29. September 2019, 18:47 Uhr

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29. September 2019, 18:47 Uhr
EGB
Michael Rotschopf bei seiner Lesung in der Universitätsbibliothek. (Foto: egb)

»Und auf einmal war alles gestern« - treffender als mit diesem Satz lässt sich Vergänglichkeit kaum in Worte fassen. In »Der vorige Sommer und der Sommer davor« versucht Peter Kurzeck Erinnerungen festzuhalten und zeigt gleichzeitig, wie kurzweilig das Glück sein kann. Der Roman ist der siebte Teil der autobiographischen Chronik »Das alte Jahrhundert«, die insgesamt auf zwölf Werke ausgelegt ist. Fünf der Bücher sind zu Lebzeiten des 2013 verstorbenen Autors erschienen, das »Sommerbuch« ist das zweite Werk, das posthum veröffentlicht wurde. Es ist etwas Besonderes, denn der Leser weiß bereits im Voraus, dass es um die Verarbeitung der Trennung von Freundin Sybille geht und auch sonst passiert eigentlich nicht viel. Aber es ist auch gar nicht die Handlung, die den Roman so speziell macht, es ist die Art, wie Kurzeck es versteht, alltägliche Situationen lebendig werden zu lassen.

Wie fesselnd das sein kann, zeigte jetzt eine Lesung in der Universitätsbibliothek, zu der die Peter Kurzeck-Gesellschaft und hr2-kultur geladen hatten. Die Veranstaltung stieß auf so viel Resonanz, dass die vorgesehenen Plätze nicht ausreichten und weitere Stühle organisiert werden mussten. Vor über hundert Zuschauern sprachen die Herausgeber Alexander Losse und Rudi Deuble mit Moderatorin Sylvia Schwab von hr2 über den Roman. Auszüge aus dem Text wurden von Film- und Theaterschauspieler Michael Rotschopf gelesen. Keine leichte Aufgabe, da Kurzeck für die einzigartige Vortragsweise seiner Werke bekannt war. Rotschopf gelang es dennoch, seinen ganz eigenen Charakter einzubringen und die Besucher in seinen Bann zu ziehen. Ob philosophisch, komisch oder poetisch, er fand für jeden Textabschnitt den passenden Ton und nahm die Besucher mit nach Frankreich, ans Meer oder einfach nur zum Einkaufen.

Der Roman blickt zurück auf den Sommer 1983 und den des Jahres davor. Er erzählt wie der Protagonist gemeinsam mit Freundin Sibylle und der kleinen Tochter Carina nach Südfrankreich trampt, um dort seinen Freund Jürgen und dessen Partnerin Pascale in ihrem Restaurant zu besuchen. »Im Mittelpunkt steht das Glück der kleinen Familie und deren Freunde vor der Trennung«, sagte Deuble. Der Sommer sei eine Jahreszeit, in der sich die Menschen für eine Weile von ihren Sorgen und Zwängen befreien könnten und das spüre man in dem Buch.

Für Losse ist die sprachliche Darstellung des Alltags das Besondere an dem Werk. Wenn man eine Stunde Kurzeck gelesen habe, gehe man anders einkaufen, sagte er. Auch Rotschopf zeigte sich begeistert von der Schreibweise: »Kurzeck geht so genau in die Momente hinein und trifft die Dinge mit einem Pfeil, er findet seine ganz eigenen Bilder«, betonte der Schauspieler. Dessen Interpretation des Textes fand auch bei den Herausgebern Gefallen. Es sei ein Stück Befreiung, den Roman in dieser anderen Art zu hören, sagte Deuble. Es ergebe sich so ein ganz neuer Zugang zu Kurzeck. Außerdem zeige sich durch Rotschopfs Vortragsweise, dass der Text offen für andere Charaktere sei.

Mitschnitte der Veranstaltung sind am Sonntag, 13. Oktober um 12.04 Uhr auf hr2-kultur zu hören.

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