24. Juli 2019, 06:00 Uhr

E-Scooter

E-Scooter: Gießen »auf dem Zettel«

In Gießen sieht man E- Tretroller bisher kaum. Doch mindestens eine Verleihfirma hat die Stadt »bereits auf dem Zettel«. Wenn die Welle überschwappt, kann die Stadt das kaum steuern.
24. Juli 2019, 06:00 Uhr
Einer von wenigen: Der Wiesecker Vincent Riedl flitzt mit seinem E-Scooter über den Berliner Platz. (Foto: Friedrich)

Rudelweise flitzen die Gefährte fast geräuschlos an Fußgängern vorbei, die meistens jungen Nutzer steuern sie manchmal zu zweit aneinandergeklammert. Seit Juni sind versicherungspflichtige Elektro-Tretroller in vielen deutschen Städten unterwegs. Gerade die Leih-Exemplare sorgen für Ärger. Gießen ist davon bisher noch verschont geblieben, doch das könnte sich bald ändern. »Die Stadt ist bei uns definitiv auf dem Zettel der Standorte, an denen wir in naher Zukunft mit einem Verleih beginnen möchten«, sagt Matija Mesic vom Anbieter Circ. Ein konkretes Startdatum könne man aber noch nicht nennen. Magistratssprecherin Claudia Boje sagt indes, bei der Stadt habe bislang noch kein Anbieter Interesse angemeldet, eine Station einzurichten. Sollte es diesen Wunsch geben, hätte man aber kaum Handhabe dagegen.

Noch ist der Anblick eines E-Scooters in Gießen eine Rarität. Wer damit unterwegs ist, steht in der Regel auf einem eigenen Gefährt und ist sich der Tatsache bewusst, dass es sich um ein Verkehrsmittel und kein Spielzeug handelt. Zum Beispiel Vincent Riedl, der in den zwei Monaten seit dem Kauf schon 450 Kilometer mit dem Roller zurückgelegt hat. »Ich fahre nur auf Radwegen und auf der Straße. Auf Gehwegen wäre es heikel«, sagt der Wiesecker.

Er schätzt an seinem Scooter vor allem, dass er kompakt ist und sich umstandslos im Auto verstauen lässt. Das sei praktisch etwa bei Dienstfahrten zu zweit, bei denen die Kollegen nicht gemeinsam zurückfahren. Zum Friseur, zur Bank oder »wenn man weiter weg parken muss« - etwa kürzlich beim Urlaub in Dresden - nutzt Riedl das Gefährt. Seine Mutter rollt mit ihrem eigenen Exemplar jeden Tag zur Arbeit von Wieseck in die Ostanlage und spart sich so den überfüllten Bus oder den Auto-Stau. Heikle Situationen habe Vincent Riedl bisher nicht erlebt. »Als Motorradfahrer bin ich das vorausschauende Fahren gewöhnt.« Anfängern empfiehlt er, die Handhabung zunächst abseits der Verkehrsströme zu erkunden. »Nach zehn Minuten hat man es raus. Man erinnert sich schnell an das Rollerfahren in der Kindheit.«

»Üben bitte«, mahnt Jörg Reinemer, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen. Anfänger müssten das Fahren mit bis zu 25 km/h im Stehen auf kleinen Rädern sowie das Bremsen erst lernen. Die Polizei empfiehlt, eine Schutzausstattung wie beim Inline-Skaten plus Helm zu tragen, »da ein Sturz fatale Folgen haben kann«. In Marburg gab es bereits einen Unfall, aus Stadt und Kreis Gießen sei keiner bekannt, sagt Reinemer. Die versicherungspflichtigen Fahrzeuge spielten bisher »im Stadtbild keine Rolle«.

Das könnte sich ändern, falls der Markt tatsächlich nach Gießen überschwappt. Immerhin gehören zu den etwa 15 Städten, in denen Verleiher ihre Flotten anbieten, auch mittelgroße wie Münster, Augsburg oder Herne. Circ plant demnächst an 80 weiteren Standorten aktiv zu werden, unter anderem in Wolfsburg, Ludwigsburg und Ulm.

Das große Plus: im Auto verstaubar

Die Anbieter bräuchten keine Genehmigung, erläutert Boje. »Die Möglichkeiten der Steuerung gehen gegen Null.« Erst wenn negative Auswirkungen - etwa vermehrt gefährdend abgestellte Scooter - beobachtet würden, könnte die Stadt eingreifen. Eine klare Haltung gebe es im Rathaus nicht: »Wir beobachten die Entwicklung in Städten, wo E-Scooter zum Verleih angeboten werden, mit Interesse.«

Bürgermeister Peter Neidel (CDU) zeigt sich zurückhaltend, während die SPD-Stadtverordnetenfraktion E-Tretroller in der Stadt ausdrücklich befürwortet hat. In Marburg hat das Stadtparlament jüngst beschlossen, die Einführung eines Verleihsystems solle geprüft werden.

Kaufen kann man die Zweiräder in Gießen zum Beispiel bei Media-Markt. Bisher waren nur Modelle für den Gebrauch auf Privatgelände erhältlich, nun auch solche, die - bei Versicherung und für Fahrer ab 14 - für den Straßenverkehr zugelassen sind. »Das Interesse steigt mehr und mehr«, sagt Geschäftsleiter Thomas Niesner. Bargh Djelveh, Inhaber des Fahrradgeschäfts Bornemann, winkt ab. Die Roller seien - vor allem bei Nässe - gefährlich und in einer überschaubaren Stadt wie Gießen weitgehend überflüssig. Die Modeerscheinung werde seiner Einschätzung nach wieder verschwinden.

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