Stadt Gießen

Ein Bett in Gießen schreibt Geschichte

Wenn dieses Stockbett reden könnte: Das Regierungspräsidium stellt der Stadt Gießen ein Schlaflager aus der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge für eine Ausstellung zur Verfügung
17. Mai 2019, 11:00 Uhr
Burkhard Möller
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Bett, Tisch und Stuhl übergab RP Ullrich an OB Grabe-Bolz sowie Kulturamtsleiter Neubacher und Museumschefin Weick-Joch. (Foto: mö)

Wenn dieses Stockbett reden könnte, was hätte es wohl zu erzählen? Vielleicht die Geschichte einer Mutter mit zwei Kindern, die den ethnischen Säuberungen der Balkankriege entkam. Oder die der Brüder aus dem syrischen Aleppo, die vor Fassbomben und Artilleriegranaten geflohen sind. Seit Anfang der 1990er Jahre war das Stahlrahmenbett in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung im Gießener Meisenbornweg als Schlaflager im Dauereinsatz. Ab dem kommenden Mittwoch wird es ein Exponat der Ausstellung »Gießen ist...« im Alten Schloss sein.

»Das frühere Notaufnahmelager ist natürlich einer der ganz großen Gießener Orte«, betont Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch am Mittwoch bei der Übergabe des Betts, eines schlichten Tischs und Stuhls durch Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Beim RP, der im Oktober 2015 und damit auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise ins Amt kam, kommt alles wieder hoch, als er im Hof der früheren HEAE-Zentrale Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Kulturamtsleiter Stefan Neubacher und Museumsleiterin Weick-Joch empfängt. Hinter ihm führt die Treppe in den Speisesaal hinauf, auf der die DDR-Flüchtlinge im Sommer 1989 Schlange standen und die Fotos der großen Nachrichtenagenturen entstanden. »Der Meisenbornweg ist weltweit bekannt«, sagt Ullrich.

RP und OB nutzen den Termin, um nach vorne zu schauen, denn bekanntlich wollen Land und Stadt in der momentan noch leerstehenden Liegenschaft ein kleines Museum zur bewegten Geschichte des Notaufnahmelagers einrichten. Die Übergabe sei hoffentlich »der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit«, freut sich Grabe-Bolz. Wie sich das für zwei deutsche Behörden gehört, hat Kulturamtsleiter Neubacher sogar einen Leihvertrag über das historische Mobiliar aufgesetzt, den RP und OB unterzeichnen.

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