24. Februar 2018, 14:00 Uhr

Gießener Institution

Dr. Peter Rosenkranz: Mit 80 Jahren in den Ruhestand

Generationen von Patienten haben bei Dr. Peter Rosenkranz Heilung gefunden. Jetzt geht der Orthopäde mit 80 Jahren in den Ruhestand. Bei ihm wurde viel gelacht, es flossen aber auch Tränen.
24. Februar 2018, 14:00 Uhr
Peter Rosenkranz verabschiedet sich am 28. Februar offiziell von Patienten und Kollegen. (Foto: Schepp)

Ob er ein passendes Utensil habe, um seinen Beruf zu illustrieren, will der Fotograf von Dr. Peter Rosenkranz wissen. Der Mediziner muss überlegen. Dann blitzen seine Augen auf. »Moment«, sagt er, verschwindet im Nebenraum und taucht einen Augenblick später wieder auf. Grinsend schiebt er ein Skelett neben sich her. »Wer von beiden ist denn nun Herr Rosenkranz«, feixt der Senior und schüttelt die knochige Hand des Gerippes. Der Fotograf hat sichtbar Spaß, schießt sein Foto und eilt zum nächsten Termin. Wieder jemand, den Rosenkranz zum Lachen gebracht hat. Dem Team des Ärztehauses in der Frankfurter Straße wird dieser feine Humor fehlen. Denn Rosenkranz geht Ende des Monats in den Ruhestand. Drei Wochen nach seinem 80. Geburtstag.

 

Viel Spaß am Beruf

1947, Rosenkranz war gerade neun Jahre alt, hätte er nicht im Traum daran gedacht, dass er mal solch eine Karriere hinlegen würde. Sein Familie war nach dem Krieg aus dem Sudetenland vertrieben worden und in Sachsen untergekommen, bevor der Vater, ein Studienrat, eine Stelle an der Lahn ergatterte. Rosenkranz ging in Leihgestern zur Schule, sein Abitur machte er am Alten Realgymnasium. Er studierte Medizin, legte seine Approbation ab und arbeitete dann als Medizinalassistent an der JLU, als Bundeswehr-Sanitätsoffizier in München und Gießen sowie als Assistenzarzt an der Klinikum-Orthopädie. Dann, 1972, folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Eine eigene orthopädische Praxis an der Südanlage. Später verlegte Rosenkranz die Praxis in die Frankfurter Straße und war maßgeblich bei der Umwandlung in ein medizinisches Versorgungszentrum beteiligt. Mittlerweile sind hier neun Orthopäden und über 20 Arzthelferinnen beschäftigt. Außerdem kooperiert das Zentrum mit dem St.-Josefs-Krankenkaus, wo die Operationen durchgeführt werden. 2003 verkaufte Rosenkranz dann seine Praxis. Den Arztkittel hängte er trotzdem nicht an den Nagel. Bis heute berät er in der Frankfurter Straße seine Kollegen, zwei Tage in der Woche empfängt er zudem Patienten in seiner Privatpraxis. »Ich hätte schon mit 65 aufhören können«, sagt er, »aber mir hat mein Beruf einfach zu viel Spaß gemacht.«

Natürlich, Menschen in schwierigen Situationen helfen zu können, sei ein gutes Gefühl, mindestens genauso wichtig sei aber die soziale Komponente gewesen. »Ich habe einfach gerne mit Menschen zu tun.« Und es waren viele Menschen. Neben Mitgliedschaften in unzähligen Verbänden und Gesellschaften, Lehrtätigkeiten an der Uni und natürlich seiner Arbeit in der Praxis sind es auch die Basketballer der 46ers, die Rosenkranz begleitete. 28 Jahre lang eilte er als Mannschaftsarzt mit seinem Köfferchen auf das Parkett, wenn einer der Spieler sich verletzt hatte. Oder so tat. Rosenkranz schmunzelt: »Einmal ist einer der Spieler unter dem Korb hingefallen. Ich bin hingelaufen und habe ihn gefragt, was los sei. Er hat sich dann kurz versichert, dass der Schiedsrichter nicht in der Nähe ist, und mir zugeflüstert. ›Doc, I am okay. I just need a Break.« Also zückte Rosenkranz das Eisspray, sprühte hier und da, bis der Spieler wieder zu Kräften gekommen war.

 

In der Praxis viel gelacht, aber auch Tränen

Rosenkranz’ Gesicht strahlt, wenn er solche Geschichten erzählt. Und er ist ein begnadeter Erzähler. Auch von Witzen, wie sein Freundes- und Bekanntenkreis weiß. Er verstellt die Stimme, spricht in Dialekt und setzt Mimik und Gestik ein. Der Witz über den beichtenden Tünnes wäre es wert, hier erzählt zu werden, aber ohne Rosenkranz’ rheinischen Zungenschlag würde er nicht funktionieren. Außerdem ist er, nun ja, nicht ganz stubenrein.

Auch seine Patienten haben in der Praxis viel gelacht, es flossen aber auch Tränen. »Man kann den Menschen nicht immer helfen. Natürlich gab es auch lebensbedrohende Geschichten.« Dies den Betroffenen beizubringen, sei nicht einfach gewesen. Mitunter habe ihn das Schicksal der Erkrankten auch zu Hause nicht losgelassen. Ein junger Mann ist Rosenkranz dabei besonders in Erinnerung geblieben. »Er hatte einen Tumor im Beckenbereich. Sein Bein musste entnommen werden, dann auch ein Teil des Beckens. Letztendlich ist er doch gestorben.«

 

Organisator großer Touren

Doch die schönen Erinnerungen werden überwiegen. Und Rosenkranz macht sich keine Sorgen, wie manch anderer Senior nach der Rente in ein Loch zu fallen. Er liest viel, mag Gartenarbeit und fährt leidenschaftlich gerne Fahrrad. Schon eine halbe Ewigkeit organisiert er für den Freundes- und Bekanntenkreis große Touren, zum Beispiel durch Österreich, Frankreich oder die Schweiz.

Und nicht zuletzt wären da die sechs Enkel, die er seinen beiden Söhnen zu verdanken hat. »Ich habe in meinem Leben immer zu wenig Zeit gehabt«, sagt Rosenkranz. Nach einer kurzen Pause fügt er lächelnd hinzu: »Ich befürchte, im Ruhestand wird das nicht anders sein.«

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