehrere kleinere Projekte erarbeitet, für Dreamscapes stehen sie nun alle gemeinsam für ein abendfüllendes Programm auf der Bühne: Muharem Demiri, Daniel Winterstein, Mohamad Karkora, Thai Dao Trinh Duc. Premiere war im April in der Stadthalle Lohr, in Gießen fand das erste Gastspiel statt. Und es sollen 2019 noch mehr werden, verriet Dominik Blenk am furiosen Ende der Show. Dann gab es nämlich noch die typischen Freestyle-Einlagen der Breakdancer, bei denen jeder Einzelne seine Spezialität vorführt. Das Publikum schien nun völlig entfesselt, feuerte mit Klatschen und Rufen alle an.

Angefangen haben die Jungs übrigens vor 15 Jahren im Lohrer Jugendzentrum. Dort fühlen sie sich immer noch Zuhause, dort ist die Idee entstanden, »etwas ganz Großes zu machen«. Gemeinsam mit anderen haben Blenk, Heldt und Becker ihren Traum verwirklicht und schaffen es, viele damit zu begeistern. Dagmar Klein

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