05. Mai 2013, 21:53 Uhr

Drei Minuten lachen für den Weltfrieden

Gießen (csk). Um Punkt 14 Uhr werden Probleme einfach weggelacht. Im Grunde ist es eine Demonstration am Sonntagmittag auf dem Kreuzplatz – eine Demonstration der guten Laune.
05. Mai 2013, 21:53 Uhr
Heiter ging es am Sonntagmittag auf dem Kreuzplatz zu: Ins »Lachyoga« mit Monika Tensing (im gelben T-Shirt) stimmten die meisten Passanten mit ein. Hier stellen sie sich vor, dass ihnen jemand am Telefon einen guten Witz erzählt. (Foto: csk)

»Stellen Sie sich vor, jemand ruft an und erzählt einen Witz«, motiviert Monika Tensing die Teilnehmer der Lachyoga-Übung. Ältere Damen gehören dazu, Männer mit Anzug und Krawatte, Familien. Sie alle haben ein Ziel: Drei Minuten lachen für den Weltfrieden. Denn dieser Sonntag ist nicht irgendein Tag – dieser Sonntag ist Weltlachtag.

Es ist das kleine Einmaleins des Lachens. »Eins zwei, eins zwei drei – ho ho, ha ha ha.« Monika Tensing zählt und reißt die Arme hoch. 30 Menschen tun es ihr gleich. Und wo 30 Leute lachen, da lachen bald noch viel mehr. Kaum fünf Minuten sind vergangen, schon hat sich eine Menschentraube gebildet. Mittendrin die 49-jährige Monika Tensing im knallgelben T-Shirt mit Smiley-Aufdruck. Seit Anfang des Jahres betreibt die ausgebildete Erzieherin (wie berichtet) den »Lachtreff Gießen«. Ihre Botschaften klingen einfach, aber sie wirken. Erst wird gelacht, dann tief durchgeatmet – fertig ist die gute Laune.

Als Kombination aus Atem- und Entspannungs- sowie Lachübungen beschreibt Tensing das Konzept. Dass Lachen die Gesundheit fördere, sei bewiesen, sagt sie; und dem Körper sei egal, warum ein Mensch lacht. Immer schütte das Gehirn Endorphine aus, Glückshormone. Kurzum: »Wir lachen ohne Grund« (Tensing) – aber mit Effekt. Das Lachyoga stammt aus Indien und wurde seit 1995 von dem Arzt Dr. Madan Kataria etabliert. Heute lachen Menschen in 72 Ländern regelmäßig gemeinsam »ohne Grund«.

Auch Skeptikern wird eines schnell klar: Lachyoga wirkt. »Gehen Sie aufeinander zu und lachen Sie sich herzlich an«, fordert Tensing die Zuhörer auf. Die steigern sich regelrecht in einen Rausch hinein. Fast jeder, der jetzt über den Kreuzplatz geht, beginnt früher oder später zu lachen, obwohl zunächst auch viele fragende Blicke zu sehen sind. Ein junger Mann leistet noch Widerstand. »Wie heißt die Sekte?«, spottet er – und lacht. Fast scheint es, als müssten die Leute gebremst werden in ihrer Euphorie. Tensing klatscht, ruft: »Sehr gut, sehr gut, ja!« Dann streckt sie wieder die Arme gen Himmel. Auch so funktioniert Lachyoga: Man reißt die Arme hoch, um runterzukommen.

Jedem Lachen folgt ein tiefes Durchatmen. Tensing nutzt diese Pausen, um zu motivieren. »Wir können die Welt nicht ändern, aber unsere Sicht darauf«, sagt sie. »Was passiert, wenn wir Problemen mit einem Lachen begegnen? Sie werden kleiner.« Viele Menschen nehmen diese Botschaften gar nicht wahr, so beschäftigt sind sie. Ein Mann reckt sich, als wolle er die ganze Welt umfassen, zwei Frauen fallen sich in die Arme – auf dem Kreuzplatz ist der Weltfrieden längst Realität.

Um Punkt 14 Uhr wird das Lachen politisch. Tensing verliest die »Weltlachtagsbotschaft« von Dr. Kataria. »Wir wollen Gesundheit, Freude und Frieden in die Welt bringen«, zur Eröffnung großer Veranstaltungen solle künftig eine Minute kollektiv gelacht werden, lautet seine provokanteste Forderung. In Gießen lachen die Teilnehmer gleich dreimal so lange für den Weltfrieden, ehe sie zur Musik ausschunkeln. So endet die spontane Lach-Demo. Die Teilnehmer gehen wieder ihrer Wege. Viele schweigen, eine Frau zieht indes pointiert Bilanz: »Das mache ich jetzt regelmäßig – wäre doch gelacht!«

Wer sich für Lachyoga interessiert, kann immer dienstags zwischen 19.30 Uhr und 20.30 Uhr zum Lachtreff im Familienzentrum Bernhard Itzel, Mildred-Harnack-Weg 21, kommen. Anmeldung bei Monika Tensing, Tel. 0 64 03/6 98 92 41 oder per E-Mail an
hallo@lach-doch-mit.de.



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