15. Februar 2013, 15:13 Uhr

Dota Kehr mit Straßenpoesie und Tiefgang im MuK

»Kleingeldprinzessin« Dota Kehr gastierte mal ohne ihre Band Stadtpiraten, aber gemeinsam mit Multiinstrumentalist Jan Rohrbach im MuK.
15. Februar 2013, 15:13 Uhr
Bei den beiden stimmt die Chemie: »Kleingeldprinzessin« Dota Kehr und Multiinstrumentalist Jan Rohrbach. (Foto: juw)

Sie ist eine Weltreisende mit Gitarre, zog zunächst als Straßenmusikerin mit ihren Liedern durch die Lande, was ihr den Spitznamen »Kleingeldprinzessin« eintrug. Nun, acht in Eigenregie veröffentlichte Alben, Auftritte in Russland, Neuseeland und Brasilien sowie die Auszeichnung mit dem deutschen Kleinkunstpreis später, ist Dota Kehr auf den Clubbühnen der Republik heimisch geworden und auf dem besten Weg, den Status als Geheimtipp loszuwerden.

Zum dritten Mal gastierte die Berlinerin nun in Gießen, diesmal im gut besuchten MuK. An ihrer Seite: Multiinstrumentalist Jan Rohrbach, der sie virtuos auf der elektrischen Gitarre begleitete, und auch Ukulele, Melodica und einem Klavier im Mini-Format bezaubernde Arrangements zu entlocken wusste. Von Anfang an stimmte die Chemie zwischen dem Duo und ihrem überwiegend weiblichen Publikum, das gekommen war, um zu lauschen, aber auch zu tanzen. Für beides gab es reichlich Möglichkeit, denn obwohl die Sängerin laut eigener Aussage nur zwei Sorten von Liedern habe, nämlich traurige und beängstigende, ging es vor allem in der zweiten Konzerthälfte fröhlich und ausgelassen zu. »Das nächste Lied könnte schön werden, wenn ihr alle mitsingt«, forderte Kehr die Anwesenden zwischendurch auf, die jede Zeile der textlastigen, aber federleicht schwebenden Chansons auswendig zu kennen schienen. Bald intonierte der ganze Saal den Refrain vom »Ohrsteckermädchen« oder sang aus voller Kehle Slogans wie »Ich habe viel zu viel Ärger und viel zu wenig Wut«.

In bester Liedermachertradition mischt die studierte Medizinerin in ihren Texten Sozialkritik mit kleinen Geschichten von der Leichtigkeit des Seins, die sie mit Wortwitz und großartiger Beobachtungsgabe erzählt. »Die Welt ist was Gemachtes, und du kriegst deine tägliche Kopie« heißt es in dem Song »Utopie«, zu dem sich die Kleingeldprinzessin von einem Graffiti an einer Berliner Brücke inspirieren ließ (»Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen, es geht um die ganze Bäckerei«). Das ist echte Straßenpoesie mit Tiefgang, immer treffsicher im Ton, in der Lyrik wie in den Melodien und Rhythmen, die durch Anleihen im südamerikanischen Raum (»Abenteuer-Samba«) zum Bewegen auffordern. Dabei überzeugte auch Kehr als versierte Gitarristin und präsentierte einige unveröffentlichte Lieder. »Eigentlich sollte das neue Album im April kommen«, erzählte sie, und fügte mit Blick auf ihren Babybauch hinzu: »Aber jetzt kommt erst mal was anderes.«

Sie freue sich jetzt schon wieder darauf, wieder in Gießen zu spielen, bedankte sich Dota Kehr nach anderthalb Stunden und zwei Zugaben bei ihren Fans für den tosenden Applaus, und man konnte es der Berlinerin ansehen, dass sie diesen Abend wirklich genossen hatte.

Furios eröffnet hatten die Gebrüder Mühlleitner das Programm. Mit einer originellen Mischung aus Liedermacherei, treibenden Offbeats, Mitmachliedern und kleinkünstlerischen Einlagen, musikalisch angesiedelt zwischen Ska, Balkan-Beats, Hip-Hop, Reggea, Rock’n’Roll und Beat-Box, waren allein so schon den Eintritt wert. juw

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