16. Mai 2019, 21:36 Uhr

»Ein Mann der Tat«

16. Mai 2019, 21:36 Uhr
Land und Stadt ehren auf dem Wiesecker Friedhof Albert Osswald, der am Donnerstag 100 Jahre alt geworden wäre. (Foto: Schepp)

An der Alten-Busecker-Straße stehen am Donnerstag dunkle Limousinen und Polizeiautos, vor einem großen Grab verharrt regungslos eine Ehrenformation der hessischen Polizei. Das Land Hessen und die Stadt Gießen würdigen an diesem wolkenverhangenen Morgen das Lebenswerk von Albert Osswald, dem früheren hessischen Ministerpräsidenten und Gießener Oberbürgermeister, der am 16. Mai 100 Jahre alt geworden wäre. »Albert Osswald war ein Mann der Tat«, sagt Volker Bouffier, der fünfte hessische Regierungschef nach dem gebürtigen Wiesecker Osswald.

Die Gedenkstunde ist fast ein landespolitisches Familientreffen. Neben dem aktuellen »MP« ist der frühere Landtagspräsident Karl Starzacher gekommen, Vizepräsidentin Heike Hofmann vertritt das aktuelle Präsidium, Fraktions- und Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel die hessischen Sozialdemokraten, denen Osswald angehörte. Auch die Gremien der Stadt sind mit Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Stadtverordnetenvorsteher Frank Schmidt an der Spitze stark vertreten. Neben Angehörigen des vierten hessischen Nachkriegs-Ministerpräsidenten ist zudem Prof. Nicole Deitelhoff, Geschäftsführerin der von Osswald gegründeten renommierten Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, nach Wieseck gekommen.

Gießener Ring und Hessenpark

Volker Bouffier spricht quasi in doppelter Funktion: als aktueller Ministerpräsident und Zeitzeuge, der den 1996 verstorbenen Osswald »von Kindesbeinen an erlebt hat«. Denn als Osswald Chef im Gießener Rathaus war, war Bouffiers Vater Robert für die CDU Oppositionsführer im Stadtparlament. Beide seien »Repräsentanten der Kriegsgeneration« gewesen und hätten ihre Lehren gezogen. So habe sich Osswald für die Verständigung von Deutschen und Israelis eingesetzt und bereits in den 1960er Jahren die spätere Städtepartnerschaft zwischen Gießen und Netanya angebahnt. Osswald habe »Bleibendes« geschaffen, erinnert Bouffier unter anderem an den Hessenpark, den Gießener Ring oder die Gebietsreform, die richtig und notwendig gewesen sei, auch wenn die damalige SPD-geführte Landesregierung mit der Stadt Lahn Schiffbruch erlitten habe. Osswald sei »erdverbunden« und ein »Macher« gewesen, sagt Bouffier.

Landtagsvizepräsidentin Hofmann nennt Osswald einen »Politiker zum Anfassen«, der das Land - Stichwort Hessen-Plan - modernisiert habe, während OB Grabe-Bolz vor allem sein Wirken in Gießen würdigt. Unter Osswald seien Wohnungen, Straßen und Gewerbegebiete entstanden, im übertragenen Sinne habe Osswald Brücken zwischen Deutschland und Israel gebaut. Von einem »Macher und Gestalter«, der seiner Zeit voraus war, spricht SPD-Chef Schäfer-Gümbel und weist darauf hin, dass Osswald den »ersten Datenschutzbeauftragten der Welt« installiert habe. Leider sei ihm nach seinem Rücktritt im Zusammenhang mit dem sogenannten »Helaba-Skandal« 1976 die verdiente Würdigung für seine politische Lebensleistung verwehrt geblieben.

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