01. Juni 2018, 21:39 Uhr

Ein Forum mit Weitblick

Das »Forum Alter und Jugend« wird 20 Jahre alt. Die Gründer von damals waren ihrer Zeit voraus: Gemeinsam Kultur erleben und gestalten, eigene Erfahrungen weitergeben und von anderen lernen – das war 1998 noch Neuland. Mittlerweile formulieren viele »Jungsenioren« genau dieses Ziel für ihre Zeit nach dem Berufsleben.
01. Juni 2018, 21:39 Uhr
Der Vorstand ist derzeit in Frauenhand: Bärbel Reich, Romana van Hoof, Ute Riehm, Anne Thomas (v. l. hinten), Barbara Lenz, Edeltraud Korff und Gisela Cordes. Brigitte Eberle fehlt auf dem Bild. (Foto: Schepp)

Seniorennachmittage mit Kaffee und Kuchen, hier und da eine Reise oder Kreuzfahrt, die Enkel hüten und im Garten werkeln – alles schön und gut. Aber gibt es da nicht noch etwas anderes? Und vor allem: Können nicht auch andere von dem profitieren, was man an Wissen und Können angesammelt hat? Sprachen lernen und Sprachen lehren, Musizieren oder ein Instrument lernen, Theaterstücke schauen und selbst mitspielen. Dass sich Menschen im Ruhestand endlich intensiv mit dem beschäftigen, wozu im Berufsleben nie Zeit war, ist nicht neu. Doch gab es 1998, als der Verein »Forum Alter und Jugend« gegründet wurde, noch keine »Institution«, die Menschen mit diesen Wünschen zusammenbrachte, erinnert sich Vorsitzende Gisela Cordes.

Markenzeichen des 200 Mitglieder starken Vereins ist es, dass neue Ideen immer willkommen sind und jeder ermuntert wird, »sein« Projekt umzusetzen. Das hat im Laufe der Jahre zu einem dynamischen Prozess geführt: Manches wurde ausprobiert und wieder verworfen, vieles blieb und etablierte sich. Die pensionierte Studienrätin Cordes, die einige Jahre nach der Gründung zum Forum kam, ist nicht nur überzeugt von dem Konzept, sondern sie hat durch die gemeinsamen Aktivitäten auch gute Freunde gefunden. »Das ist meine Familie geworden«, sagt sie.

Das »Forum Alter und Jugend« und das »Senioren Journal« (eine Sonderveröffentlichung dieser Zeitung in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband) haben dieselben Wurzeln. Der Kreis der Initiatoren war nahezu identisch, doch schlug man bald unterschiedliche Wege ein. Während sich ein ehrenamtliches Team auf das Erarbeiten von Artikeln konzentrierte, die für ältere Menschen relevant sind, begann das »Forum Alter und Jugend«, verschiedene Projekte auf die Beine zu stellen. Zum festen Programm gehören noch heute Besuche von Kunstausstellungen oder Museen, Exkursionen zu historisch und kulturell interessanten Stätten und Wanderungen. Abgesehen davon, dass die Teilnehmer dabei ihren Horizont erweitern, sind die Termine gesellige Ereignisse. »Es macht viel Spaß, mit netten Menschen unterwegs zu sein, und man lernt so viel Neues«, sagt Anne Thomas, die seit 2014 Mitglied ist und seit Kurzem im Vorstand mitarbeitet. Nicht passiv konsumieren, sondern aktiv gestalten ist die Devise im Forum, ergänzt Cordes.

Zu diesem Anspruch gehört auch, dass man seine Kenntnisse anderen zur Verfügung stellt – zum Beispiel Kindern. Seit vielen Jahren organisiert der Verein Unterstützung für Kindertagesstätten und Grundschulen. Derzeit gibt es 35 Frauen und Männer, die sich als Grundschulpaten engagieren. Sie beschäftigen sich im Unterricht ergänzend zu den Lehrern mit den Kindern und ermöglichen so eine individuelle Förderung. 15 Frauen und Männer gehen zudem als Vorlesepaten in Kindertagesstätten. Dieses Angebot wird von vielen Kitas und Schulen in Stadt und Kreis gerne angenommen, es hat sich als Bereicherung bewährt. Eine ganz andere Zielgruppe hat das Senior-Click im Blick. Dort bekommen ältere Menschen »Nachhilfe« rund um PC und Internet.

Cordes und ihre Mitstreiter sind froh über das Erreichte und auch ein wenig stolz, dass das Forum zu einer festen Größe im Stadtgeschehen geworden ist. »Luft nach oben« ist aber noch beim Thema Generationendialog. Gemeinsame Projekte von Alt und Jung gibt es immer wieder mal – zum Beispiel in der Theatergruppe und in der Zusammenarbeit mit der Initiative für Jugendberufsbildung (IJB), doch richtig etabliert hat sich das Miteinander nicht. Doch was nicht ist, kann ja noch werden – vielleicht im Laufe der nächsten 20 Jahre.

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