11. Februar 2019, 22:06 Uhr

Ein anderes Bild von Afrika

11. Februar 2019, 22:06 Uhr
Aufnahme einer Eingeborenen-Familie in Deutsch-Ostafrika (1906) aus »Unsere Kolonien«. (Foto: Dt. Hist. Museum)

Gießen (pm). »Mehr als Schwarz-Weiss« ist eine Ausstellung über Kolonialfotografie in Afrika überschrieben, die im Rahmen eines Projektseminars am Institut für Kunstpädagogik der Justus-Liebig-Universität erarbeitet wurde. Vernissage ist im Philosophikum II (Karl-Glöckner-Straße 21 H, EG und 1. OG) am heutigen Dienstag, 12. Februar, um 18 Uhr. Zu sehen ist sie bis 12. März montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr.

In dem Projektseminar unter Leitung von Dr. Gerd Steinmüller wurden Einblicke in Verfahrensweisen und Funktionen der Fotografie anhand einer im Internet zugänglichen Sammlung von Aufnahmen aus den ehemaligen deutschen Kolonialgebieten erarbeitet. Im Mittelpunkt des Interesses standen der Widerspruch zwischen dem Wirklichkeitsanspruch der Fotografie und der Bildkonstruktion, die Übertragung europäischer Sichtweisen und Bildtraditionen auf das Bild fremder Kulturen und Kolonialfotografie als eine Form symbolischer Gewalt.

Im Rahmen eines DFG-Projekts sicherte und erschloss die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt rund 50 000 Bilder aus dem Besitz der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG). Diese Gesellschaft existierte von 1882 bis 1943; sie war der größte Interessenverband der Kolonialbewegung. Mit der Veröffentlichung und Verbreitung von Fotografien unterstützte die DKG die imperialistische Politik der Kolonialmacht Deutschland (1884-1914). Das Archiv der DKG umfasst Fotografien aus allen deutschen Kolonien. Die Ausstellung konzentriert sich auf die afrikanischen Länder.

Das Interesse an neuen Rohstoff- und Absatzmärkten und an der Etablierung deutscher Herrschaft in Übersee wurde nicht nur politisch, sondern auch ästhetisch – vor allem durch das Medium Fotografie – vermittelt. Es wurde zu einem der wirksamsten Propagandamittel des deutschen Kolonialismus. In den Aufnahmen von Städten, Industrieanlagen, Straßen, Eisenbahn, Schulen stellte die Kolonialmacht den Sieg deutscher Zivilisation über die einheimischen Kulturen dar.

Die Fotografen nahmen nicht die Sozialstrukturen der zahlreichen Ethnien Afrikas in den Blick, ihre Familienformen, Religionen, Arbeitsweisen, Feste, Spiele. Vielmehr inszenierten sie die Bilder gemäß ihrer eigenen sozio-kulturellen Herkunft. Häufig werden traditionelle Bildgattungen und Motive, die das visuelle Gedächtnis der Deutschen prägten, auf die unvergleichlich anderen Kulturen Afrikas übertragen. Sie fungierten als Stereotypen, die das Fremde dem Geltungsanspruch der eigenen Kultur und Geschichte unterwarfen. So entstanden rassistische Bilder, die manchmal exotistisch – verklärend und idealisierend – wirken, um dem Wunsch nach Vereinnahmung ferner Länder Ausdruck zu verleihen.

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