27. Oktober 2017, 20:12 Uhr

Durchblick bei Süßmachern

27. Oktober 2017, 20:12 Uhr

Wer seinen Zuckerkonsum reduzieren will, hat beim Einkauf von verarbeiteten Lebensmitteln oft schlechte Karten: Nicht alles, was süß macht, heißt auch Zucker. Das weiß die Lebensmittelindustrie für sich zu nutzen. Die Beratungsstelle Gießen der Verbraucherzentrale Hessen informiert gerade über deren Tricks. Hier klären wir einige grundlegende Fragen vorab.

? Was ist Zucker und wofür brauchen wir ihn?

Zucker ist ein Kohlenhydrat. Kohlenhydrate sind ein lebenswichtiger Bestandteil der Ernährung, denn sie sind Energielieferanten, etwa für Muskulatur und Gehirn. Man unterscheidet zwischen Einfachzucker, Zweifachzucker und Mehrfachzucker, abhängig von der Molekülstruktur. Mehrfachzucker, wie etwa Stärke, sind empfehlenswerter, sagt Heidi Schneider von der Gießener Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Denn sie brauchen länger, um verstoffwechselt zu werden, und liefern beständiger Energie.

? Wie viel Zucker braucht ein erwachsener Mensch am Tag?

Der Mensch braucht Kohlenhydrate – aber nicht unbedingt Zucker. Ein Erwachsener sollte, abhängig von seinem Energiebedarf, nicht mehr als 60 Gramm Zucker pro Tag zu sich nehmen. Das sind etwa zehn Prozent der empfohlenen Kalorienzufuhr. Für Kinder ist die Menge entsprechend geringer. Meist erreichen sie diese auch schneller, da in Kinderprodukten oft viel Zucker enthalten ist, so Schneider. »In einem ›Milchzwerg‹ stecken beispielsweise sechs Gramm«, erklärt sie.

? Sind manche Zucker gesünder als andere Süßungsmittel?

»Dass es gesunde oder schädliche Zucker gibt, kann man nicht sagen«, sagt Schneider. Beispielsweise wird oft Traubenzucker für einen besonders gesunden Zucker gehalten. Zwar hat er im Vergleich mit Haushaltszucker eine geringere Süßkraft, aber der Energiegehalt ist der gleiche. So kann es sein, dass einem Produkt mehr Traubenzucker zugeführt wird, um die gewohnte Süße zu erreichen. Dadurch steigt aber auch gleichzeitig die Energiemenge.

? Kann die süße Zutat eigentlich auch süchtig machen?

»Von einer richtigen Sucht will ich nicht sprechen«, betont Schneider, »aber man entwickelt eine Vorliebe für Süße«. Die Geschmacksnerven gewöhnen sich daran. Je mehr Zucker wir gewohnt sind, desto mehr Süße brauchen wir, dass es uns schmeckt. Indem man den Zuckerkonsum langsam zurückschraubt, können sich die Geschmacks-zellen wieder sensibilisieren.

? Wie und wo wird Zucker auf Lebensmitteln kenntlich gemacht?

Auf Produktverpackungen befindet sich eine Zutatenliste, auf der sämtliche Inhaltsstoffe absteigend nach Menge aufgeführt sind. Die Zutat, die zuerst aufgeführt ist, macht den größten Bestandteil des Produkts aus. Die Zweite den zweitgrößten, die Dritte den drittgrößten und so weiter. »Hier muss man aber aufpassen, denn nicht alles, was süß macht, heißt Zucker«, warnt Schneider. Beispielsweise stecken auch in Magermilchpulver oder Molkenpermeat süßende Stoffe. Die Verbraucherzentrale listet über 70 Zucker und Süßungsmittel auf. Besonders Zuckeraustauschstoffe, wie etwa Xylit/E 967, muss man kennen, um sie als solche zu identifizieren. Neben der Zutatenliste findet man auf Etiketten auch eine Tabelle mit Nährwertinformationen. Hier ist der enthaltene Gesamtzuckergehalt für verschiedene Produktmengen in Gramm oder Millilitern angegeben.

? Was bedeutet die Werbeaussage »Ohne Zusatz von Zucker«?

»Bei solchen Produkten sind keine Einfach- oder Zweifachzucker zugesetzt. Das heißt aber nicht, dass gar kein Zucker enthalten ist«, erklärt Schneider. Meist werden stattdessen Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe verwendet. So könnte ein »Light«-Produkt mehr Zucker enthalten als ein normales Produkt eines anderen Herstellers. Möglich ist aber auch, dass ein Produkt von Natur aus süß ist, wie etwa Früchtemüsli. »Die Bezeichnung ›enthält von Natur aus Zucker‹ wäre dafür wünschenswert«, so die Expertin. Auch bei Aussagen, wie »30 Prozent weniger Kalorien« sollte man vorsichtig sein. In aller Regel fehlt die Referenzmenge. Ein solcher Aufdruck sagt dann im Grunde nichts aus.

? Was sind die wichtigsten Tipps für eine bewusstere Ernährung?

»Man sollte möglichst unverarbeitete Lebensmittel verwenden, denn die meisten Zucker- und Süßstoffe befinden sich in Fertigprodukten«, sagt Schneider. Statt fertigem Fruchtjoghurt sollte man Naturjoghurt kaufen und Obst hineingeben. »Auch Getränke kann man leicht selbst süßen, indem man normalem Wasser einen Schuss Fruchtsaft zugibt«, erklärt Schneider. »Zitronenscheiben in der Karaffe sehen noch dazu gut aus.«

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